die alle fast bis zur Einförmigkeit einfach und schmucklos waren . Erstaunt blieb er stehen , als ihm endlich an der letzten Tür der Minister selbst entgegenkam . Er hatte sich nach alledem Erhebenden , was er von seinem großen Streben gehört , einen lebenskräftigen , heldenähnlichen , freudigen Mann vorgestellt , und fand eine lange , hagere , schwarzgekleidete Gestalt , die ihn mit unhöflicher Höflichkeit empfing . Denn so möchte man jene Höflichkeit nennen , die nichts mehr bedeuten will , und keinen Zug mehr ihres Ursprungs , der wohlwollenden Güte , an sich hat . Der Minister las das Schreiben schnell durch und erkundigte sich um die Familienverhältnisse des Grafen mit wenigen sonderbaren Fragen , aus denen Friedrich zu seiner höchsten Verwunderung ersah , daß der Minister in die Geheimnise seiner Familie eingeweihter sein müsse , als er selber , und er betrachtete den kalten Mann einige Augenblicke mit einer Art von heiliger Scheu . Während dieser Unterredung kam unten ein junger Mann in soldatischer Kleidung die Straße herabgeritten . Wie wenn ein Ritter , noch ein heiliges Bild voriger , rechter Jugend , dessen Anblicks unser Auge längst entwöhnt ist , uns plötzlich begegnete , so ragte der herrliche Reiter über die verworrene , falbe Menge , die sein wildes Roß auseinandersprengte . Alles zog ehrerbietig den Hut , er nickte freundlich in das Fenster hinauf , der Minister verneigte sich tief ; es war der Erbprinz . Auf Friedrich hatte die wahrhaft fürstliche Schönheit des Reiters einen wunderbaren Eindruck gemacht , den er , solange er lebte , nie wieder auszulöschen vermochte . Er sagte es dem Minister . Der Minister lächelte . Friedrich ärgerte das britisierende , eingefrorne Wesen , das er aus Jean Pauls Romanen bis zum Ekel kannte , und jederzeit für die allerschändlichste Prahlerei hielt . Auf die Wahrhaftigkeit seines Herzens vertrauend , sprach er daher , als sich bald nachher die Unterhaltung zu den neuesten Zeitbegebenheiten wandte , über Staat , öffentliche Verhandlungen und Patriotismus mit einer sorglosen , sieghaften Ergreifung , die vielleicht manchmal um desto eher an Übertreibung grenzte , je mehr ihn der unüberwindlich kalte Gegensatz des Ministers erhitzte . Der Minister hörte ihn stillschweigend an . Als er geendigt hatte , sagte er ruhig : » Ich bitte Sie , verlegen Sie sich doch einige Zeit mit ausschließlichem Fleiße auf das Studium der Jurisprudenz und der kameralistischen Wissenschaften . « Friedrich griff schnell nach seinem Hute . Der Minister überreichte ihm eine Einladungskarte zu einem sogenannten Tableau , welches heute abend bei einer Dame , die durch gelehrte Zirkel berüchtigt war , von mehreren jungen Damen aufgeführt werden sollte , und Friedrich eilte aus dem Hause fort . Er hatte sich oben in der Gegenwart des Ministers wie von einer unsichtbaren Übermacht bedrückt gefühlt , es kam ihm vor , als ginge alles anders auf der Welt , als er es sich in guten Tagen vorgestellt . Es war schon Abend geworden , als sich Friedrich endlich entschloß , von der Einladungskarte , die er vom Minister bekommen hatte , Gebrauch zu machen . Er machte sich schnell auf den Weg ; aber das Haus der Dame , wohin die Adresse gerichtet war , lag weit in dem andern Teile der Stadt , und so langte er ziemlich spät dort an . Er wurde bei Vorweisung der Karte in einen Saal gewiesen , der , wie es schien , mit Fleiß nur durch einen einzigen Kronleuchter sehr matt beleuchtet wurde . In dieser sonderbaren Dämmerung fand er eine zahlreiche Gesellschaft , die , lebhaft durcheinandersprechend , in einzelne Partien zerstreut umhersaß . Er kannte niemand und wurde auch nicht bemerkt ; er blieb daher im Hintergrunde und erwartete , an einen Pfeiler gelehnt , den Ausgang der Sache . Bald darauf wurde zu seinem Erstaunen auch der einzige Kronleuchter hinaufgezogen . Eine undurchdringliche Finsternis erfüllte nun plötzlich den Raum und er hörte ein quiekendes , leichtfertiges Gelächter unter den jungen Frauenzimmern über den ganzen Saal . Wie sehr aber fühlte er sich überrascht , als auf einmal ein Vorhang im Vordergrunde niedersank und eine unerwartete Erscheinung von der seltsamsten Erfindung sich den Augen darbot . Man sah nämlich sehr überraschend ins Freie , überschaute statt eines Theaters die große , wunderbare Bühne der Nacht selber , die vom Monde beleuchtet draußen ruhte . Schräge über die Gegend hin streckte sich ein ungeheurer Riesenschatten weit hinaus , auf dessen Rücken eine hohe weibliche Gestalt erhoben stand . Ihr langes weites Gewand war durchaus blendendweiß , die eine Hand hatte sie ans Herz gelegt , mit der andern hielt sie ein Kreuz zum Himmel empor . Das Gewand schien ganz und gar von Licht durchdrungen und strömte von allen Seiten einen milden Glanz aus , der eine himmlische Glorie um die ganze Gestalt bildete und sich ins Firmament zu verlieren schien , wo oben an seinem Ausgange einzelne wirkliche Sterne hindurchschimmerten . Rings unter dieser Gestalt war ein dunkler Kreis hoher , traumhafter , phantastisch ineinander verschlungener Pflanzen , unter denen unkenntlich verworrene Gestalten zerstreut lagen und schliefen , als wäre ihr wunderbarer Traum über ihnen abgebildet . Nur hin und her endigten sich die höchsten dieser Pflanzengewinde in einzelne Lilien und Rosen , die von der Glorie , der sie sich zuwandten , berührt und verklärt wurden und in deren Kelchen goldene Kanarienvögel saßen und in dem Glanze mit den Flügeln schlugen . Unter den dunklen Gestalten des untern Kreises war nur eine kenntlich . Es war ein Ritter , der sich , der glänzenden Erscheinung zugekehrt , auf beide Kniee aufgerichtet hatte und auf ein Schwert stützte , und dessen goldene Rüstung von der Glorie hell beleuchtet wurde . Von der andern Seite stand eine schöne weibliche Gestalt in griechischer Kleidung , wie die Alten ihre Göttinnen abbildeten . Sie war mit bunten , vollen Blumengewinden umhangen und hielt mit beiden aufgehobenen Armen eine Zimbel , wie zum Tanze , hoch in die Höh , so