Vorfall der Obrigkeit anzeigen wollte . Er fiel , sowie er in den Turm kam , in einen ohnmächtigen Zustand . Als ich den andern Morgen zu ihm ging , saß er auf dem Strohlager , das ich ihm bereiten lassen , und weinte heftig . Er fiel mir zu Füßen und flehte mich an , daß ich mit ihm Erbarmen haben solle ; schon seit mehreren Wochen habe er im Walde gelebt und nichts gegessen als Kräuter und wildes Obst , er sei ein armer Kapuziner aus einem weit entlegenen Kloster und aus dem Gefängnisse , in das man ihn wahnsinnshalber gesperrt , entsprungen . Der Mensch war in der Tat in einem erbarmungswürdigen Zustande , ich hatte Mitleiden mit ihm und ließ ihm Speise und Wein zur Stärkung reichen , worauf er sich sichtlich erholte . Er bat mich auf das eindringendste , ihn nur einige Tage im Hause zu dulden und ihm ein neues Ordenshabit zu verschaffen , er wolle dann selbst nach dem Kloster zurückwandeln . Ich erfüllte seinen Wunsch , und sein Wahnsinn schien wirklich nachzulassen , da die Paroxysmen minder heftig und seltner wurden . In den Ausbrüchen der Raserei stieß er entsetzliche Reden aus , und ich bemerkte , daß er , wenn ich ihn deshalb hart anredete und mit dem Tode drohte , in einen Zustand innerer Zerknirschung überging , indem er sich kasteite , ja sogar Gott und die Heiligen anrief , ihn von der Höllenqual zu befreien . Er schien sich dann für den heiligen Antonius zu halten , sowie er in der Raserei immer tobte , er sei Graf und gebietender Herr , und er wolle uns alle ermorden lassen , wenn seine Diener kämen . In den lichten Zwischenräumen bat er mich , um Gottes willen ihn nicht zu verstoßen , weil er fühle , daß nur sein Aufenthalt bei mir ihn heilen könne . Nur ein einziges Mal gab es noch einen harten Auftritt mit ihm , und zwar , als der Fürst hier eben im Revier gejagt und bei mir übernachtet hatte . Der Mönch war , nachdem er den Fürsten mit seiner glänzenden Umgebung gesehen , ganz verändert . Er blieb störrisch und verschlossen , er entfernte sich schnell , wenn wir beteten , es zuckte ihm durch alle Glieder , wenn er nur ein andächtiges Wort hörte , und dabei schaute er meine Tochter Anne mit solchen lüsternen Blicken an , daß ich beschloß , ihn fortzubringen , um allerlei Unfug zu verhüten . In der Nacht vorher , als ich den Morgen meinen Plan ausführen wollte , weckte mich ein durchdringendes Geschrei auf dem Gange , ich sprang aus dem Bette und lief schnell mit angezündetem Licht nach dem Gemach , wo meine Töchter schliefen . Der Mönch war aus dem Turm , wo ich ihn allnächtlich eingeschlossen , gebrochen und in viehischer Brunst nach dem Gemach meiner Töchter gerannt , dessen Türe er mit einem Fußtritt sprengte . Zum Glück hatte den Franz ein unausstehlicher Durst aus der Kammer , wo die Bursche schlafen , hinausgetrieben , und er wollte gerade nach der Küche gehen , um sich Wasser zu schöpfen , als er den Mönch über den Gang poltern hörte . Er lief herbei und packte ihn gerade in dem Augenblick , als er die Türe einstieß , von hinten her ; aber der Junge war zu schwach , den Rasenden zu bändigen , sie balgten sich unter dem Geschrei der erwachten Mädchen in der Türe , und ich kam gerade in dem Augenblick herzu , als der Mönch den Burschen zu Boden geworfen und ihn meuchlerisch bei der Kehle gepackt hatte . Ohne mich zu besinnen , faßte ich den Mönch und riß ihn von Franzen weg , aber plötzlich , noch weiß ich nicht , wie das zugegangen , blinkte ein Messer in des Mönchs Faust , er stieß nach mir , aber Franz , der sich aufgerafft , fiel ihm in den Arm , und mir , der ich nun wohl ein starker Mann bin , gelang es bald , den Rasenden so fest an die Mauer zu drücken , daß ihm schier der Atem ausgehen wollte . Die Bursche waren ob dem Lärm alle wach worden und herbeigelaufen ; wir banden den Mönch und schmissen ihn in den Turm , ich holte aber meine Hetzpeitsche herbei und zählte ihm zur Abmahnung von künftigen Untaten ähnlicher Art einige kräftige Hiebe auf , so daß er ganz erbärmlich ächzte und wimmerte ; aber ich sprach : Du Bösewicht , das ist noch viel zu wenig für deine Schändlichkeit , daß du meine Tochter verführen wollen und mir nach dem Leben getrachtet , eigentlich solltest du sterben . - Er heulte vor Angst und Entsetzen , denn die Furcht vor dem Tode schien ihn ganz zu vernichten . Den andern Morgen war es nicht möglich , ihn fortzubringen , denn er lag totenähnlich in gänzlicher Abspannung da und flößte mir wahres Mitleiden ein . Ich ließ ihm in einem bessern Gemach ein gutes Bette bereiten , und meine Alte pflegte seiner , indem sie ihm stärkende Suppen kochte und aus unserer Hausapotheke das reichte , was ihm dienlich schien . Meine Alte hat die gute Gewohnheit , wenn sie einsam sitzt , oft ein andächtig Lied anzustimmen , aber wenn es ihr recht wohl ums Herz sein soll , muß meine Anne mit ihrer hellen Stimme ihr solch ein Lied vorsingen . - - Das geschah nun auch vor dem Bette des Kranken . - Da seufzte er oft tief und sah meine Alte und die Anne mit recht wehmütigen Blicken an , oft flossen ihm die Tränen über die Wangen . Zuweilen bewegte er die Hand und die Finger , als wolle er sich kreuzigen , aber das gelang nicht , die Hand fiel kraftlos nieder ; dann stieß er auch manchmal leise Töne aus , als wolle er in den Gesang einstimmen . Endlich fing er an ,