Zuruf der Andern davon . Wenn marschiren wir , fragte Rodrich , dessen Herz immer unruhiger klopfte . Übermorgen , erwiederte Stephano . Deine Frage , setzte er hinzu , erinnert mich an alle die tausend Kleinigkeiten , die uns in dieser Zwischenzeit genugsam beschäftigen werden . Nun , es gehört ja auch dazu , darum laß uns nur immer frisch Hand anlegen . Sie sprachen hier weitläuftig über die nöthigen Einrichtungen , und trennten sich endlich , damit jeder das Seinige besorge . Vor allem mußte Rodrich zum Grafen . Er eilte zu ihm , und erhielt dort Aufträge , die ihn eine Zeitlang von sich und seinen schwankenden Vorstellungen der Zukunft abzogen . Florio sah ihn kommen und gehen , ohne gleichwohl sein geschäftiges Treiben durch irgend eine Beziehung auf sich zu unterbrechen . Nur am Abend , als Rodrich einen Augenblick neben ihm ruhete , und schweigend seine Hand drückte , brach der innre Schmerz hervor . Wie seltsam , sagte er , spielt das Schicksal mit mir ! Nachdem ich leichtgesinnt alle Hindernisse überflogen , alles verlassen habe , was mich von dir zurückhielt , unbekannte Gegenden durchstreifend , die Welt wie eine liebe Heimath begrüßte , weil ich dich überall ahnete und sahe , muß ich dich endlich finden , um dich gleich darauf zu verlieren ! Soll denn das Leben wie ein buntes Spiel an mir vorüberziehen , und darf ich nie bei einer Freude verweilen ? - Rodrich eröffnete ihm beruhigend eine bessere Zukunft , ohnerachtet er selbst den eignen Wünschen keine bestimmte Richtung zu geben wußte . Er bat ihn darauf um nähere Auskunft seines vergangenen Lebens . Darüber , erwiederte jener , weiß ich wenig Deutliches anzugeben . Das Meiste liegt wie ein Traum hinter mir , wo sich die Erscheinungen in einander verlieren , und das dunkle Gefühl der Wehmuth oder Freude uns allein übrig bleibt . Auch habe ich weniger mit Menschen als mit der Natur gelebt . Nicht daß ich jene nicht unaussprechlich liebte , oder daß ich kalt von ihnen zurückgewiesen wäre , allein Vieles in ihren Verhältnissen ist mir fremd geblieben , oder erschien mir doch schwer und drückend . Späterhin zogen mich die Klöster , ihres herrlichen Gesanges und der wundervollen Gemälde wegen , zu sich hin . Die alten frommen Sagen , die Gebilde der Vorzeit , das heimliche , innerliche Leben , das sich nur dann und wann in Klängen verkündet , alles dies fesselte mich oft viele Tage hindurch , und ich verstand die Natur nie besser , als wenn ich so aus dieser abgeschlossenen Welt zu ihren wechselnden Spielen zurückkehrte . Ich erkannte hier den heiligen Ernst , wie er in bunten Kleidern an den Menschen vorübergeht , die ihn lieben , ohne ihn zu kennen , und oft dachte ich des Abends , wenn der lustige Farbenschmuck zerrann , und Hain und Wälder schwiegen , die frommen Brüder träten zu mir hin , und sagten mir dasselbe , was jene zuvor in tausend Weisen verkündeten . Mir ward es in solchen Augenblicken klar , daß wir , so wie die Nacht , auch das innere Walten des Geistes , verträumen , und daß es recht schwer ist , sich selbst in den einzelnen Lauten zu verstehen , die , gerade wie der Traum , zu uns heraufdringen , und dann wieder lange Zeit hindurch schweigen . Ich habe in ähnlichen Stimmungen viel gedichtet , aber es war so lose und unzusammenhängend , daß es dem Gedächtniß entfiel , und ich darüber die schönsten Erinnerungen einbüßte . Ich verlor mich dann auch wieder in große Städte , bei festlichen Aufzügen , Versammlungen , überall , wo ich dich zu finden hoffte . Gesang und Musik verschaffte mir leicht Zutritt . Dies sind Bande , die überall die Menschen vereinen . Es ist wohl sicher Gottes Stimme , die Niemand überhört . Viele reden freilich mehr davon , als sie empfinden ; aber es geht ihnen damit , wie mit der Tugend . Sie ahnen ihre Göttlichkeit , und möchten sie doch zum Scheine lieben , und ohne daß sie es glauben , werden sie , wenigstens für Augenblicke , durch sie bezwungen . Wie viel kalte Herzen sah ich durch die Gewalt der Töne erweicht und belebt , die sich dann wohl wieder verschlossen , aber doch eine Sehnsucht nach jenem seligen Vergessen ihrer einengenden Rücksichten behielten . So habe ich den Cardinal , und durch ihn dich gefunden . Wie , unterbrach ihn Rodrich , diese Hand hätte dir den Weg zu mir gebahnt ? Ich weiß nicht , erwiederte jener , wie es kam , daß mich sein kalter Blick nicht schreckte , und ich darein willigte , ihn hieher zu begleiten . Mich bestimmte weder ein lebhafter Gedanke an dich , noch irgend eine andre Hoffnung . Ich gab mich dem Schicksale ganz rücksichtslos hin , da mir überdies alles gleich unwichtig schien , so lange du mir fehltest . Ach und sieh , die Menschen denken und sinnen , erwägen und messen , und am Ende thun sie doch auch nichts anders , als sich gläubig in Gottes Arme werfen . Es giebt immer einen Punkt , wo die menschliche Klugheit nicht zureicht . Zuweilen ahnen wir ganz dunkel , daß diese uns überall mißleiten könne , und werfen uns getrost in das offne Meer des Lebens . Wie thöricht das auch von fern aussieht , so ist es dennoch schön , daß man sich überall gehalten fühlt . Mein Cardinal war wohl ein trocknes Reis , aber es hielt mich dennoch , und ich kam bis zu dir . Wer möchte auch über die Mittel rechten , die uns die Vorsehung sendet ! Fürchte übrigens nicht , fuhr er fort , als Rodrich gedankenvoll vor sich hin sahe , daß mich irgend ein Band an ihn kettet . Ich habe immer die Freiheit über alles geschätzt . Beschwerden achtete ich nie , Bedürfnisse kenne ich nicht