- Das alles ruhet schon , ich liebe dich . Auch Tilie , die holde , will dir wohl , und freue dich . Sie kennet keine Welt , von Menschenhänden trügerisch erbaut , und du bist wie Natur natürlich , liebt sie dich . Sprich nie von ihr , denn auch der Wahrste lügt , will er mit Worten , was er fühlet , sagen , und nur die Äußerung ist wahr , die unvermutet und unverschuldet aus der Tiefe steiget . Es leitet unwillkürlich die Natur die Sprache aus der Tiefe unsers Herzens durch die Oberfläche in sich selbst zurück , und enger , enger ziehen sich die Kreise und gehen endlich in den Tropfen über , die Tätigkeit so in sich selbst beschließend , die in der Ruhe stillen Spiegel fiel . Ich weiß nicht , wo mein Kind nach meinem Tode ein Bündnis mit dem Leben schließen sollte , drum habe ich sie der Natur verbunden , und so muß sich in ihr schon alles finden , und nirgends braucht sie Rat zu suchen . Es findet selbst ein blindes Kind die Brust der Mutter , deren Schoß es barg . O stör sie nicht , und liebe still , und stille Liebe wird dir danken - doch höre , hüte dich vor ihr , und bleib dir ewig gleich , denn zarte Ordnung bildet ihr Gemüt ; zerreißt du sie , so wird sie dir zur Marter . Dem stillen heilgen Leben blieb sie treu , und fasset ohnbewußt vom Ganzen doch den Geist . Nur wenige sind so , von der Natur in tiefen Schöpfungsstunden so geprägt , und hast du Zeit , noch mehr als Mensch zu sein , füllt dir des Lebens Ernst nicht alle Tätigkeit , bist du ein Bürger - o so fliehe schnell ! Denn solchen Reiz bestehet keine Pflicht , sei sie auch noch so fest gehämmert , Natur ruft dich mit aller Weibes-Allmacht hier , sie reicht die Arme dir so frei und schön entgegen , und ihres Busens Wellen dich verschlingen . Du kehrest nimmermehr zurück . So muß es die Natur , sie meint es gut . Die Mutter sehnt sich ewig nach dem Sohne , den sie aus ihrem Schoße hervorgerufen , daß er sich ihr an ihrem Busen angesaugt verbinde . Er stehet oft fürs Ganze draußen im Kampfe , und sieht den Frieden nicht , der nur im Innern blüht . Sie kennt den Ruhm , die Ehre nimmermehr , der Lorbeer grünt in ihr , und auch die Myrthe , und beide liebt sie nur als frohes heitres Grün , das wir zur Hoffnung uns erwählten . « Hier sah mir der Alte mit Begeisterung ins Auge , ich wußte nichts von seiner Rede . Das Ganze schwebte wie ein unbekanntes Element um mich her . - Nur einige seiner Äußerungen über Tilien traten mir aus seiner sichtbaren unsichtbaren Rede entgegen . Sie wurden mir Gesetze , ich kannte keine Pflichten mehr , aller voriger Glauben sank wie ein gestürzter Götze . Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen , Und Hoffnung bietet mir die Freiheit an ; Ich binde mich den heiligen Gesetzen , Und alle Pflicht erscheint ein leerer Wahn . Es stürzen bald des alten Glaubens Götzen , Zieht die Natur mich so mit Liebe an . O süßer Tod , in Liebe neu geboren , Bin ich der Welt , doch sie mir nicht verloren . Ich sank ihm in die Arme , und rief ihn mit dem Namen : Vater ! und alles zerrann um mich . Er staunte mich an und sprach wild : » Ich war sein Vater nicht , bin keines Menschen Vater , jetzt geh zu meinem Kinde hin . « Lebe wohl ! Godwi an Römer » Ich war sein Vater nicht , bin keines Menschen Vater , jetzt geh zu meinem Kinde hin . « Wunderbare Worte ; o Römer , wie sie mich ergriffen ! Der Greis , der rührend vor mir saß , und mit dem Blicke in das Tal hinab und über die Berge hin , als sei er überall gegenwärtig , mir allen Druck vom Herzen nahm , dessen begeisterte Rede , ein sanfter leuchtender Engel , meine Wünsche wie abgeschiedene Seelen in einen freudigen Himmelsfrieden brachte , der nämliche , der sich in seinem Liede , in seinen Worten der ganzen Welt so schön verbrüderte , - stieß mich wild zurück da ich mit allen Mächten zu ihm hingezogen , an seinem Halse den Namen : Vater , nannte . - Ach , soll ich keinen denn aus vollem Herzen so nennen können ? Muß der es bleiben , der ein peinlich Leben mir , ohne daß ich leben wollte , gab ? Die Worte dieses Mannes könnten mich befriedigen , könnten das Silber mir im Herzen bis zum Blicke glühen , wenn mir nicht jener durch eine unselige Mischung ein seltsames unerfüllbares Sehnen mitgegeben hätte . So kann ich nur das Hohe unendlich lieben , so kann ich nur den Sinn verstehen , und nimmer den Leib , die herrliche Gestalt umfassen . Alles zerbricht mir unter den Händen , und ewig hoffe ich und will ; doch feindlich tritt ein böser Geist zwischen Willen und Handlung hin , und reißt mich in mich selbst zurück , das Ziel stets weiterrückend . Wo mich die Weisheit schon im Arme zu halten scheint , und ich ihr wie ein Schwur versichert in die Augen sehe , reißt mich der Wahnsinn wild zurück . Was kann ich nur ergreifen wie ein Schwert , um jedes Leben , jede Rede zu zerlegen , damit mir nur das werde , was mir dient , denn keiner ist wohl in der Welt , dem ich so ganz angehöre , in den ich sorglos und kühn mit allen Zweigen verwachsen darf ; und werde ich je das Leben selbst erschaffen , das alle diese Zwecke mir erfüllt , oder