einen schlechten Handel gemacht , und das Vergnügen mich zu sehen , zu hören und etliche fröhliche Stunden unter Scherz , Musik und Tanz , mit Komus und Bacchus , oder mit Amorn und den Grazien in meinem Hause zugebracht zu haben , allzu theuer bezahlt habe , der würde von mir und allen Verständigen ausgelacht werden , wenn er sich über Unrecht beklagen wollte . Ich setze einen ziemlich hohen , wiewohl unbestimmten Preis auf das Vorrecht , freien Zutritt in meinem Hause zu haben , mache aber kein Geheimniß daraus , daß ich mich durch die Geschenke , die ich von meinen Liebhabern , wie die morgenländischen Fürsten von ihren um Gehör bittenden Unterthanen , annehme , zu keinen besondern , geschweige ihnen selbst beliebigen Gefälligkeiten verbunden halte . Es steht einem jeden frei , seine Eitelkeit , oder seinen Wetteifer mit reichen und freigebigen Nebenbuhlern , so weit zu treiben als er will ; und wer an der Zulänglichkeit seines persönlichen Werths zu zweifeln Ursache hat , mag immerhin versuchen , ob er diesen Mangel durch den Werth der Opfergaben ersetzen könne , die er seiner Abgöttin zu Füßen legt . Sie befindet sich , wiewohl sie ihre Gottheit bloß der Thorheit ihrer Anbeter zu danken hat , in diesem Stück in dem nämlichen Falle wie alle andern Götter , welche sehr wohl wissen , warum die Menschen ihnen Opfer bringen , aber sich durch die Annahme derselben keineswegs verpflichten , alle Wünsche der Opfernden zu erfüllen , oder auch nur das , warum gebeten wird , zu gewähren . - Was sagst du zu diesem Plan , Aristipp ? Denkst du nicht , daß er mir im Nothfall hinlängliche Mittel verschaffen könne , meine dermalige Lebensweise fortzusetzen , ohne jemals , wie du vorhin besorgtest , genöthigt zu seyn , mich unter mich selbst herabzuwürdigen ? Ich . Ich sage , wenn er dir nicht gelänge , so würde ich keiner andern rathen , den Versuch zu machen . Aber es hat keine Noth ; ich bin vielmehr überzeugt , du wirst auf diesem Wege , selbst durch den Ruf daß es eine höchst mißliche Sache sey , deinetwegen nach Korinth zu reisen95 , in Gefahr kommen , nach und nach Deukalions und Hellens ganze edle Nachkommenschaft , Dorier , Ionier und Aeolier , vor deiner Thür liegen zu sehen . Sie ( lachend ) . Das soll ihnen herzlich gern erlaubt seyn , vorausgesetzt , daß es immer von mir abhange , wem ich sie öffnen lassen will . Ich . Einer Theodota möchte ich deinen Plan nicht rathen . Um ihn mit Erfolg auszuführen , muß man im Besitz deiner Schönheit , deiner Talente , deines Verstandes und deiner - Kälte seyn . Sie . Wie , mein schöner Herr ? Solltest du dich über meine Kälte zu beklagen haben ? Ich . Nicht zu beklagen , liebe Laiska ! denn sie ist es eben , was deinen kleinsten Gunstbezeugungen einen so hohen Werth gibt , daß die Grazien dem Manne nie gelächelt haben müßten , der nicht den leisesten Händedruck von dir den freigebigsten Liebkosungen einer jeden andern vorzöge . Auch ist dieß eine der nothwendigsten Bedingungen der Ausführbarkeit deines Plans . Denn kein Liebhaber dient lange ohne allen Sold , und eine Schöne , die nicht gesonnen ist , viel zu geben muß die Gabe besitzen , das Wenige mit einer Art zu geben daß es viel scheint . Du , schöne Lais , besitzest diese Gabe in einem so hohen Grade , daß ich keinen Augenblick zweifle , du würdest dir mit dieser Kunst , deine Liebhaber durch den Zauber einer sich immer annähernden und entfernenden Hoffnung bei gutem Muthe und in deiner Gewalt zu erhalten , so gut als die berühmte Thargelia ein Diadem verschaffen können , wofern dich je die Lust anwandelte , deine Freiheit gegen ein Diadem zu vertauschen . Sie . So hoch fliegen meine Wünsche nicht . Ich . In der That würdest du einen schlimmen Tausch treffen . Sie . Das denke ich auch . Diese Lais - höre ich dich sagen , Kleonidas - ist in der That eine Hetäre , wie vermuthlich noch keine war und vielleicht in tausend Jahren keine wieder erscheinen wird ; aber mit aller ihrer Philosophie doch - nur eine Hetäre , und eine um so viel gefährlichere , je mehr sie vor andern voraus hat . Nimm dich in Acht , Aristipp ! - Ich bin so ziemlich deiner Meinung , Freund Kleonidas ; sie ist ein gefährliches Geschöpf . Sie wird manchen Kopf verrücken , der vorher recht stand , manchen Narren noch närrischer machen , und manchen vollen Beutel leeren . Was sie aus mir und dir machen wird ( denn auch du wirst , wie ich hoffe , nach Korinth kommen ) , wird die Zeit lehren . Der Tag meiner Trennung von dieser Circe , in der ich gleichwohl mehr einen Freund als ein Weib liebe , rückt immer näher . Sie geht nach Korinth zurück , und ich mache mich zu einer Reise in die Inseln fertig , von wannen ich in einigen Monaten etwas leichter an Dariken , und reicher an Kenntnissen der Natur und der Kunst , nach der schönen Athenä zurückkehren werde . Bewunderst du mich nicht , daß ich mich mit so leichtem Herzen von der reizendsten aller Zaubrerinnen trennen kann ? 21. An Kritobulus . Mein Aufenthalt in Aegina hat länger gedauert als ich vorhersehen konnte , und meine Abwesenheit von Athen wird sich in eine noch größere Länge ziehen ; denn ich bin im Begriff einen Streifzug durch die merkwürdigsten Inseln des Aegeischen und Ionischen Meeres zu thun . Du hast vielleicht schon gehört , daß ich unsern Freund Kleombrotus eingeladen habe , herüber zu kommen und mich auf dieser Reise zu begleiten . Die Luftveränderung wird seiner Gesundheit zuträglich seyn , und die mannichfaltige Menge neuer Gegenstände seiner allzuwirksamen Phantasie eine andere Nahrung und einen weitern