Mutter und meinem Oheim Gerhard ! Wir werden nöthig haben , auf unserer Hut zu sein ! Cäcilie , welche die Welt nicht kannte , wollte davon nichts hören . Sie war in dem Besitze ihres Gatten so wohlbefriedigt , daß sie der Schwester , welche solch ein Glück entbehrte , jede Anerkennung , daß sie ihr alles , was dieselbe nur irgend erfreuen konnte , von ganzem Herzen wünschte , und ein förderliches Ereigniß kam dazu , Cäciliens unbedingtes Vertrauen in ihre Zukunft zu erhöhen und zu festigen . In den Regimentern , welche eben jetzt erst aus Frankreich zurückgekehrt waren , fand die erwartete Entlassung der älteren Offiziere Statt , und da auch einige jüngere Offiziere nach dem beendeten Feldzuge den Abschied forderten , erhielt Renatus kurz nach seiner Hochzeit und wenige Tage , nachdem die Uebergabe seiner Güter an ihre neuen Eigenthümer erfolgt war , seine Ernennung zum Major . Er hatte darauf mit einer gewissen Sicherheit rechnen können , dennoch überraschte ihn das Zutreffen dieser Voraussicht angenehm . Er gewann damit eine neue , selbsterworbene Bedeutung in dem Augenblicke , in welchem er auf den größeren Theil seiner ererbten Güter hatte verzichten müssen , und der Besitz des neuen Grades würde ihn noch mehr befriedigt haben , wäre durch die Erlangung desselben nicht seinem Selbstgefühle eine Beschränkung auferlegt worden , die er vielleicht in keinem andern Zeitpunkte als eine solche angesehen haben würde , gegen die er aber eben jetzt empfindlich war . Er war sehr jung Offizier geworden , hatte im Felde die fortschreitenden Grade und frühzeitig die Schwadron erhalten ; aber er war der Gesellschaft gegenüber und überall , wo er sich nicht im militärischen Dienste befunden hatte , der Freiherr von Arten geblieben . Niemand hatte ihn Lieutenant oder Rittmeister genannt , seine persönliche Bedeutung als ein Edelmann aus altem Hause hatte über seinem Amte gestanden . Er hatte auch seinen Dienst immer nur als eine freiwillig übernommene Leistung angesehen , von der er sich entbinden konnte , sobald es ihm beliebte , sich auf seine Güter zurückzuziehen und dort in der vollen Unabhängigkeit des grundbesitzenden Edelmannes seine Tage zu verleben . Das Gehalt , welches er als Offizier bezogen , war ihm stets unwesentlich erschienen neben den standesmäßigen Bedürfnissen eines Freiherrn von Arten-Richten , und er hatte sich und Anderen oft den Ausspruch seines Vaters wiederholt : daß ein Edelmann immer dem Könige ein Opfer bringe , wenn er , fern von seinen Gütern im Heere dienend , auf alle die Annehmlichkeiten verzichte , deren er in seinem Schlosse und auf seinem Grund und Boden sicher sei , während er in der Stadt zu einem Geldaufwande genöthigt werde , welcher in gar keinem Verhältnisse zu seinem Solde stehe . Jetzt aber war das alles anders geworden . Renatus konnte zwar noch an jedem Tage den Abschied nehmen , um als ein Landedelmann auf seinem Grunde und Boden zu leben ; aber die Ausdehnung dieses Grundes und Bodens war nicht mehr die alte , er war kaum noch zum dritten Theile sein eigen , und selbst über dieses Drittheil seines einstigen Besitzes hatte er nicht mehr die Möglichkeit einer völlig freien Verfügung . Nur im Schlosse und im Parke konnte er noch nach seinem Belieben schalten , und auch das Schloß war jetzt nicht mehr die alte wohnliche und prächtige Heimath , nach welcher seine Gedanken , wo er sich auch befunden hatte , immer gern gewandert waren . Die Eindrücke , welche er in seiner letzten Anwesenheit in Richten empfangen hatte , waren ihm sehr quälend gewesen . Die bloße Vorstellung , durch Neudorf und durch Rothenfeld als ein Fremder hinfahren zu sollen , widerstrebte ihm . Er mochte auch mit dem Amtmanne nichts zu thun haben , der für sechs Jahre jetzt in Richten Herr war , er würde sich in seinem Parke wie ein Gefangener erschienen sein , da er außerhalb desselben nicht mehr unumschränkt gebot , mit Einem Worte , er mochte nicht mehr gern an Richten denken , es hatte aufgehört , die Heimath für ihn zu sein , und sein Majorsgehalt war jetzt nicht mehr ein unwesentlicher Theil in seinen Einkünften , er war auf dasselbe mit seinen Bedürfnissen zum Theile angewiesen . Die Pferde , der Diener , welche der Staat jedem Offizier hält , waren ihm jetzt eine Erleichterung , die er nicht wohl entbehren konnte . Er mußte darauf sehen , sich auszuzeichnen , wenn er vorwärts kommen , wenn er seine gesellschaftliche Stellung behaupten wollte , und vorwärts kommen hieß jetzt für den Freiherrn im militärischen Dienste Stufe um Stufe ersteigen . Er war mit seiner Zukunft an den Dienst gekettet . Er lebte , wo der Dienst es forderte , er ging , wohin man ihn schickte , er that , was man ihm gebot , er trug das Kleid , welches der Geschmack des Königs ihm vorzuschreiben für gut befand , er durfte an des Königs Rock nach freier Wahl nichts ändern , und er mußte ihn hinwiederum ändern und ihn anlegen , wie des Königs Willkür es bestimmte . Er schnitt sein Haar , wie es befohlen war , und Zeit und Stunde waren nicht mehr sein . Er war in keinem Sinne mehr sein eigener Herr , kein freier Mann mehr , nicht mehr der wahre Freiherr von Arten-Richten . Er war der Major von Arten , er war ein Diener - wenn auch eines Königs Diener geworden , und es lebte genug von dem alten freiherrlichen Stolze seines Hauses in ihm , ihn seine Abhängigkeit in einzelnen Augenblicken bitter und schwer empfinden zu lassen . Er konnte es Anfangs nicht verschmerzen , daß man ihn nicht mehr als Baron , nicht mehr als Freiherr von Arten ansprach , daß man ihn nicht mit seinem Namen , sondern mit seinem Titel anredete , um ihm eine Ehre zu erweisen ; er hätte wie sein Vater und dessen Väter alle nur er selber , nur Herr auf seinem Schlosse sein