der Zerstreuung , Anlehnung an lebendige Naturen bedurfte , wie sie ihr Ohr an das Sausen und Brausen der Zeit zu legen liebte . Als aber Egon genannt wurde und sie ihr Lächeln , ihre Spannung , ihr Interesse bemerkte , hätte sie mit irgend einem andern Gegenstande das Gespräch unterbrechen mögen und wäre es das Niederwerfen der Tassen gewesen . Eben wollte sie wenigstens in die Verwunderung der Geheimräthin persönlich miteinstimmen , als diese in ihrer Unruhe sich von der kalten , nur horchenden , nur ihre Glut dämpfenden Horcherin so belästigt fühlte , daß sie das Taschentuch mit Entschiedenheit aus der linken in die rechte Hand warf und diese rechte Hand weit über den Tisch streckte . Das war das ominöse Zeichen ! Ein Signal , daß sich die Ludmer entfernen sollte ! Mit welchem Widerstreben ging sie ! Mit welchem durchbohrend warnend Blicke ! Nun sollte sie gehen ! Jetzt ! Jetzt , wo vielleicht eine furchtbare Thorheit eingefädelt wurde , eine Quelle bittrer namenloser Reue angebohrt für eine nur noch kurze Zukunft , jetzt ... Aber ... sie ging . Als die Geheimräthin und Stromer allein waren , sagte jene : Ich freue mich , Stromer , daß Sie so praktisch werden und so ernste Anstalten für unsre gemeinschaftliche Sache treffen . Allein mit Prinz Egon hat es seine Bedenklichkeiten . Ich schätze sein Verdienst . Nach Dem , was ihm in Solitüde begegnete , sind Aller Augen auf ihn gerichtet . Aber ich habe keine Beziehung zu ihm , und wenn eine Beziehung , schwerlich eine günstige . Ich war darauf vorbereitet und habe deshalb Sorge getragen , mich genauer zu unterrichten ; antwortete Stromer , der die Verfeindung zwischen Pauline und Egon ' s Mutter kannte und einst in Hohenberg dem Geheimrath von Harder die Ursachen derselben bitter genug angedeutet hatte . Sie haben mich doch nicht schon genannt ? unterbrach Pauline die etwas verlegen stockende Rede . Gnädigste ! Was denken Sie von mir ! Ich bin ein Neuling in dieser papiernen Welt , aber nicht in der wirklichen . Vollends weiß ich , daß Sie mit dem Prinzen gespannt sein müssen ... Mit ihm ? Warum mit ihm ? Mit seiner Mutter war ich ' s. Warum mit ihm ? So rasch gehen Sie über die Empfindungen eines Sohnes hinweg ? Ich muß leider der Wahrheit gemäß berichten , daß ich mir selbst manchmal , wenn ich hier bei Ihnen sitze , wie ein Mensch vorkomme , der sich als seinen eigenen Antipoden fühlt . Die Fürstin würdigte mich derselben Theilnahme wie Sie , gnädige Frau und bei allem milden Sinne Amanden ' s muß ich gestehen - Daß sie mich haßte ? Ich kenne die Veranlassungen nicht und fürchte , daß sie die Abneigung auf den Sohn vererbte . Haben Sie davon Proben ? Da ich vorgestern von Wildungen eine so beachtenswerthe Idee empfing , war ich heute in der Frühe beim Prinzen . Ich wollte discret sein und war es . Er empfing mich nicht freundlich . Er hat seinen alten Lehrer Rudhard wiedergefunden , drüben bei der Fürstin Wäsämskoi ... Ich kenne den Alten - seine neugierigen Blicke auf mein Fenster belästigen mich genug - nun ? Nun ? Die Folge dieses Wiedersehens sind Erinnerungen an die alten Zeiten gewesen . Ich konnte den Prinzen nicht in einen irgend wärmeren Ton gegen mich bringen . Wie sehr muß mich Das bekümmern , wenn ich daran denke , daß mein Urlaub von ihm abhängt , daß er die Wahl eines zeitweiligen Stellvertreters , den ich in einem jungen Manne , Namens Oleander , gefunden zu haben glaube , zu billigen hat ! Heute tadelte er die Entfernung von meiner Familie ; er verrieth in jedem Worte , daß Rudhard ' s strenger und unromantischer Rigorismus ihm wieder nahegekommen war . Er fragte dann nach meinem Umgang . Ich nannte aufrichtig Sie , gnäd ' ge Frau . Ich wollte hören , was sich da für ein Widerhall von seinem Herzen würde vernehmen lassen . Ich gestehe Ihnen , es war der rauheste ! Lächeln Sie nicht , gnädige Frau ... er sprach in Drohungen gegen Sie - Fahren Sie nur fort ! antwortete Pauline gespannt und sehr ruhig . Er sagte mir , er wisse , daß Sie ihm eine Feindin wären , seit er auf der Welt wäre - Seit er auf der Welt ist ? Da hat er Recht ! sagte Pauline träumerisch , doch kalt . Rudhard , fuhr er fort , hätte ihn auf ' s neue gewarnt ... Rudhard ? Dem alten Freunde seines Hauses wäre es gelungen , schlimme Dinge zu entdecken , die Sie gegen ihn unternommen hätten - Ich gegen Egon ? Wohl verschweige ihm sein väterlicher Freund und Führer Manches , was ihm auf dem Herzen läge , aber es käme gewiß zum Vorschein , wenn erst zwischen ihm und diesem Edlen Alles klar und rein gelichtet wäre - noch lägen zuviel der Wolken zwischen ihnen - Helene d ' Azimont eine Wolke ? Hoffentlich eine rosige Wolke ! Gnädige Frau , ich war nicht im Stande , die Saite länger zu berühren . Ich ergriff ein auf dem Tische liegendes Exemplar der Nachfolge Christi von Thomas a Kempis . Er sagte mir , daß er dies Buch liebgewonnen hätte , es wäre eine Erbschaft seiner Mutter . Ich entgegnete , um ein harmloses Gespräch zu beginnen : Durchlaucht irren wohl ! Ich kenne alle Ausgaben dieses lieblichen Buches , die die selige Fürstin besaß , alle ! Dies Exemplar war aber nie in ihrer Bibliothek ! Ich glaub ' es wohl , sagte er , daß Sie dies nicht kannten . Es befand sich hinter jenem Bilde ! Damit zeigte er auf ein Pastellgemälde der seligen Fürstin in Medaillonform - Pauline war schon längst erblaßt ... ihre Lippen öffneten sich und blieben starr und unbeweglich stehen . Dann hauchte sie so hin : In jenem Bilde ... Befand sich ,