, welche sie Frau Baronin nannten , und der Zudrang der Frauen aus den Dörfern , die ihr schönes Hochzeitskleid so nahe als möglich sehen wollten , und das oft wiederholte : Leben Sie wohl , gnädiger Herr ! Leben Sie wohl , gnädiger Herr ! - bei dem die Alten weinten und das dem Freiherrn fast das Herz zerriß . Während man noch unter dem Portale stand und der Wagen vorfuhr , fielen die Augen der jungen Frau auf das Gärtchen , welches die Gruft umgab . Die weißen Rosen , welche der verstorbene Kaplan dort nach dem Kriege neu gepflanzt hatte und zu deren Füßen er begraben worden war , blühten , von dem milden Herbste begünstigt , noch in voller Pracht . Auch Renatus hatte seine Blicke dorthin gewendet . Sollte dieser kleine Raum doch bald das Einzige sein , was ihm von dem Besitze der beiden großen Güter Neudorf und Rothenfeld verblieb ; und als errathe seine junge Frau , was in seinem Innern vorging , sprach sie den Wunsch aus , eine von diesen weißen Rosen zum Andenken mit sich zu nehmen . Valerio eilte , einen Zweig zu brechen , und reichte ihn der Schwägerin , wie er Cäcilie mit Selbstbewußtsein nannte ; als sie die Blume aber an ihrer Brust befestigen wollte , hielt Renatus sie davon zurück . Die weiße Rose hatte in dem Artenschen Geschlechte , wie Mamsell Marianne ihm als Knaben erzählt , immer eine traurige Bedeutung für die Frauen gehabt ; er wollte nicht , daß seine Frau sich heute , eben heute mit den weißen Rosen schmücken sollte , die vor der Familiengruft erwachsen waren , und ihr die Rose abnehmend , steckte er sie in das Knopfloch seines Rockes . Selbst den Schatten einer übeln Vorbedeutung wollte er von dem Weibe abwenden , das er liebte und das sich und seine Wohlfahrt ihm für die Zukunft anvertraute . Das Mittagbrod war , weil die eigentlichen Empfangszimmer jetzt der gehörigen Einrichtung entbehrten , in dem Ahnensaale hergerichtet worden . Man hatte ihn mit Laub und Blumen freundlich aufgeschmückt , aber er war zu groß , viel zu groß für die kleine Tafel , für die geringe Anzahl von Personen , und Renatus wie seine beiden Freunde empfanden dieses Mißverhältniß lebhaft . Die Trinksprüche , welche sie auszubringen für Pflicht erachteten , die Erinnerung an die Ahnenreihe , die man eben in diesem Raume bei solchem Anlasse wachzurufen kaum unterlassen konnte , hatten etwas Peinliches für alle Theile , und die schlecht verhehlte Traurigkeit , die bei jedem Anlasse hervorbrechenden Thränen der Gräfin , waren auch nicht dazu angethan , dem jungen Freiherrn die Seele zu befreien . Er wußte , wem vor Allen diese Thränen flossen . Das Einzige , was ihm das Herz erhob , war Cäciliens ungetrübte Freude , war die Hingegebenheit , mit welcher sie in seine Arme sank . Er war froh , als er am andern Tage sein Schloß verlassen hatte , als die Grenzsteine der Arten ' schen Güter hinter ihm lagen und er mit seinem jungen Weibe einem eigenen , neuen Leben entgegenging . Das öde gewordene Schloß hatte allen heimathlichen Reiz für ihn verloren , es war ihm nur noch eine traurige Mahnung an bessere Tage gewesen , und er hatte die Stunde , es zu verlassen , kaum erwarten können . Die jungen Eheleute legten den Weg nach der Residenz so schnell zurück , als die damaligen Verhältnisse es gestatten wollten . Cäciliens tüchtige Gesundheit hatte eine solche Anstrengung nicht zu scheuen , und Renatus war nicht mehr sein eigener Herr . Der Dienst nöthigte ihn , Zeit und Stunde einzuhalten . Voll der hellsten Erwartungen langte die junge Frau in der Hauptstadt an , und ihres Gatten Liebe hatte all ihr Hoffen zu übertreffen gewußt . Gegen das weite , in jedem Sinne unwirthlich gewordene Schloß nahm sich das wohnliche Stadthaus um so freundlicher aus , und selbst den Freiherrn wollte es bedünken , als genieße er die Gegenstände , welche er aus Richten hieher verpflanzt hatte , hier mehr als dort , weil man sie näher beisammen hatte . Cäcilie aber , die sich erst jetzt als die Besitzerin dieser Einrichtung zu denken anfing , die nebenher ihrem Gatten für die vorsorgliche Großmuth zu danken hatte , mit welcher er allem ihrem Bedürfen begegnet war , kannte in ihrer Freude keine Grenze , und das Bewußtsein , hier von jetzt an unumschränkte Herrin zu sein , Alles nach eigenem Gefallen und Ermessen ordnen und bestimmen zu können , gab ihr schnell ein gewisses Selbstgefühl , das ihr sehr wohl anstand . Wohin Renatus mit seiner jungen Gattin in den ersten Tagen kam , auf den Spaziergängen , bei den Fahrten im Parke , im Theater und in dem zufälligen Zusammentreffen mit seinen näheren Bekannten , sah er es mit Genugthuung , wie die Blicke der Männer ihr wohlgefällig folgten , wie die unverhohlene Aeußerung ihres Vergnügens ihr schnell die Neigung aller derjenigen Personen gewann , welche sich an der Natürlichkeit und Ursprünglichkeit eines Andern zu erfreuen vermögen ; aber es entging ihm daneben nicht , daß die Frauen ihr die gleiche Gunst nicht angedeihen ließen . Ihr selber fiel es auf , wie geflissentlich man sich danach erkundigte , ob ihre Mutter auch nach der Hauptstadt kommen werde , ob sie der Trauung beigewohnt habe , oder ob dieselbe bei ihrer leidenden Tochter im Stifte gewesen sei . Und ehe Cäcilie noch auf solche Fragen Antwort ertheilen konnte , war man in der Regel in eine so übertriebene Lobpreisung der abwesenden Schwester verfallen , daß sie zu einer Kränkung für Cäcilie wurde . Es ist unerträglich ! rief Renatus ungeduldig aus , als er seine Frau einer ihrer Anverwandten zugeführt hatte , welche Ober-Hofmeisterin und von dem Könige wohl gelitten war . Diese Heiligsprechung Deiner Schwester soll mir und Dir ein Vorwurf sein , und wir danken sie ohne Frage eben so wohl Hildegarden selbst als Deiner