Säulen , mit einer , wie beim Pantheon halb eingebauten , halb in der Vorhalle aufgeschlagenen Reihe von Buden ... Das Geld klimpert , die Wechsler , wie sie nur auf der Via Condotti oder auf dem Corso stehen mit ihren Napoleond ' ors und Papierscheinen , Wucherer mit Habichtnasen , wie sie nur unter den Tuchhallen am Eingang des Ghetto zum Kauf einladen , bieten ihre Waaren an , übervortheilen , schreien - schreien in die Messe der Santa-Maria Monticelli hinein , in die Klingel des Ministranten ... Nun erscheint der Heiland , das Haar von Lichtglanz umflossen , die Farbe des Rocks ist roth , der Ueberwurf blau , die Jünger stehen neben ihm ... Niemand von den Schreiern weicht aus , niemand achtet die Andacht derer , die der heiligsten Procession sich schon verneigen ... Da ergreift Christus - vielleicht einem Tempelvogt ( Ausmalung seiner Tracht ) - die Geißel , wirft die Tische um , das Geld rollt weit auf die Straße hinaus , das Volk wagt nicht einmal es aufzuraffen , der heilige Zorn ist wie Donnerrollen , sein Auge wie Feuerlohe ... » Mein Haus ist ein Bethaus und ihr macht es zur Mördergrube ! « Das schallt dann in die Welt hinaus ... Nutzanwendung ... endlich Gebet ... So ist nach Jesuitenanleitung jeder Vorfall der heiligen Geschichte zu erfassen , so zu umschreiben , so in seine kleinsten Bestandtheile zu zerlegen und die Gedanken ordnung nur innerhalb der Ruhestationen des sinnlichen Vorgangs zu wählen ... Die Wechsler : das ist die Sünde ; der Augenblick der Reinigung : das ist die Buße ; der Zustand nachher im Tempel : das ist die Erlösung ... Endlich die Vergleichung mit der Gegenwart und die Nutzanwendung auf das innere Herz ... bis das Ganze im » Colloquium mit Gott « , mit Gebet , schließt ... In dieser Weise wollte auch Müllenhoff versuchen , die Exercitien auf dem Schloß der Frau von Sicking einzurichten . Für Wenzel von Terschka gab es immer mehr Bewährungen . Selbst seine ritterlichen Künste boten dafür Gelegenheit und wurden sogar absichtlich und ausdrücklich befördert . Die jungen Väter bestiegen zwar nicht selbst das Roß , aber sie voltigirten ; Reck und Barren , wie bei den Turnern , fehlten nicht . Auch beaufsichtigten sie da und dort die Erziehungsanstalten . Hier besonders bewunderte man den » Pater Stanislaus « ! ... » Stanislaus « nannte sich Terschka nach dem heiligen Stanislaus von Kostka , jenem jungen Polen , dessen erster Lebensschmerz damit begann , daß er von seinem Hofmeister und seinem älteren Bruder 1564 gezwungen wurde , zu Wien im Hause eines Lutheraners zu wohnen . Dieser junge Heilige wurde vom Beten und Nachtwachen , wie der heilige Aloysius , das Beichtvorbild unsers Thiebold , elend , kam von allen Kräften und näherte sich dem Tode . Da konnte er die heilige Wegzehrung nicht erhalten , weil sie der lutherische Wiener nicht in sein Haus gebracht haben wollte ... Nun erschien dem Knaben die heilige Barbara mit zwei Engeln zur Seite und brachte ihm die ersehnte Speise . Doch sollte er nicht sterben . Maria kam in jeder Nacht und setzte das Jesuskind auf die Decke seines Bettes und sagte ihm jedesmal , wenn er mit diesem gespielt hatte : Stanislaus , tritt in die Gesellschaft Jesu ! Stanislaus von Kostka fand für seinen Wunsch in Wien nirgends Gehör . Der Provinzial der Jesuiten verlangte eine väterliche Bescheinigung . Der Vater , ein Senator der Krone Polens , schrieb von seinem Schlosse Rostkau im Posenschen , daß er diesen Beruf seines Sohnes nimmermehr wünschen könne . Stanislaus flehte den apostolischen Nuntius an . Vergebens . Er mochte klopfen an welche Thür er wollte , niemand erwies ihm damals in Wien die Gnade , ihn Jesuit werden zu lassen ... Da rieth ihm der Provinzial : Wandere gen Rom zu Franz Borgia , unserm General selbst ! ... Also that er . Er entsprang seinem Hofmeister , seinem Bruder , zog Bettlerkleider an und ging über Augsburg zunächst nach Dillingen ... Hier im Jesuitenkloster mußte er bei Tisch bedienen und die Stuben kehren . Canisius , der berühmte Morallehrer der Jesuiten , entließ einen seinem Vater entsprungenen Sohn völlig einverstanden gen Rom ... Franz Borgia empfing ihn dort voll Güte und schützte ihn vor dem Zorn des polnischen Senators , der jetzt die Diplomatie zu Hülfe nahm , um sein Vaterrecht zu behaupten ... Stanislaus wurde Priester . Er war ein Muster jener » süßen Andacht « , die ein Antlitz wie mit Rosen verklären kann . Ihm mußte befohlen werden , nicht zu lange zu beten . Das wiederholte sich und wurde sein Todesstoß ... An den Folgen der Wehmuth , daß man so oft seine Andachtsglut unterbrach , starb der Jüngling , achtzehn Jahre alt . Man sprach den Märtyrer des verweigerten Betens heilig . Wenzel von Terschka hatte als Slawe ein Vorrecht auf seinen Namen , als es bei seiner Priesterweihe gerade drei Bewerber um den Namen Stanislaus gab . Dafür mußte er in der Kapelle San-Andrea , dicht in der Nähe der schönen Gärten des Quirinals , drei Nächte an dem Bild seines Heiligen wachen , an jener Statue , die den sterbenden Jüngling Stanislaus von Kostka darstellt , der Körper von weißem , die Kleider von schwarzem , das Bett von gelbem Marmor ... Eines Tags wurde Terschka zum General der Jesuiten , einem Holländer , gerufen und erfuhr dort in holländischer Sprache folgende , ihn mächtig ergreifende Anrede : Pater Stanislaus ! Die Stunde ist gekommen , wo Sie durch Bewährung im Dienste Ihres Ordens Ihre Schuld der Dankbarkeit abtragen können ! Der Pater verneigte sich ... Er ahnte einen schon seit lange mit ihm bezweckten Plan ... Es sind Ihnen große Indulgenzen zu Theil geworden ! fuhr der General fort . Sie haben Wohlthaten von der Kirche erfahren , die zu den seltensten Fällen gehören ! Der Empfehlung Ihrer Gönner werden Sie zeitlebens verpflichtet sein