Schreibtafel aufgezeichnet , ich wäre sehr geneigt , dies alles für einen Traum zu halten . Leben Sie wohl . « Die vorstehende Schilderung hat uns bereits in eine Gruppe von Ordensverbindungen ( oder doch bis an die Grenze derselben ) geführt , in denen » Erscheinungen « als Nervenstimulus und dieser wieder als » Mittel zum Zweck « die Hauptsache waren . Wir wenden uns nunmehr diesen Magiern und ihren Verbindungen zu . Zuvor aber noch eine Bemerkung . Auch jene Orden , die , was immer ihre Schwächen und Gebrechen sein mochten , doch in erster Reihe immer das Prinzip wollten und in Wahrheit ernst und aufrichtig einen geistigen Kern hatten , auch die bedeutsameren , nicht ephemeren , wirklich zu politischer und sozialer Bedeutung gelangenden Orden , glaubten wohl oder übel eines gelegentlichen Operierens mit » Erscheinungen « nicht entbehren zu können . Wir werden darauf ausführlicher zurückkommen und festzustellen suchen , wieviel davon zulässig , oder richtiger , wie groß oder wie gering das Maß der Verschuldung war . Mit diesen ernsteren Bestrebungen , die sich gelegentlich im Mittel irrten , haben aber , trotz einer gewissen äußeren Ähnlichkeit , jene zu neun Zehntel auf Lug und Trug gestellten Vergesellschaftungen nichts gemein , die nicht einmal das ohnehin gefährliche und fragwürdige : » Der Zweck heiligt die Mittel « für sich geltend machen konnten , sondern einfach , unter prätentiösen Phrasen , ihrem Gewinn oder irdischem Vorteil nachjagten . Es waren Spekulanten und Komödianten . Geister erscheinen lassen war ihr Geschäft und nur ihr Geschäft . Wir machen uns zunächst damit vertraut , wie sie dies Metier betrieben . Es gab , soweit wir imstande gewesen sind , uns aus den verschiedensten Schriften zu informieren , vier Arten des Betriebes . Kleinere Abweichungen kommen nicht in Betracht . Es waren : 1. Das Schattenbild auf weißer durchsichtiger Fläche . Eine Art Laterna magica . Dies war die plumpeste Art. 2. Das Hohlspiegelbild auf weißer Wandfläche . Ein Verfahren , das bei Geisterszenen auf der Bühne auch jetzt noch zu gelegentlicher Anwendung kommt . 3. Das Hohlspiegelbild auf Rauch und Qualm . 4. Bloße Benebelung und Einwirkung auf die Imagination , so daß man Dinge sieht , die gar nicht da sind . Über diese letzte Art des Verfahrens , die die unglaublichste scheint und , richtig gehandhabt , doch vielleicht die sicherste war , entnehmen wir zeitgenössischen Memoiren das Folgende : Friedrich II. erfuhr , daß in Halle ein Professor sei , der Geister zitieren könne . Der König ließ ihn kommen . Der Betreffende erschien auch , lehnte es aber ab , Geister erscheinen zu lassen , erklärte vielmehr dem Könige ganz einfach , wie er dabei zu operieren pflegte . Er sagte : » Ich benutze dazu ein Räucherwerk . Dies Räucherwerk hat zwei Eigenschaften : 1. den › Patienten ‹ in einen Halbschlaf zu versetzen , welcher leicht genug ist , ihn alles verstehen zu lassen , was man ihm sagt , und tief genug , ihn am Nachdenken zu verhindern ; 2. ihm das Gehirn dergestalt zu erhitzen , daß seine Einbildungskraft ihm lebhaft das Bild der Worte , die er hört , abmalt . Er ist in dem Zustande eines Menschen , der nach den leichten Eindrücken , die er im Schlaf empfängt , einen Traum zusammensetzt . Nachdem ich in der Unterredung mit meinem Neugierigen möglichst viele Einzelheiten über die Person , die ihm erscheinen soll , kennengelernt und ihn nach der Form und den Kleidern gefragt habe , in denen er die zu zitierende Person sehen will , lasse ich ihn in das dunkle , mit dem Dunst des Räucherwerks angefüllte Zimmer treten . Dann – nach einiger Zeit – spreche ich zu ihm : › Sie sehen den und den , so und so gestaltet und gekleidet ‹ , worauf sich sofort seiner erregten Phantasie die Gestalt abmalt . Hierauf frage ich ihn mit rauher Stimme : › Was willst du ? ‹ Er ist überzeugt , daß der Geist zu ihm spricht ; er antwortet . Ich erwidere ; und wenn er Mut hat , so setzt sich die Unterredung fort und schließt mit einer Ohnmacht . Diese letzte Wirkung des Räucherwerks wirft einen mysteriösen Schleier über das , was er zu sehen und zu hören geglaubt hat , und verwischt die kleinen Mängel , deren er sich etwa erinnern könnte . « – So weit die Enthüllungen des Professors . Das dritte Verfahren : » Das Hohlspiegelbild auf einer Rauchsäule « wurde , wenn den betreffenden Überlieferungen Glauben zu schenken ist , vorzugsweise durch Johann Georg Schrepfer geübt . Dieser in seiner Art merkwürdige Mann bildete die Inkarnation jenes Lug- und Trugsystems , jener Geheimbündelei , die unter großen rätselvollen Phrasen , das Wundertun , die Geisterzitation , den Rapport mit der geistigen Welt in den Vordergrund stellte und , ohne sich viel mit fortschrittlichen oder rückschrittlichen Ideen aufzuhalten , von der Leichtgläubigkeit der Menschen lebte . In der Kürze haben wir Schrepfers schon bei Marquardt erwähnt . Wir müssen auch hier wiederholen , daß er höchst wahrscheinlich nicht bloß ein Betrüger war , sondern durch Lesen mystischer und alchimistischer Schriften , dazu durch eigene Eitelkeit und fremde Huldigungen , schließlich , ohne geradezu wahnsinnig zu sein , in einen verworrenen Geisteszustand geraten war , der ihn in der Tat an sich glauben machte und ihn namentlich alles für möglich halten ließ . Es ist nicht absolut unwahrscheinlich , daß er wirklich dachte , ein Paket Papierschnitzel werde sich ihm zuliebe über Nacht in vollgültige Banknoten verwandeln . Wir geben eine kurze Lebensskizze dieses Mannes , dessen Leben und Tod charakteristisch ist für eine spezielle Krankheitserscheinung jener Zeit . Johann Georg Schrepfer , 1730 geboren , war anfangs Kellner in einem Leipziger Gasthause ( nach andern Husar ) und war unter die dienenden Brüder einer dortigen Freimaurerloge aufgenommen worden . Später hatte er eine Frau mit einigem Vermögen geheiratet und hielt seitdem eine eigene Schenkwirtschaft in