schon herbstlich gelb , und feuerroth umgaben die Blätter des wilden Weines , mit seinen langstengligen violetten Trauben , den von unzähligen Silberfäden übersponnenen Schlehdorn , der auf den Rainen zwischen den einzelnen Feldern wuchs und grünte . Der Tag hellte sich selbst gegen den Mittag nicht vollkommen auf , aber die Luft war mild . Der feine Nebel , der über der ganzen Gegend liegen blieb , hatte noch nichts Herbstliches an sich . Nur wie ein vorübergehender Gast zog er durch die Gegend , man fühlte , daß er noch nicht schwer und dicht genug sei , sich dauernd in ihr festzusetzen . Er zog gewiß in wenig Stunden fort . Ach , auch Renatus zog in wenig Stunden fort , und wenn er wiederkehrte - war dies alles nicht mehr sein ! Wie ihr Weg sich wendete , kam der Duft der letzten Heumahd zu ihnen herüber , traf der Geruch des abwelkenden Kartoffelkrautes hier und da den Sinn . Auf den frisch geackerten Feldern streiften Dohlenschwärme hüpfend umher , die Nahrung zu suchen , welche Pflug und Egge für sie aus der Tiefe hervorgeholt hatten , und schwangen sich dann rauschend in die Luft , im schnellen Fluge einen andern Acker zu besuchen . Hier sprang ein Hase mit gespitztem Ohr in weiten Sätzen durch ein Kohlfeld in das Weite , dort schoß aus einem Kartoffelfelde , dicht vor den Augen der Frauen , welche die Ernte in Säcke einsammelten , ein Volk Rebhühner , den Hahn an der Spitze , knatternd empor . Die Gänse auf dem nahen Stoppelfelde reckten darüber verwundert die Hälse in die Höhe , und bellend folgte ihnen der Hund des Verwalters , der die Aufsicht über die Ernte führte . Welch prächtige Jagden hatte man zu des verstorbenen Freiherrn Zeiten auf diesen Feldern gehabt ! Welch lustige Jagden noch in den Jahren , als Renatus mit seinem Regimente vor dem russischen Kriege nach Richten gekommen war ! Er mußte sich heute der rückblickenden Gedanken zu entschlagen suchen , sie thaten ihm nicht wohl ; an den Genuß der Stunde mußte er sich zu halten suchen , und sie sahen ja auch so schön aus , diese rothblühenden Tabacksfelder , sie waren ihm schon in seiner Kindheit mit den fremdländischen Blättern und Blüthen eine Augenlust gewesen . Die Vögel sangen noch in den Zweigen , aber sie lockten nicht mehr . Es war Alles erreicht , Alles gesättigt . Es lag die sanfteste Ruhe über der Gegend , jene Ruhe , die es errathen läßt , daß die Stunde des Schlummers nicht mehr fern ist und daß er sich bald herniedersenken werde . Die schwermüthige Empfindung des Freiherrn wurde immer mächtiger . Er hatte stets ein lebhaftes Gefühl für die Schönheit der Natur gehabt , und sie war ihm nirgends lieblicher , nirgends anmuthender erschienen , als auf dem Boden , den er sein eigen genannt hatte bis auf diesen Tag . Jetzt erst gewahrte er , wie viel Antheil er in diesem letzten Sommer mittelbar an den wechselnden Beschäftigungen auf den Gütern genommen hatte , wie viel Freude das Wachsen und Gedeihen dessen , was sein gewesen , ihm , fast ohne daß er sich dessen bewußt gewesen war , bereitet hatte . Er mußte seiner Braut den Vorschlag zur Heimkehr machen , wenn er sie nicht erkennen lassen wollte , was in ihm vorging - und es war ja ihr Hochzeitstag . Um zwei Uhr fuhr man nach der Kirche . Vorauf der Edelmann , mit welchem Renatus bei Steinert gewesen war , und ein anderer seiner näheren Bekannten aus der Nachbarschaft . Sie waren die Trauzeugen des freiherrlichen Paares . Dann die Gräfin und Vittoria mit ihrem Sohne : das Brautpaar machte den Schluß . Sonst hatten die Landleute sich von der katholischen Kirche fern gehalten , heute war sie voll von Menschen . Sie waren aus allen drei Dörfern herbeigekommen , der Trauung beizuwohnen , den jungen Herrn noch einmal zu sehen ; und sie , die trotz ihrer verhältnißmäßigen Armuth sich die lustige Hochzeit nicht leicht versagten , hatten Mitleid mit dem Freiherrn , der nicht mehr ihr Herr war . Es war anders gewesen vor jenen Jahren , als der Vater und vollends als der Großvater des jungen Freiherrn geheirathet hatten . Es lebten noch alte Leute , die von ihren Eltern davon erzählen hören , wie dazumal die Wagen vorgefahren waren vor das Schloß , wie das ganze Schloß und der Park erleuchtet gewesen waren und die großen Pechtonnen überall gebrannt hatten . Etwas von diesen Erinnerungen mochte wohl auch in dem Geiste des Bräutigams wieder lebendig werden . Er war sehr ernst , das war natürlich ; aber er war auffallend bleich . Was er dachte ? Er konnte es in diesem Augenblicke nicht sagen ; indeß Cäcilie verstand ihn , und es ging ihr tief zu Herzen , als der Geistliche sie für die Ehe einsegnete und sie den festen treuen Druck von des Geliebten Hand empfand . Auf gute und auf böse Tage , für Leben und Tod sollte dieses unauflösliche Testament sie verbinden , und Renatus wußte was er damit übernahm , und war in sich entschlossen , es zu halten . Seit er zu einem eigenen Urtheile gekommen war , hatte er immer groß von der Ehe gedacht , und seine Liebe für Cäcilie machte ihm zum Glücke , was er ohnehin als seine Pflicht erkannte . Durch das hohe Portal des schönen Baues fiel hell die Sonne herein , als das Brautpaar , vom Altar kommend , in das Freie trat . Sie war zum ersten Male an diesem Tage zum Durchbruche gekommen . Das soll uns ein gutes Zeichen sein , sagte Renatus zärtlich , fasse Muth wie ich , wir werden glücklich sein ! Die Worte erschreckten Cäcilie . Sie hatte nie an ihrem Glücke gezweifelt , sie war glücklich und es freute sie Alles : der Sonnenschein und die Glückwünsche der beiden sie begleitenden Freunde