die Luft mit berauschendem Duft erfüllen ! Ringsum tobt und wogt das lärmende Rom , die Wagen fahren , die Brunnen schäumen - auf diesem hochgelegenen Hügel verbirgt sich hinter einer chinesisch absperrenden hohen Mauer , dicht an dem Palast der zweiten Residenz des Heiligen Vaters ( der Lateran , die dritte , ist ein Stiefkind der Päpste geworden ) , ein Garten , geschmückt mit allen Reizen der Natur . So dicht gezogen und beschnitten sind die edelsten Platanen , daß es unter ihnen bei glühender Mittagshitze kühl ist , Springbrunnen plätschern , die Lacerten schleichen unter den großen , bis zum Boden wuchernden Feigenblättern dahin , Marmortische und Sessel laden zur Ruhe in den erquickendsten Schatten , den jene zwei Stockwerk hohen geschnittenen engen Myrten- und Ligusterhecken hervorbringen helfen - sie sind in der Breite so schmal , daß man fast nur allein , nicht im Selbander durch sie hindurchschreiten kann . Hier reinigte die balsamischste Luft alle vier Wochen einmal die Brust vom erstickenden Schulstaub . Terschka , der Mann , der schon auf einer ansehnliche Höhe des Lebens Angekommene , der mit Erinnerungen schon für ein halbes Leben Ausgestattete , konnte hier eine Weile vergessen , daß er wieder zum Kinde geworden , konnte die marmornen Hermen bewundern , die rings von Epheu und Myrte umschlossen in den Boskets standen und oft Frauenbilder der alten Römerzeit von seltener Schönheit darstellten . Zwei dieser Hermen erklärte er in still unterdrückter , noch nicht abgeschworener Liebesglut für die Herzogin von Amarillas und das künftige Jungfrauenbild der Olympia . Sie sind noch jetzt von jedem zu finden vor dem kleinen Casino des Papstes , dicht in der Nähe der Treibhäuser , unter Gruppen von Aloes , zwei weibliche Köpfe voll Starrheit , Verwegenheit und jener Sphinxschönheit , die Terschka in seinem spätern Leben nur zweimal wiedersah , bei jener Angiolina in Dalmatien und bei Lucinden - unter den Offizieren in Kiel sagte er ' s damals ... Nachdem Terschka nach zweijährigen Studien ins Collegium wieder hinunterzog , gaben seine Generalbeichten mancherlei Anstoß . Sein vergangenes Leben widersprach den Ansprüchen , die die Kirche an die Unbescholtenheit ihrer Priester macht . Sie duldet keine Entstellung des Rufes wie des Körpers , keine schwächlichen , krankhaften Gestalten , nichts , was irgendwie dem Makel der Welt verfallen ist und etwa dem Geist das Uebergewicht verleiht - auch Pater Sebastus hatte nicht die Weihen empfangen . Aber Wenzel von Terschka bot alles auf , sich Erhörung zu verschaffen und eine Vergessenheit der Jahre , wo er als Kind und Knabe unter Räubern und Gauklern lebte . Eine thatkräftige Natur muß zu einem Ziele , das sie sich einmal gestellt hat , irgendwie hindurch . Sie bereut vielleicht später die Anstrengungen , die sie machte , um des nicht befriedigenden Lohnes willen ; aber den Werth des Lohnes , wenn man auch schon seine Geringfügigkeit ahnt , erwägt der nicht , dem eine Laufbahn Mühen macht und dessen Kopf voll Ehrgeiz steckt . Selbst den schon unbedingt gegen ihn entscheidenden Anstoß des Brandmals auf seinem Arme , das durch nichts hinwegzutilgen war , das jeder chemischen Beize , jeder blutigen Operation widerstand , überwand seine Geduld , sein inbrünstiges Bitten , zuletzt seine Intrigue ; denn so unmöglich es fast war , außerhalb des Collegiums einen Briefwechsel zu unterhalten , Terschka übersandte wieder einen Brief an die Herzogin von Amarillas und dichtete wieder ein Sonett an Olympia Maldachini ... Die Kleine , die als Italienerin von fünf Jahren schon so entwickelt und willensstark war , wie eine Deutsche von acht , setzte ihrem heiligen Georg Schild und Lanze durch ... Die Väter lächelten und schienen eigenthümliche Pläne zu haben . Terschka erhielt die Sottane , den schwarzen Leibgurt , die schwarzen Strümpfe und Schuhe ... sein Haupthaar wurde geschoren . Ecco un nuovo fratello ! rief eines Tages bei Tische der Novizenmeister den übrigen Novizen zu ... Gräfin Erdmuthens Ausruf hatte damals Recht gehabt ... Terschka war Jesuit . Fußnoten 1 Thatsächlich . 10. Fünf Jahre vergingen dann ... Terschka zählte schon dreißig , als er Profeß der drei Gelübde wurde , der Armuth , der Keuschheit , des Gehorsams . Nun wurde er Priester aller Weihen . Zwei Jahre später , kurz nach der Julirevolution , legte er das vierte Gelübde ab , Gehorsam dem Heiligen Vater , unbedingtes Sichverwendenlassen für jeden ihm auferlegten Zweck . So stand er auf dem Gipfel seiner Wünsche . Und keineswegs war er unbefriedigt . Der Autodidakt liebt sein Wissen , das er sich mühsam errungen hat . Er liebt es mit mehr Begeisterung , als ein von früher Jugend an dafür Geschulter . Und welche Bewährungen gab es nicht ! Dienen mußte er unausgesetzt , knechtisch dienen , aber zugleich konnte er nach andern Richtungen hin oft auch schon souverän befehlen ... Jede Stufe der Unterwerfung mehr auf der einen Leiter gab auch zugleich auf einer andern eine Stufe der Erhöhung . Er besuchte die Hörsäle der wenige Schritte vom Collegium entfernt liegenden Universität . Hier , wo Hebräisch und Physik nicht nur in demselben Auditorium , sondern oft auch von demselben Lehrer vorgetragen wird , legte er den Grund zu einer Fülle von Thatsachen , die sein Inneres mächtig hoben . Und diese Erweckung , diese stete Gegenständlichkeit und Bewußtheit des Denkens ! Schon die Anleitung zu den » Vorspielen « des Geistes oder zur » Erleuchtung « ! ... Bonaventura kannte sie , diese Künste der » geistigen Lesung « und der » Vorspiele « ! ... Eine Betrachtung z.B. über das Verjagen der Wechsler aus dem Tempel mußte so geordnet sein : Erst ist der einfache Stoff zu lesen ; dann schlägt im Collegium plötzlich eine Glocke - mit dem ersten Schlag derselben stellt man sich rasch einige Schritte vom Betpult entfernt , denkt sich Gott und die Heiligen unmittelbar gegenwärtig , fällt auf die Knie , küßt die Erde und beginnt die lebendigste Phantasievorspiegelung eines Tempels , eines erhabenen Baues mit