Heidekrüger , für gutsherrliche und bäuerliche Verhältnisse , Schlurck kennt die Mängel unsres Gerichtsverfahrens , Gelbsattel ist sehr verstimmt , sehr , sehr , der Hof nimmt keine Rücksicht mehr auf die alte Tonangabe , die man ihm in früheren Zeiten gestattet hatte ; das Alles sind Elemente , die Sie gewinnen müssen und woraus man eine Zeitschrift für Misvergnügte bilden kann . Glauben Sie mir , die würde großen Anklang finden ! Stromer nippte an seinem Thee und brockte Zwieback . Wenn er aufrichtig war , mußte er sich gestehen , daß er in keiner Weise für solche Unternehmungen der Mann war . Es fehlte ihm jede Unterordnung unter fremde Denkweise . So sehr er eine Aufgabe daraus machte , alle Menschen in ihrer Art gelten zu lassen , so war es ihm dabei doch nur um eine gewisse Kunst der Charakteristik und den Schein der politischen Milde zu thun . Zu objectiven Wahrheiten vollends wußte er sich nicht zu erheben . Dürft ' ich nicht eine Ansicht äußern , gnädige Frau ? sagte er jetzt in seiner alten Art , die wir von Hohenberg kennen , in jenem leisen , vorbereitenden , die Aufmerksamkeit erzwingenden Piano . Sprechen Sie ! sagte die Geheimräthin . Die Ludmer horchte . Ich gestehe doch aufrichtig , sagte Stromer , daß ich mir eigentlich gedacht habe , ob man nicht in dem » Jahrhundert « jede Parteiung umgehen könnte . Wo man hinhört , wird der Haß gepredigt . Wenn nun einmal Einer aufstünde und das Evangelium der Liebe predigte ? Ich verlange Schonung für jede Ansicht , unter der Bedingung , daß sie sich nur geistig ankündigt . Ah ! Ah ! rief Pauline ablehnend . Sie fallen in den Ton zurück , der meiner guten Freundin , der Fürstin Amanda , so sympathisch war ! Unsere Zeit verlangt Farbe . Sagen Sie Das nicht so entschieden , gnädige Frau ! Unsere Zeit verlangt den Regenbogen des Friedens ... Und im Regenbogen sind alle Farben vereinigt . Gelb und Roth herrschen vor . Krieg ! Krieg ! Bester Pfarrer ! Für unser Auge , für unsere dunstige Atmosphäre , gelb und roth . Aber an klaren Tagen sieht man mehr das Roth und Grün hervorstechen ... Ohne eine Partei , ohne eine Gesinnung hält sich keine Zeitung ! Nein , nein , Stromer ! O fern sei es von mir , zu sagen , flüsterte Stromer erregter , daß ich keine Gesinnung hätte ! Das aber eben ist meine Gesinnung , daß ich die Extreme verabscheue . Nur der Willkür und der Gedankenlosigkeit wollen wir den Krieg erklären , Das aber , was sich in einer Form der Schönheit und einer gewissen individuellen Nothwendigkeit ankündigt , Das müssen wir gelten lassen , wenigstens eine Zeitlang prüfen . Vom Berge Sinai kommt der Bote des Herrn , der Gesetzgeber seines Volkes . Wie er aus den Wolken tritt , siehe da ! sein Herz ist bekümmert . Sein Volk tanzt um ein güldenes Kalb . Der Gott , den ihnen Moses aus den Wolken bringen sollte , zögerte ihnen zu lange . Sie zwingen Aaron , ein güldenes Kalb zu gießen , das sie faute de mieux ihren Gott nennen . Moses , voll Entrüstung , nimmt die Tafeln des geschriebenen Gesetzes , das er mit sich herunterbringt , und wirft sie nach dem Götzenbilde . Die Tafeln zerspringen und alles Volk eilt herbei , die Scherben zu sammeln . Jeder hat nun einen Theil der Wahrheit , Jeder hat nun ein Stück des Gesetzes und jetzt bedarf es der Mäßigung , Ruhe , der Verständigung , um die Scherben wieder aneinander zu setzen und aus den Trümmern wieder des Herrn lebendiges Wort zur Auferstehung zu bringen . O das ist ein Mythe ! rief Pauline . Das ist sehr poetisch , Pfarrer ! Ein solches Gleichniß an die Spitze des Jahrhunderts gestellt , als Einleitung des neuen Programmes - als Ankündigung kann Das Glück machen ; aber ... Dennoch fühl ' ich , fuhr Stromer fort , daß wir im Vorhofe solcher Allgemeinheiten nicht dürfen stehen bleiben . Ja wir müssen uns an die Thatsachen wagen . Aber noch heute nahm ich Veranlassung , zu Gelbsattel zu sagen : Warum streiten wir nur über die Frage , wer regieren soll ? Ist es erhört , daß unsere Zeit den Königen nur das Regieren überhaupt zu- oder abspricht und Niemand denkt mehr daran , wie regiert werden soll ? Das Schiff fährt dahin über die Wogen . Der Mann am Steuerruder lenkt seine Bewegung . Er hat doch ein Ziel ! Er hat doch entweder nach Kolchis zu segeln , um das goldene Vließ zu holen oder er trägt schon eine Beute und will zurück zu der Heimat Strand . Einst gab es Könige , die nicht an ' s Regieren überhaupt dachten , sondern nur daran , daß sie gut und groß regierten . Ihr Minister und Volkshäupter streitet über das Regieren . Wer regiert ! Ei , so halte dich nicht auf , du Mückenseiher , ei so tummle dich doch in der Bahn und zanke nicht , wie sie gezogen sein soll ! Ich will regieren , sagt der Fürst . Regiere nur ! Aber rasch , groß , bedeutsam ! Was ist Das für ein Staatenleben , wo es immerdar nur heißt : Wir leben in einer Maschine , wo das Recht des ersten Druckes Dem , das Recht des Gegendruckes Dem gebührt ! Ist der Staat ein wiederkäuend Thier , ein jämmerlicher Selbstzweck ? Sind die Könige nur da , um Könige zu sein ? Mein Seherauge lehrt mich aus meinem Scherben am Fuße des Sinai eine tiefe Wahrheit enträthseln . Ich lese etwas von dem Satze in der ewigen Offenbarung : Die Könige regieren ! Aber sie sollen regieren , gut , weise , groß und schaffend ! Sie sollen regieren nicht um der Ewigkeit ihres Stammes , sondern um dessen Zeitlichkeit willen ! Sie sollen