er sie nach den Tagen eines schmerzlichen Entbehrens wieder in seine Arme schloß , als er sie neben sich im Wagen hatte und ihr von den mannigfachen Mühen und kleinen Plagen erzählen konnte , welche er für ihr künftiges Wohlbefinden in der gemeinsamen Heimath getragen hatte . Indeß diese Zufriedenheit verminderte sich , als man auf die Arten ' schen Güter kam ; denn unwillkürlich drängte es sich dem jungen Freiherrn in den Sinn , daß dies gleichsam Cäciliens Brautfahrt sei und wie ganz anders sein Vater einst seine Mutter in Richten eingeführt habe . In mancher guten Stunde seiner Kindheit hatte die Mutter ihm mit gerührter Erinnerung davon erzählt , wie die Schulzen und Schulmeister der Dörfer , geführt von dem Neudorfer greisen Pfarrer und von der ganzen Schaar der Kinder gefolgt , sie unter der Ehrenpforte begrüßt , die man an der Grenze der Güter zu ihrem Empfange aufgerichtet hatte . Wer aber von den Bauern und Instleuten machte heute in Neudorf und Rothenfeld Vorbereitungen für die am nächsten Morgen bevorstehende Hochzeit des jungen Freiherrn ? Sie wußten , daß die Uebergabe der Güter in wenig Tagen vor der Thür stand , und wenn sie von dem jungen Herrn auf ihre Weise auch viel hielten , so war es ihnen doch willkommen , den jetzigen Amtmann los zu werden und es künftig wieder mit einem von den Steinert ' s zu thun zu haben , die auf den Gütern heimisch waren und es wußten , was möglich sei und was einmal nicht möglich sei . Cäcilie konnte nicht begreifen , was ihren Bräutigam so ernsthaft stimme , was die weiche , wehmüthige Zärtlichkeit bedeute , mit der er sie umarmte und behandelte , und er liebte sie so sehr , daß er ihr ' s nicht sagte . Aber diese Liebe ward ihm selbst zum Troste und zur Beruhigung , denn in ihr , in seiner Reinheit , in seinem ungetheilten Empfinden konnte er seiner künftigen Gattin bieten , was sein Vater seiner Mutter nicht hatte gewähren können , und er gelobte es sich fest , daß Cäcilie glücklicher , als seine Mutter es gewesen , daß seine Ehe eine schöne und würdige werden solle . Sein Wille , seine Vorsätze waren die allerbesten . Er hatte an dem Tage noch eine Menge alter Familienpapiere zu ordnen , die er mit sich nach der Stadt zu nehmen wünschte , und Cäcilie , vor der er kein Geheimniß hatte , leistete ihm dabei freundlich ihren Beistand . Dieses erste gemeinsame Arbeiten half ihm über das Unbehagen fort , das ihn bei dem Eintritte in die altbekannten Räume zuerst befallen hatte , denn eben aus dem Arbeitszimmer seines Vaters und aus den eigentlichen Wohnzimmern hatte er die Möbel und Kronleuchter , die Bilder und die Zierathen in seine künftige Wohnung hinüber genommen , und die leeren Gemächer starrten ihn mit kalter , vorwurfsvoller Oede an . Er war froh , als er seine Arbeit beendet , als er die nothwendigen Besprechungen mit dem Amtmanne gehabt hatte , und als er gegen den Abend hin sein müdes Haupt in Vittoria ' s Zimmer an den Busen seiner Cäcilie lehnen , und an ihrer Schulter ruhen lassen konnte . Die Gräfin sah er wenig . Sie war den ganzen Nachmittag in ihrer Wohnung geblieben , sie schrieb an Hildegard ; die Neuvermählten sollten am anderen Tage die Briefe bis zur Hauptstadt mit sich nehmen . Die Trauung war gleich auf den nächsten Mittag festgesetzt , denn Renatus hatte nur einen möglichst kurzen Urlaub fordern mögen . Der Morgen brach mit leichtem Nebel an , aber die strahlende Freude seiner Braut ersetzte für den Bräutigam das Licht der Sonne , das nicht recht zum Vorschein kam . Cäcilie ließ hier in Richten nichts zurück , wonach ihr Herz sich sehnen konnte , und ihre höchsten Wünsche sollten heute in Erfüllung gehen . Sie wurde wider all ihr Hoffen und Erwarten dem Manne verbunden , den sie von frühester Jugend an geliebt hatte , und sie kehrte mit der Aussicht auf die erwünschtesten Verhältnisse in die Stadt zurück , nach der ihre heimliche Sehnsucht nie erloschen war . Freilich sah sie den Schatten , der sich oft über des Geliebten klare Stirne senkte , aber sie beunruhigte sich darüber nicht . Es dünkte sie ganz natürlich , daß er , der andere Rückerinnerungen hatte , sich dieser eben heute nicht erwehren konnte . Sie glaubte , es sei der Gedanke an Hildegard , der ihn bewege , und sie mißgönnte das der Schwester nicht . Sie sprach das dem Bräutigam auch aus . Er nannte sie ein schönes Herz , er küßte sie , er verhieß ihr , daß sie dieses Tages stets mit Freude denken solle , aber seine Wehmuth wollte doch nicht schwinden . Ihn zu erheitern , schlug sie ihm vor , als Brautleute noch einen letzten Spaziergang zu machen . Er zeigte sich bereit dazu . Arm in Arm gingen sie aus dem Parke in das Freie hinaus . Der Sommer war sehr günstig gewesen . Große und lang andauernde Wärme hatte mit reichlichem Regen abgewechselt und das Wachsthum der Bäume wie das Reifen der Frucht ungewöhnlich gefördert . Alles war in diesem Jahre , wie der Amtmann es dem jungen Freiherrn im Frühlinge richtig vorausgesagt hatte , mächtig vorwärts gekommen , Alles früh geerntet worden ; aber weil die Wärme noch im Herbste fortdauerte und überall noch neues Leben erschuf und das Vorhandene erhielt , merkte man es nicht sonderlich , daß die Felder schon kahl waren und das Laub an den Bäumen sich je nach seiner Weise roth und gelb gefärbt hatte . Wo es zur Erde fiel , wuchs noch überall frisches , neues Gras empor und verdeckte den Niederfall , so daß die welken Blätter nur wie Blumen aus dem Grün hervorsahen und das Abgestorbene selbst nur dazu beitrug , das Lebendige zu verschönen . Ueber den grünen Kronen der Eichen und Linden leuchteten die Wipfel