auch Schellen klingeln und alte Töpfe krachen , die man in Scherben zerwirft , aber auch ein solcher Polterabendruhm klingt einem Ohre süß , das bestimmt schien , nur im Umkreise eines ländlichen Nachtwächterhornes seinen Namen bekannt zu wissen . Im Umkreise eines ländlichen Nachtwächterhornes ! wiederholte das Bild anerkennend Pauline , indem sie weiter blätterte und nicht ganz bei der Sache war . Wovon sprachen Sie denn ? Diese kleine fliegende Buchhändlerin sagte mir , der liebste Schriftsteller , von dem ihre Schwester sich etwas abschriebe , wäre ihnen Guido Stromer ! Gnädige Frau , Das so zu hören im Sturme eines nassen Herbstabendes , an einer Straßenecke unter Wagengerassel , wie Macbeth sein Schicksal am Wege von den Hexen zugerufen bekommt . Poesie mitten in der Alltäglichkeit ! Nun erst sammelte sich Pauline von Harder . Sie hatte das Blatt durchflogen , sich über den Stand der Parteien orientirt , die neuesten telegraphischen Depeschen gelesen , einige kleine durch Stromer besorgte Notizen von eigener Hand gefunden ... nun erst hörte sie halb , was Guido Stromer sprach und fragte : Also was sagte Schröpfer ? Merkte er unsere Absicht ? Guido Stromer war doch stark betroffen , daß die gnädige Beschützerin seiner Zwischenreden so wenig Acht gehabt hatte . Er hatte in solchen Fällen die Gewohnheit , den Ton ganz leise einzusetzen und mit gezogener Empfindlichkeit und einem gleichsam nur seinem eigenen Genius genugthuenden gelinden Strafverfahren so wie hier zu wiederholen : Was .. Herr .. Schröpfer .. gesagt ... hat ? Ja , Sie sprachen doch ... Wohl ! sagte Stromer seufzend und gelassen , wie ein angeschmiedeter Prometheus ; wohl ! Frau von Harder will zur Literatur zurückkehren , sagte der edle Sosier , sie will vielleicht ein Blatt begründen ! Aber vom » Jahrhundert « war keine Rede . Ah ! Ich habe mir , begann Pauline die Arme übereinander schlagend und den einen Fuß auf ihr Sopha legend , ich habe mir Mancherlei von den Einrichtungen einer solchen Unternehmung erzählen lassen , von Druck , Papier , Versendung , Abonnentenzahl und dergleichen mehr . Ich glaube , daß die dreitausend Abnehmer des » Jahrhunderts « ungefähr nach allem Kostenabzuge einem Capitale von 10.000 Thalern gleich kommen . Höher nicht ? fragte Stromer , der wie alle überfliegenden und haltlosen Naturen auch in solchen praktischen Verhältnissen von dem Werthe der eigenen Thätigkeit chimärische Begriffe hatte . Finden Sie die Summe so unbedeutend ? Das Capital ist bedeutend . Die Rente klein ... antwortete Stromer , und eigentlich müssen wir hinzufügen , daß ihm Capital und Rente neue Begriffe waren , die er nicht ohne einige Genugthuung seinem bisherigen üblichen Sprachgebrauche einverleibt hatte . Es ist mir nicht um die Rente , sagte Pauline , die in Geldsachen geläufigere Praxis hatte , sondern um den Einfluß , um die Unterhaltung und manchen nützlichen Gedanken , der sich wird fördern lassen . Durch wen besorgen wir nur den Kauf ? Wer leiht seinen Namen her , um den unsrigen zu decken ? Ich habe an Herrn Schlurck gedacht ... meinte Stromer . O sehr gut ! Schlurck ! Er ist ... Doch zuverlässig ? Wie Gold ! Aber ... seit der Hohenberger neuen Generalpacht scheint er mir etwas en décadence . In der That ? Man speist doch bei ihm wie bei einem Lucullus . Seine verlorene Curatel der Hohenbergischen Güter hat ihm in der großen Welt geschadet . Es ist erstaunlich , wie ansteckend das Glück und wie noch ansteckender das Unglück ist . Beim Glücklichen versucht sich Jeder , den Unglücklichen flieht man . Das soll mich aber nicht veranlassen , diese Thorheit mitzumachen . Ich will Schlurck bestimmen , das » Jahrhundert « für meine Rechnung anzukaufen ... Indem trat die Ludmer ein , hinter ihr folgte sehr bald Ernst mit dem Theeservice ... Stromer hörte das Klappern von Tassen schon seit Jahren außerordentlich gern . Es wurde ihm dann immer so behaglich , daß er sogleich anfing , Streckverse über das Sieden eines Theetopfes , über das Singen eines gebundenen Wassergeistes und den angenehmen Zusammenhang zwischen einem kalten Septemberabend und einer Tasse braunen Peccothees zu jeanpaulisiren , wobei er nicht fürchtete , sich zu wiederholen . Er hatte ähnliche Empfindungen an dieser Stätte schon mehrfach ausgesprochen , sprach sie aber heute wieder aus ... Die Ludmer hatte seit Jahren ein Zeichen , das ihr sagte , ob sie ein tête-à-tête oder eine größere Gesellschaft der Geheimräthin durch ihre Anwesenheit störte oder nicht . Fand sie das feine battistene Taschentuch Paulinen ' s in ihrer linken Hand , so durfte sie bleiben ; fand sie es in der rechten , so hatte die Gebieterin Ursache , ihre Entfernung zu wünschen . Da sie das Taschentuch heute in der linken bemerkte , so blieb die Ludmer und sorgte für den Thee , scheinbar dem Gespräche nicht folgend und doch sehr bei ihm interessirt . Denn sie war keine Freundin der literarischen Bestrebungen Paulinen ' s. Sie fand in dem Umgange mit Schriftstellern nichts ihrer Würdiges . Sie hatte auch Scharfsinn genug , sich zu vergegenwärtigen , daß diese Art von geistiger Thätigkeit zuletzt eine Unsumme von Verlegenheiten bereitet und sie wußte dann , was die nächsten Umgebungen der Geheimräthin zu leiden hatten , wenn die Schwierigkeiten wuchsen und sich alle Ausgänge verstopften und die Rückzüge sich versperrt fanden . Sie bereitete den Thee , schwieg , hörte aber mit scharfem Ohr auf jedes Wort , das hier gesprochen wurde . Man erörterte die Stellung , die künftig das » Jahrhundert « in den Fragen der Zeit , dem Wirrwarr der Parteien einnehmen sollte . Pauline tadelte die schwankende bisherige Haltung dieses Blattes , das zwar sehr leserliche , aber wenig entschlossene Artikel brächte . Irgend etwas muß gesagt werden , erklärte sie . Die Artikel müssen auf eine gewisse Pointe zurückkommen . Jeder Gedanke muß seine eigenthümliche Spitze haben . Werdeck müssen Sie versuchen für die Artikel über Militairreform zu gewinnen , Justus , den