darüber hin . Nun stehen wir am Schlänitzsee , über der Kirche von Phöben hängt der Sonnenball ; ein roter Streifen schießt über die leis gekräuselte Fläche . Der Abendwind wird wach ; ein leises Frösteln überläuft uns ; an Grotte und Gruft vorbei , kehren wir in das alte Herrenhaus zurück . Hier ist Dämmerung schon . Es ist die Minute , wo das Licht des Tages erloschen und das Licht des Hauses noch nicht gezündet ist . Wir stehen allein ; dort sind die Stufen , die in Souterrain und Keller führen ; im Dunkel steigt es draus herauf . Im Hause alles still . In der Ferne klappt eine Tür , eine zweite , eine dritte ; jetzt ist es , als würd ' es dunkler ; es rauscht vorbei , es schlurrt vorüber . Die alte » Gräfin « geht um . Geheime Gesellschaften im achtzehnten Jahrhundert 1. Schwindel-Orden 1. Schwindel-Orden Was sagt sie uns für Unsinn vor ? Es wird mir gleich den Kopf zerbrechen . Mich dünkt , ich hör ' ein ganzes Chor Von hunderttausend Narren sprechen . » Faust « Das vorige Jahrhundert war ein Jahrhundert der Geheimen Gesellschaften . Der Absolutismus behinderte jede Kraftentwicklung , die Miene machte , selbständige Wege einschlagen zu wollen ; die Kirche war starr ; was Wunder , wenn der individuelle Ehrgeiz , der kein legitimes Feld fand , sich geltend zu machen , auf Abwege geriet und im Dunkeln und Geheimen nach Macht suchte . Wie im zwölften Jahrhundert alles nach dem Heiligen Grabe , im sechzehnten nach Wittenberg oder nach der neuen Welt drängte , so im achtzehnten Jahrhundert nach Geheimbündelei . Alchimie und Geistererscheinungen , Dinge , die sich ihnen vielfach gesellten , oft in den Vordergrund traten , waren nur Zugaben , Hilfsmittel , starke Dosen , zu denen man griff ; das Wesen der Sache lag darin : Macht zu äußern in einer Zeit , wo das Individuum machtlos war . Zwei Strömungen wurden alsbald erkennbar , die , neben einem starken Beisatz von Egoismus und Menschlichkeit , einen prinzipiellen Gehalt und einen prinzipiellen Gegensatz repräsentierten . Alle diese Gesellschaften indes , die einen derartig ideellen Kern andauernd und in Wahrheit und nicht nur dem Namen nach hatten , bildeten weitaus die Minorität , – das meiste lief auf Herrschsucht und Eitelkeit , auf Täuschung und unmittelbaren Betrug hinaus . Mit dieser letztern Gruppe der Geheimen Gesellschaften , die trotz ihres quantitativen Übergewichts kamen und gingen , ohne eine Spur zu hinterlassen , die nichts waren als Modetorheit oder Modekrankheit , beschäftigen wir uns zuerst . Die Zahl dieser Gesellschaften , unglaublich zu sagen , ging vielleicht über hundert hinaus . Die meisten befanden sich in Bayern und am Rhein . Regensburg , die alte Reichstagsstadt , war Mittelpunkt , und einer Anzahl von Aufsätzen , die in dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts in der Reichstagszeitung veröffentlicht wurden , verdanken wir , mehr als irgendeiner andern Quelle , Material , das uns Einblick gönnt in das Verbindungs- und Ordenswesen jener Zeit . Die genannte Zeitung schrieb in den achtziger Jahren : » Nie hat sich der Sektengeist tätiger gezeigt als in unsern Tagen , welche man die aufgeklärten nennt .... Der immer allgemeiner werdende Hang zum Aberglauben , der uns in die Zeiten des Mittelalters zurückwirft , wird durch den alle Kräfte der Erwerbung übersteigenden Luxus und durch das geschwächte Nervensystem der jetzigen Generation ( also auch schon 1785 ! ) ungemein befördert . Unsre Großen suchen den Stein der Weisen , um unsterblich zu werden , und erhoffen von den Geheimnissen der Alchimie die Mittel zur Befriedigung ihrer Neigungen . « Die Reichstagszeitung fährt dann fort : » An keinem Orte der Welt sind mehr Verehrer solcher neuen Wissenschaften anzutreffen , als an dem Wohnsitze des Reichstages , in Regensburg selbst . Hier befinden sich : Loyolisten im gestickten Kleid , im Chorgewand und im einfachen Kittel ; Gasnerianer und Mesmerianer ; Kabbalisten und Somnambulisten ; Magier der verschiedensten Stufen und Namen ; Cagliostro-Anhänger , die den Stein der Weisen suchen , und › Lammsbrüder , die sich vom inneren Stolze nähren ‹ – Vereinigungen , die samt und sonders schwarze und weiße Magie treiben , aus Zahlen , Buchstaben und Worten die Geheimnisse der Natur und der Staaten prophezeien , die ewige Jugend suchen , vor allem aber den echtesten Grundsatz aller Schwärmer üben : sich untereinander zu verfolgen . « So die Reichstagszeitung . Die Orden , die wir vorstehend aufgeführt , wie sie nur einen ganz kleinen Teil der in Regensburg vertretenen , geschweige denn der in ganz Deutschland damals verbreiteten Ordensgesellschaften bildeten , waren andererseits immer noch Grenznachbarn , oft wirkliche Abzweigungen jener zwei großen Körperschaften , der » Aufklärer « und der » Dunkelmänner « , die ihren Kern in der Idee hatten und auf die wir zurückkommen . Es gab aber andere , die sich absolut von jedem ideellen Gehalt entfernt hatten , oder das Ideelle doch bloß als ein nervenanregendes Komödienspiel trieben . Aus der Reihe dieser greifen wir einige Musterbeispiele heraus . Da war vorerst die » Dukatensozietät « . Sie war schon um 1746 durch den Grafen Carl Ludwig von Wied-Neuwied gestiftet worden . Die Gesellschaft ging aufs Praktische und war deshalb auch in der glücklichen Lage , in betreff aller kirchlichen Dinge das Wort » Toleranz « auf ihre Fahne schreiben zu können . » Religionsvorurteile können unmöglich bei einer Institution Einfluß haben , die sich auf Tugend und Geselligkeit gründet und die wahre Menschenliebe zu ihrem Wegweiser hat . « Die » wahre Menschenliebe « lernen wir nun aus § 7 der Statuten kennen . Es heißt daselbst : » Da jeder monatlich gerne einen Dukaten zur Sozietätskasse zahlen wird , wenn er hoffen darf , nicht nur dieser Bezahlung bald entledigt zu werden , sondern sogar viele Dukaten monatlich zu empfangen , so wird er für das erste anderweite Mitglied , das er seinerseits zum Eintritt engagiert