die Carbonari den obersten Richter der Prevotalhöfe nannten , zu tödten , hüpfte mit diesen Zeilen zur Herzogin von Amarillas , ihrer Erzieherin , ihrer Hofdame , wie man sagen konnte - Tiburzio Ceccone lebte auf fürstlichem Fuß und erzog das Kind der im Kloster der Vivi sepulti lebenden Mutter , die den Tod verwirkt hatte , wie sein eigenes - was gab es da nicht alles zu verschweigen und mit Schleiern zu bedecken ! ... Die Herzogin zeigte dem Cardinal Abends beim Thee die in leiblichen Versen vorgetragene Bitte des jungen Schweizerlanciers , der Cardinal mit seinem feurigen Cäsarenkopf lachte und Wenzel von Terschka , dessen Antecedentien man noch nicht vollständig kannte , klopfte eines - an die Pforte des Collegium al Gesu ... Kommt ihr niederwärts vom ehemaligen Capitol , laßt zur Rechten jene Kapuzinerkirche liegen , wo eine kleine hölzerne Figur , in die Gewänder eines Wickelkindes eingeschlagen , » Bambino « genannt , als Jesuskind gegen alle Anfechtungen des Lebens angerufen , ja sogar aus der Kirche in Procession abgeholt wird zu Sterbenden oder zu Wöchnerinnen , so steht ihr an einem kleinen Platz vor einer Kirche , die die reichste in Rom , nicht die geschmackvollste ist ... Die Façade , die innere Ausschmückung gehört der Kunstepoche Bernini ' s. Wagen über Wagen rollen bei ihren Stufen vor , Bettler in langen Reihen berühren die seidenen Gewänder der vornehmsten Damen und reißen den Eintretenden an der Thür große lederne Decken auf , die Vorhänge bilden . Drinnen empfängt dich ein mystisches Dunkel , Weihrauch , Lichterglanz , eine stickige Luft von Tausenden . Nirgends wird so laut gebetet , so sicher gesungen , so feurig gepredigt in Rom wie hier . Marmor und Gold sind verschwendet , Grabmäler stehen mit Statuen von großen Meistern geschmückt , kostbare Kapellen laufen ringsum ; sie haben die bequeme Einrichtung , daß sie unter sich durch Thüren zusammenhängen und als trauliche Winkel dienen , in denen man hinter einem Pfeiler flüsternd verweilen oder einer im Schiff zu laut daherschallenden Kanzelrede in aller Stille folgen kann . Am östlichen Ende liegt eine kleine Ausgangsthür . Sie führt den Durchgehenden auf steinernem Fußboden in einen Nebeneingang - man sieht einen düstern Hof , in welchen Fenster eines großen todtenstillen Gebäudes hinausgehen , das sich dicht an die Kirche anlehnt . Kein Gefängniß ist es , obgleich die Fenster vergittert , ja theilweise mit Bretern vernagelt sind ; es ist das Colleg der Jesuiten ... Terschka ' s Anmeldung wurde durch die Empfehlungen des Cardinals erleichtert . Ein Oberer empfing ihn , legte ihm Fragen vor und - wiederholte diese Fragen noch einmal , nachdem sie schon beantwortet waren . Sonderbar , er fragte nach Dingen , die in vollem Gegensatz zu dem standen , was er ja soeben aus Terschka ' s Antworten gehört hatte . Sonderbar , dieser hatte gesagt : Ehrwürdiger Vater , ich hatte bereits bemerkt - ! Ein andermal : Wenn ich schon gestand , keine todte Sprache zu kennen , so kann ich doch nicht Griechisch wissen - ! Terschka ging ... Der Obere nickte ihm freundlich nach ... Niemand ließ sich aber bei ihm wieder sehen . Er wohnte noch immer bei den Benfratellen ... Er war vergessen ... Wochenlang ... Tag um Tag verging ... Terschka gerieth außer sich . Die Benfratellen klärten ihn auf . Der Obere hat Ihren Charakter prüfen wollen ! Sie sind ungeduldig ! Nur deshalb stellte er sich Ihnen vergeßlich und schwachsinnig , um zu sehen , ob sich bei Ihnen eine heftige Selbstständigkeit Ihres Wesens zeigen würde ... Terschka verstand jetzt das Benehmen des Obern . Voll Verzweiflung über sich selbst wollte er wiederum an die kleine Olympia schreiben ... Thun Sie das ja nicht ! hieß es allgemein ... So geh ' ich noch einmal zu dem Obern ! ... » Er wird Sie abweisen ! Warten Sie in Geduld ! « ... Vier Wochen wartete Terschka . Dann rief man ihn in der That wieder ... Er hatte » Geduld « bewiesen ... Ein anderer Oberer erschien und lobte Terschka , daß er sich beherrscht und nicht gemahnt hätte . Auch er fragte vielerlei und Terschka antwortete schon viel ruhiger und mit größerer Vorsicht . Nur als der Obere sagte : So bleiben Sie denn jetzt gleich hier ! und Terschka erwiderte : Ehrwürdiger Vater , ich habe erst meine Sachen zu ordnen ! da veränderten sich die Gesichtszüge des Examinators ... Wieder hatte Terschka nicht bestanden . Wieder hatte er einen andern Willen als man vorausgesetzt ... Er ging , seine Verkehrtheit schon ahnend . Und neue vier Wochen verstrichen , die er warten mußte ! Der Novize seufzte , aber er war schon demüthiger geworden . Sehnsüchtig ging er an dem Collegium vorüber , sah zu den Fenstern des riesigen Gebäudes auf ; jede Wallung , anzuklingeln und sich in Erinnerung zu bringen , unterdrückte er und als man dann ihn endlich wirklich rief , schlich er ruhig und ergeben in das ihm angewiesene Zimmer ... Man gab ihm ein Neues Testament , den Thomas a Kempis und Rodriguez über die Gesellschaft Jesu . Er konnte kein Latein . Er mußte dies und alles ganz von vorn erlernen - in seinem fünfundzwanzigsten Jahre ! Aber alle Besuche , die er von zwei zu zwei Stunden bald von diesen , bald von jenem Ordensgliede empfing , verließen ihn mit dem Zeugniß , das sie den Oberen ablegen konnten , der junge Noviz besäße Geist und seltene Welterfahrung . Außerordentlich schien er gefallen zu haben . Nach acht Tagen erhielt er ein gedrucktes Examen , das er schriftlich beantworten mußte . Er konnte es deutsch oder italienisch thun ... Schon in dieser Aufforderung zur vollständigen Darlegung seines Lebens lag für ihn ein Anlaß zu mancherlei Besorgniß . Sein Leben enthielt so gefahrvolle Dunkelheiten ! Das Mal am Arme ! Sein erster Beruf war der einer schnöden Schaustellung seiner Person gewesen ! Wie konnte er auf eine