wird sterben mit Dir ! « Er fiel auf die Kniee , er preßte die gefesselten Hände vor die Augen , während Liebe , Reue , Verzweiflung und Schrecken seine Seele bestürmten , - dann wieder sprang er empor und schaute wild umher auf das Weib im Spiegel des Bootes , das jetzt ein Spiel der Wellen dahin trieb , - auf die Wasserwüste umher - auf Himmel und Land ; - seine Hände wanden sich verzweifelnd gegen die Bande , die sie fesselten , und seine Blicke begegneten voll Angst und Wuth den traurigen Augen des Mädchens . Ueber die Felsenhöhen von Sebastopol , das etwa eine halbe Meile entfernt lag , zog dämmernd der Morgen - und jener liebliche Stern - der Begleiter der Nacht , die Poesie aller Völker - wer ahnet seine Deutung , wer weiß es , welche seligen Geister von ihm niederschauen ? - begann zu erbleichen in jenem Licht , dessen Nahen er verkündet . Heilige Ruhe lag über Wolken und See und im Dunkel ruhte noch das Land , das bald erbeben sollte Nacht und Tag im Flammenschein von tausend Geschützen . Deutlich in der hereinbrechenden Dämmerung waren der Eingang der Bai und die riesigen Felsenforts zu seinen Seiten zu erkennen . Nach Norden und Westen zu hoben sich aus den Nebeln , die leise über das Meer hinballten , dunkle Kolosse , die Schiffe der Alliirten . In der Entfernung von kaum dreihundert Faden erblickte der verzweifelnde Mann eines derselben , das nächste von allen . Er hob die Hände winkend empor , sein Ruf um Hilfe , um Beistand scholl mit aller Anstrengung der Lungen über die See , bis seine Stimme heiser ward , bis er erschöpft auf die Bank des Bootes zurückfiel . Das Wasser , das langsam und still in das Boot eindrang , stand bereits über den Knöcheln seiner Füße . Das Mädchen lächelte traurig bei den wahnsinnigen Anstrengungen des Mannes . Sie wußte , daß der Wind jetzt hinein in die Bucht stand und kein menschlicher Ruf jene Schiffe erreichen konnte , daß mit jedem Augenblick , dem Strom des Meeres zur Bai folgend , der Todeskahn sich immer weiter von jenen Schiffen entfernte und sinken mußte , ehe die schnellste Rettung sie zu ereilen vermochte . - » Soll Fatinitza , die Wölfin von Skadar , einen Feigling geliebt haben ? Willst Du sie beschimpfen noch in ihrer letzten Stunde , da Azraël seinen schwarzen Fittig niedersenkt auf ihr Haupt ? « Er blickte starr auf sie - in seinen Zügen kämpften gewaltig der Männerstolz , die Schaam vor dem schwachen Weibe , seiner Mörderin , die mit ihm sterben wollte , mit der menschlichen Schwäche und Furcht . O , das Leben - das Leben das nur ein Mal verloren geht ! - verloren ? - oder sollte es eine Wiederkehr geben - einen Kreislauf der Leben - ein Wiederkommen zur schönen Erde - ohne Wissen - in anderer Gestalt ? ! - Wäre jene dunkle Erinnerung von gleichen Scenen , Bildern und Gestalten , die oft wie ein Blitz durch unsere Seele zuckt und wie ein Blitz vergeht , das Zeichen einer Seelenwanderung ? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wer löst die nächtigen Räthsel ? - Gott allein ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Höher und höher schwoll die Fluth im Kahn - ängstlich , keuchend sprang der Hund auf den Bänken des Bootes hin und her , von Einer zum Andern - tiefer und tiefer sanken die Planken , die allein noch waren zwischen ihnen und der Ewigkeit . » Laß uns beten , Geliebter - Du zu Deinem Gott , wie ich zu Allah und dem Propheten . Mein Haß ist dahin wie meine Schande , der Gott der Christen und der Moslems wird für die Gereinigten nur ein Paradies haben ! « Und über die Berge zuckte ein lichter Strahl der noch verborgenen Sonne , die Meereshöhe vergoldend , und vom Fort Constantin donnerte der Reveilleschuß über Land und See . Der Kahn begann zu schwanken und sich zu drehen - laut heulte der Hund - » Dschel ! - Dschell « und sie erhob sich . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Bis über die Kniee reichte die Fluth , in der sie jetzt stand , und über die Bänke hin mit ausgebreiteten Armen auf ihn zuschritt . » Dschel ! - Dschel ! « Das war jenes Wort , das erste , das er von ihren Lippen gehört - das Syrenenwort , das im Thurm von Skadar ihm entgegen scholl , sinnverwirrend , von dem weichen Lager von Wolfsfellen , hinter dem Teppich des stillen Gemachs - - » Dschel ! « Und rascher und rascher drehte sich das Boot im Wirbel und die See gurgelte herauf durch das Leck ! Sie hatte ihn erreicht und dann - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Am Bord des Niger , der am Abend das 42. Regiment eingeschifft und jetzt auf den Dampfer wartend , der ihn nach Süden bugsiren sollte , auf der Höhe des Meeres vor Sebastopol lag , hatten Master Malcolm , der zweite Lieutenant und der Midshipman Maubridge die letzte Nachtwache . Der Lieutenant schritt auf dem Gangweg auf und ab , zuweilen einen Blick nach dem Tauwerk oder unwillig nach den Soldatengruppen werfend , die überall im festen Schlaf umherlagernd ihm den Weg versperrten . Die Morgendämmerung kam über die Berghöhen jenseits der