Guido Stromer ' s Aufsätze im » Jahrhundert « , einer großen , einflußreichen Zeitung , schon Manchem gefallen . Zwar hatte man ihm für seine etwas verworrenen Anschauungen erst nur noch das untere Stockwerk , das Feuilleton , eingeräumt , allein für andre Leser , wie Pauline , war Dies gerade eine Auszeichnung . Man sprach allgemein davon , ob Guido Stromer nicht steigen , in die politischen Spalten avanciren würde , aber es fehlte ihm noch die Grundlage positiver Thatsachen , wie er ' s nannte , Kenntnisse , wie Dankmar es genannt haben würde . Er war reich in Principien , arm in praktischen Fingerzeigen . Zufällig waren unter den Eigenthümern des » Jahrhunderts « Differenzen entstanden , die sich am Besten ausgleichen ließen , wenn irgend eine bedeutende politische Macht etwas daran wagen und das Blatt kaufen wollte . Guido Stromer interessirte Paulinen für diese Idee . Ein Blatt zu haben , ohne daß man ihr dies Eigenthum , das auf einen andern Namen geschrieben werden mußte , nachweisen konnte , jeden Morgen eine Parole austheilen , jeden Abend in der Welt seine sichere Wirkung zu haben , abweisen , annehmen , voraussehen , drohen , belohnen , etwas wissen zu können , was Andere nicht wußten ... sie war entzückt von diesem Plane und hatte dafür nur Stromern , Heinrichson und die Ludmer zu Vertrauten . Heinrichson versprach ihr , über die künstlerischen Bestrebungen so viel geheimes Material zu geben , daß sie im Feuilleton unter einem angenommenen Namen selbst als eine feine Kennerin der Kunst auftreten konnte . Sie schwelgte in dem Gedanken , über die öffentliche Meinung eine Herrschaft zu gewinnen , die ihr einen Ersatz für die » kleinen Cirkel « bieten sollte , von denen sie mit so hartnäckiger Consequenz ausgeschlossen blieb . Guido Stromer trat ein , wie immer mit dem Bewußtsein , in welchem Goethe seinen Tasso sagen läßt : Und wie der Mensch nur sagen kann : Hier bin ich ! Daß Freunde seiner schonend sich erfreun ; so kann ich auch nur sagen : Nimm mich hin ! Er idealisirte sich nämlich von Tage zu Tage mehr . Der Blick seines Auges wurde immer freier und strahlender , die Art , den Kopf auf seinen Schultern zu heben , wurde beweglicher , sein ganzes Wesen erschien wie elektrisirt und im ganzen Gehaben fast überreizt . Eine gewisse Pedanterie war dabei freilich nicht zu vertilgen . Die mangelnde feinere Erziehung , die ihm Fürstin Amanda , die auf den innern geistigen Kern blickte , völlig nachsah , war durch feinere Wäsche und eine wie aus einem Handbuche studirte Eleganz nicht zu verdecken . Die Grazien waren in seiner Nähe , aber sie neckten ihn nur , sie spielten mit ihm Versteckens , sie wohnten nicht in ihm selbst . Dieser feine Kopf aß jetzt an vielen vornehmen Tafeln , aber er wiegte sich so sonderbar in diesen Genüssen , athmete so den Duft seiner Einladungen ein und aus , wiederholte so sehr Alles , was ihm begegnete , in der Erzählung sprach er so geräuschvoll und nachdrücklich , daß das ganze persönliche Interesse , das Pauline an diesem so urplötzlich aufgetauchten Autor genommen hatte , dazu gehörte , um durch ihn in ihren Nerven nicht empfindlich gestört und verletzt zu werden . Meine gnädige Frau , sagte Guido Stromer , gleich im Eintreten , während er Paulinen die Hand küßte , ich komme in Sturm und Regen und muß in weiter Ferne von Ihnen bleiben , denn ich bringe eine Atmosphäre mit , die leicht den Katarrh nach sich zieht . Nun , bester Freund , begrüßte ihn Pauline und bat ihn Platz zu nehmen , wo es seiner diätetischen Sorgfalt für ihre Gesundheit nur beliebe . Was bringen Sie über das » Jahrhundert « ? Vor allen Dingen die heutige Nummer ! sagte Stromer , griff in den neuen schwarzen Frack , dessen Hyper-Modernität ihm beinahe komisch stand und breitete das von der Druckerei noch nasse Blatt aus , das Pauline gierig ergriff und durchflog . Im Büreau war ich nicht , fuhr Stromer fort , nachdem Pauline sich etwas orientirt hatte ... denn zu sprechen , während Jemand etwas vielleicht - von ihm las , dazu war er zu - taktvoll ... Das Büreau ist zu entlegen . Einem kleinen Mädchen kauft ' ich es an einer Straßenecke ab . Das Kind stand im Regen da wie der zitternde Strauch auf einsamer Heide ... Ich weiß , Ihr Exemplar kommt erst später . Schröpfer war da ! warf Pauline im Lesen und blätternd fast neckisch und wie zur Anregung hinein . Ah , gnädige Frau , sagte Stromer , ich wußte es , ich hab ' ihn selbst gesprochen . Die Sosier sind keine Freunde der Aktienunternehmungen , welche Zeitungen stiften . Auch die kleinen Buchhändler auf der Straße sollen weggeschnappt werden . Kind ! fragt ' ich das kleine Mädchen , das die Blätter feil bot , liest du denn schon und verstehst du auch , was du verkaufest ? Meine Schwester erzählt es uns manchmal ; sagte das Kind . Hast du eine Schwester , kleine Proletarierin ? fragt ' ich . Welchen Schriftsteller liebt sie denn am liebsten in dem Blatt , das du da verkaufst ? ... Stromer hielt inne ; denn die Geheimräthin war so vertieft , daß sie sowol sein Bild von dem auf der Haide im Sturme fröstelnden Strauche , wie seine Unterredung mit der kleinen Line Eisold überhört hatte . Er wartete , bis sie sich gesammelt hatte . Ah , sagte sie dann und blickte zu Stromer , um ihn zum Weiterreden zu ermuntern . Denken sie sich , gnädige Frau , fuhr dieser fort , wie man populair wird ! Und dein Ruhm wird ertönen auf der lauten Gasse ! Jesaias würde mich beneidet haben , wenn er Das gehört hätte . Wohl weiß ich , daß auf der Gasse nicht blos Glocken tönen , sondern