und dem man sich nur schwer entzog . Es war gut für mich , daß der Kirchenbau mich zu Euch nach Rothenfeld hinüberbrachte und in gesunde Luft . Mehr Liebe als an diesen Kirchenbau habe ich sicherlich an keine meiner Aufgaben je gewendet . Die Erinnerung an seinen Jugendtraum stieg wie ein leuchtendes Gewölk vor seinem inneren Auge auf ; indeß es zog schnell vorüber , und eben Herbert war es , der gleich darauf die Frage aufwarf , was man denn jetzt mit der Kirche beginnen werde . Steinert meinte , das sei selbstverständlich . Die protestantische Kirche in Neudorf sei immer ein jämmerlicher Bau gewesen , aus Feldsteinen roh und elend zusammengefügt , der hölzerne Thurm seit lange dem Einsturze nahe . Innen hätten die Russen die Kirche arg verwüstet ; sie sei danach , wie die Umstände der Gutsverwaltung es mit sich brachten , kaum auf das Nothdürftigste hergestellt worden . Nichts an der ganzen Kirche und an dem Pfarrhause sei niet- und nagelfest . Man müsse also die protestantische Pfarre , was auch ohnehin bei der Lage der Dörfer immer das Zweckmäßigere gewesen sein würde , von Neudorf nach Rothenfeld zu verlegen suchen . Die nöthigen Schritte bei der Regierung müsse Herbert , und wenn es etwa bis vor das Kultus-Ministerium und den König käme , Tremann zu thun übernehmen . Die Gemeinde würde sie sicherlich unterstützen , denn ihr , die sich eng und ärmlich habe helfen müssen , sei die prächtige und leere katholische Kirche stets ein Dorn im Auge gewesen , und es sei , da in der ganzen Gegend jetzt keine zehn Katholiken mehr zu finden wären , auch nicht die geringste Nothwendigkeit zur Erhaltung eines besonderen Gotteshauses für dieselben mehr vorhanden . Nur wegen der Arten ' schen Familiengruft habe es noch Schwierigkeiten . In wie fern ? fragte Paul , der diesen Erörterungen bis dahin schweigend gefolgt war . Der Freiherr verlangt als eine der Verkaufsbedingungen , daß der Zugang zu der Gruft von der Seite der Kirche vermauert werde , und er will , daß ihm und seinen Nachkommen für ewige Zeiten der Besitz dieser Gruft mit dem sie umgebenden , von dem eisernen Gitter eingehegten Garten , den die Gutsherrschaft als Onus unterhalten soll , zugesichert werde . Paul schlug ungeduldig mit der flachen Hand auf den Tisch . Sie sind unverbesserlich , aber ganz und gar unverbesserlich ! rief er aus . Sie haben die Geschichte der letzten dreißig Jahre vor sich und sie können sich das verdammte Wort » ewig « nicht abgewöhnen ; als ob sie nicht gerade daran zu Grunde gingen , daß sie sich in den nothwendigen Wechsel der Zeiten und der Dinge nicht fügen wollen ! Dieser junge Arten sieht es jetzt mit eigenen Augen , was es mit den Dingen ist , die man für ewig gegründet zu haben glaubt . Sein Vater baute , einer Stimmung zu genügen , eine Kirche , die für ewige Zeiten dem katholischen Kultus und den religiösen Bedürfnissen seines Geschlechtes gewidmet sein sollte . Noch kein Menschenalter ist seitdem verflossen , und die Kirche wird unser , und wir berathen heute hier in kalter , verständiger Ueberlegung , was wir mit dem Prachtbaue machen sollen , in welchem die Aufregung eines Tages sich ein ewiges Denkmal zu setzen meinte . Noch weiß es jedes Kind im Dorfe , daß es die Herren von Arten gewesen sind , welche die Kirche auferbauten , denn bis heute ist ein Arten Besitzer derselben gewesen . Wer aber wird nach zwanzig , nach dreißig Jahren daran denken , davon wissen ? Ludwig der Sechszehnte und Marie Antoinette sind guillotinirt , die Welt ist umgestaltet , ein Advokatensohn Kaiser und Beherrscher der Herrschenden , seine Brüder sind Könige geworden , und Alle sind sie niedergeworfen worden , als ihre Zeit vorüber gewesen ist - und dieser junge Edelmann will ein ewiges Erbbegräbniß für die Gebeine seiner Väter , für die Freiherren von Arten errichtet haben . Es ist abgeschmackt ! - Er stand ärgerlich auf . Du meinst also , daß man diese Bedingung nicht eingehen soll ? fragte Steinert . Warum nicht ? Wenn der junge Arten die Unterhaltung der Gruft und des Gartens übernehmen will ! Richten liegt dazu nahe genug , und die paar Ruthen Land können wir entbehren . Es ist übrigens keine schwere Last , wendete Herbert ein , dem begreiflicher Weise an der Erhaltung alles dessen gelegen war , was zur Zierde der Kirche gereichte und mit ihrem Baue organisch zusammenhing ; es ist keine schwere Last , welche wir oder die Gemeinde mit der Erhaltung dieses Blumengärtchens auf uns nehmen würden . Wir haben aber kein Recht , durchaus kein Recht , denen , die nach uns kommen werden , eine Pflicht , wie leicht sie uns auch bedünken mag , aufzuerlegen , da sie ihnen doch weniger leicht erscheinen könnte . Soll der Garten gepflegt werden , so mag ' s geschehen , so lange wir die Herren der Güter sind , und ich für meine Person habe keinen Grund , mich dem zu widersetzen . Aber was können unsere Kinder , oder was werden diejenigen , die vielleicht nach diesen die Güter erwerben , mit den Ewigkeitsgelüsten des Barons Renatus zu schaffen haben ? Wir haben kein Recht , willkürlich übernommene Gefälligkeiten als Verpflichtungen auf Dritte zu vererben . Mag der Freiherr ... Du denkst als Kaufmann schon an den Verkauf der Güter , ehe wir sie noch erworben haben , fiel Steinert ihm in das Wort , der wie ein rechter Landmann fest an seiner Scholle hing ; da freilich kann von Dauer oder gar von Ewigkeit auch nicht die Rede sein , da ist nichts ewig ! Paul lachte . Adam der Siebenundsiebzigste ! rief er , schnell wieder heiter geworden , den Freund an eine frühere Neckerei erinnernd . Aber beruhige Dich , mein alter Freund , es gibt ein Ewiges , es gibt unumstößliche , ewige Wahrheiten