wahren jetzt über den Leichen der drei Sclaven fluthen , die den Kranken bedient im Kiosk ! ? « Nur das Stöhnen des Mannes antwortete ihr . » Wie der Pelikan mit seinem Herzblut das Junge nährt , « fuhr die Türkin eintönig fort , » also nährte Fatinitza an ihrem Herzen die Schlange , deren Gift sie verderben sollte . Tausend Eide schwor er ihr , während sie mit Gefahr ihres Lebens den greifen Vater hinterging und seinen Bitten trotzte ; - und als die Stunde der Prüfung gekommen , da warf er sie fort wie ein geknicktes Rohr und floh zu seinen Freunden und lud den Fluch und den Tod des Vaters auf ihr verbrecherisches Haupt . « » Dein Bild , Fatinitza , hat mich aus dem Lande meiner Väter über Land und Meer gejagt ! « » Sie liebte ihn - und er stieß den Dolch des Undanks und der Schande zwei Mal in ihre Brust ! Sie liebte ihn und gab ihr Leben für ihn , und er erschlug ihr den Vater und warf ihren Leib , der sein eigen geworden , den Lüsten seiner Krieger vor ! - Fluch - Fluch - dreifacher Fluch über Dich , Nicolas Grivas ! die Stunde ist da , es ist Zeit , unsere Rechnung zu schließen ! « Stumm - lautlos - lag er vor ihr im Staube . » Du mußt nach Sebastopol , Nicolas Grivas ? « fragte plötzlich die Türkin . » Laß mich dort hin , oder tödte mich zur Stelle ! Meine Ehre ist verpfändet . « Sie blickte kalt und ruhig auf ihn herunter und ein leichter Hohn zuckte um ihren Mund . » Ich will Deine Bande durchschneiden , wandere durch die Gebirge zu der Stadt Deiner Freunde - auf Dein Haupt komme die Gefahr . « Sie bückte sich und hatte , ehe er es noch bemerken konnte , die Fessel an seinen Füßen durchschnitten . » Geh - Du bist frei ! « Er versuchte aufzustehen , aber taumelte ; die Stricke hatten seine Füße so fest zusammengeschnürt , daß sie ohne Empfindung waren . Auch fühlte er , daß der Schlag des Lanzenschafts , der ihn zu Boden gestreckt , seinen Kopf noch immer betäubte . » Allmächtiger Gott - ich kann nicht ! Wie vermöchte ich Sebastopol zu erreichen ohne Pferd - ohne Mittel durch die Schaaren der Deinen zu dringen ! « Wiederum stand sie vor ihm mit gefalteten Armen und schaute mit Hohn auf den Griechen . » Nicolas Grivas - die Geschändete , Verfluchte will Dich bis vor den Ort bringen , wohin Du verlangst , wenn Du ihr folgen willst - sie will Dich zur Stelle führen , noch ehe der erste Morgenstrahl über jene Gebirge dämmert . Willst Du ihr folgen ? « » Fatinitza - Retterin in der Noth - Du giebst mir doppelt das Leben zurück ! « » So harre meiner hier - indeß ich die Vorbereitungen treffe . Zu dem Ziel , das wir zusammen erreichen wollen , liegt dort der Weg ! « Ihre Hand deutete nach dem Meer - dann glitt sie gewandt und leicht den Abhang hinunter und war im Augenblick verschwunden . Der junge Mann hatte sie begriffen . Konnte er an der Küste hin in einem Boot den Eingang der Bai von Sebastopol oder eines der Forts erreichen , und das konnte in zwei , höchstens drei Stunden geschehen - so war keine Zeit verloren , sein Auftrag erfüllt und die Armee der Feinde in den Schluchten der Tschernaja verloren . Es verging eine Viertelstunde , die dem jungen Mann zur Ewigkeit wurde . Er versuchte auf dem Felsplateau hin und her zu gehen , doch wenn er sich dem Abhang näherte , an dem Fatinitza verschwunden war , fand er Scheitan , den Molosserhund , ihm den Weg versperrend . Endlich erschien die Türkin wieder und winkte ihm schweigend zu folgen . Sie führte ihn hinunter zum Strand , der einsam und verlassen war und in dem in einer Buchtung des Flusses ein Ruderboot schaukelte . Der kleine Mast war eingesetzt , leicht flatterte das Segel daran im Nachtwind . » Steig ' ein , Nicolas Grivas , « sagte das Mädchen , » unsere Zeit ist gemessen . « Er hielt ihr die noch gefesselten Hände entgegen . » Willst Du die Bande nicht lösen , Fatinitza ? - ich verstehe mich auf das Rudern . « Sie neigte verneinend das Haupt . » Du bist der Feind meines Volkes und ich ein Weib und allein . Am See von Skadar hat mein Ruder mich oft zu Dir getragen , als Du verwundet lagst im Kiosk unter den Myrthengebüschen - diese Hand ist stark genug , uns auch jetzt durch die Brandung zu führen . « Auf ihren Wink nahm er im Vordertheile des Bootes Platz , während sie die Ruder ergriff . Scheitan , der Hund , hockte am Segelbaum , zwischen ihm und ihr , mit klugem Auge den Gefangenen bewachend und zuweilen seine Füße leckend , dann aber wieder , wenn er eine Bewegung machte , sich zu nähern , das scharfe weiße Gebiß gegen ihn fletschend . Mit kräftiger Hand nahm die Türkin das Ruder , - so stießen sie hinaus in die schäumende Brandung . Mit den rückprallenden Wellen schoß das Boot über den weißen Rand dahin und befand sich nach wenigen Minuten im verhältnißmäßig ruhigen Wasser . Eine frische Brise wehte jetzt gegen Morgen von Nord-Osten her , und die Türkin legte die Ruder nieder , spannte das Segel und setzte sich an das Steuer . So saßen sie an beiden Schiffsenden einander gegenüber , während das Boot wie ein gespornter Renner durch die Wogen dahin flog , hinein in Nacht und Meer . » Du entfernst Dich zu weit vom Lande , Fatinitza , « sagte der Grieche , » wir werden sicherer sein im Schutz des Ufers , als auf der freien