sie im Notiren fortfuhr : Rafflard hat eine gute französische Aussprache und corrigirt Andere ohne zu verletzen ... Er ist räthselhaft . Um ein Uhr - eine Zumuthung der Flottwitz - abgelehnt - ein Besuch der Trompetta nicht angenommen . Buchhändler Schröpfer besucht mich auf meinen Wunsch und gibt mir Details über das politische Journal : » Das Jahrhundert « , das ich kaufen will ... Pauline ! unterbrach die Ludmer halb vorwurfsvoll diese letzte Tagebuchnotiz , die die Geheimräthin mit einiger Schalkhaftigkeit aussprach , nur prüfend , nur forschend , welchen Eindruck sie auf die Erfinderin ihres nächsten großen Küchenzettels machen würde . Nun ? sagte die Geheimräthin , den Kopf aufrichtend und lächelnd . Schröpfer ... das Jahrhundert ... Guido Stromer ... Pauline ! Die Ludmer dirigirte einen langen schmerzlichen Blick auf ihre Freundin und langjährige Pflegebefohlene ... und da diese sich nicht irre machen ließ , sondern nur sagte : Nun ? Nun ? so stieß sie über diesen Rückfall in die ihr verhaßte Literatur einen ihrer tiefsten Seufzer aus und sagte , indem sie notirte , mit betrübtestem Ausdruck und gen Himmel blickend : Ach ! Kalekut - Hirschziemer - mit Salat - Kirschengratin - Gelée von Citronen und geschlagener Sahne mit Marasquino und Biscuits ! In diesem feierlichen Augenblicke , den nur das schadenfrohe Lächeln der Geheimräthin etwas profanirte , trat Franz herein und übergab der Ludmer einen Brief . Durch das Gartenamt vom Schloß ; sagte Jener . Der Geheimrath hatte ihn vergessen . Er ist schon heute früh abgegeben . Die Ludmer betrachtete das Siegel und erbrach es . Der Brief war an sie gerichtet . Die Geheimräthin fragte bei dieser Gelegenheit , wo Excellenz wäre ? Im Theater ! hieß es . Franz , dem dann nichts Weiteres geheißen wurde , ging und die Geheimräthin zog naserümpfend den Mund . Im Theater ! sagte sie für sich . Er hat gewiß wieder ein kleines Verhältniß , das mit irgend einer moralischen Niederlage , wie im Möbelwagen , endigen wird ! Die gute Lehre , die ihm Melanie gegeben , hat nicht lange gefruchtet . Eine wirkliche Schauspielerin wird es verstehen , ihm noch eine längere Nase zu drehen als diese Dilettantin in der Komödie . Indem bemerkte Pauline , daß die Ludmer durch die Lectüre des eben empfangenen Briefes in große Aufregung versetzt war . Was hast du ? fragte sie , als die Ludmer die Brille abnahm und aus ihren schwarzen Augen einen stechenden , erstaunenden Blick auf sie richtete . Das sind schöne Sachen ! sagte die Ludmer . Lies ! Pauline nahm den Brief , dessen Äußeres etwas Unförmliches hatte und fast wie ein Dienstrapport aussah . Von wem ist er denn ? fragte sie . Sieh nur ! Das sind schöne Sachen ! Pauline sah zuerst auf die Unterschrift ! Sie lautete » Mangold , königl . Garten-Inspektor « . Ist Das wegen - fragte sie ... Wegen Augusten ' s ! sagte die Ludmer und ging schon zornig im Zimmer auf und ab . Pauline las : Meine liebe Madame Ludmer ! In meiner Jugend hab ' ich so unter der Herrschaft meines Blutes gestanden , daß ich auf Vieh und Menschen zuschlug , wenn mir etwas zu tückisch und nicht nach meinem Willen entgegentrat . Für jede Beleidigung hatt ' ich sogleich mit fünf Fingern einen Habedank ! zur Hand . Das waren meine jungen Zeiten und aus den Händeln kam ich nicht heraus ! Wie ich aber einmal eine Frau , die mich auf jede Weise chikanirte , die Frau meines Lehrherrn , eines Gärtners , in einem Zornanfall fast mit Füßen trat und vor der Rache ihres Mannes nicht entfloh , sondern ihn , weil er die böse Frau in Schutz nehmen wollte , mit der Peitsche durchhieb und dabei einem armen unschuldigen Kinde , das in der Nähe stand , ein Auge ausschlug , bin ich in mich gegangen und ein anderer Mensch geworden . Ich flüchtete jetzt und kam durch allerhand Irrwege nach Holland und England , wo ich die Gärtnerei im Großen studirte , die richtige Art der Parkanlagen , besonders aber Ruhe , Selbstbeherrschung und Mäßigung lernte . Nach meiner frühern Art glaub ' ich wohl , daß ich in Ihrer Nähe , liebe Madame Ludmer , jetzt wieder einem Kinde zufällig ein Auge ausgeschlagen hätte ; nach meiner jetzigen Art sag ' ich Ihnen aber nur , daß es ein Irrthum von Ihrer Seite ist , liebe Madame Ludmer , wenn Sie geglaubt haben , daß ich zu dem verlornen Rufe Ihrer Nichte , Auguste Ludmer , wie zu einem Brunnen den Deckel hätte abgeben können . Ich frage nicht : Wie konnten Sie wagen , Frau , einem ehrlichen , unbescholtenen Manne zuzumuthen , eine Auguste Ludmer zu heirathen ? Wie konnten Sie es wagen , auf meine Leichtgläubigkeit , Dummheit und von den Städten zurückgezogen lebende lebendige Einfalt hin , mir eine Partie vorzuschlagen , die ewig meine Ehre würde gebrandmarkt haben ? Wie konnten Sie so hinterlistig Veranstaltungen treffen , um mich und meinen guten Namen in diese schändliche Falle zu locken ? Ich sage das Alles nicht auf alte Art , weil ich ... möglicherweise ein in der Nähe befindliches Kinderauge fürchte . Lassen Sie sich denn also mit der einfachen Nachricht genügen , daß ich jenes schöne und in vieler Hinsicht angenehme Mädchen vom Grund meiner Seele aus bedaure , daß ich selbst über einen gewissen Beweis menschlicher Schwäche und die Erbärmlichkeit eines gewissen herzlosen großen Künstlers in dummer Einfalt hinweggekommen wäre , allein die Wahrheiten , die ich sah , als mir ein Ehrenmann , Namens Dankmar Wildlingen , auf dem Café Richter gestern die Schuppen von den Augen nahm ; diesen Überfluß der Schande und des Elends kann ich in keinen Wald der Welt mitnehmen , in keinem Sansregret der Welt verbergen , das Laub würde darüber verderben und die Jahreszeiten könnten mir in Unordnung gerathen . Ich hab ' es dem