Egon ' s und hofft , daß Rafflard sein Versprechen , sie sämmtlich zu entfernen , das ganze Nest aufzuheben , wahr macht . Die Ludmer hörte etwas hinüber zu den ihr nicht ganz gleichgültigen Thatsachen , die die Geheimräthin niederschrieb - und sagte dann freudiger notirend : Gänse à la Broche mit farcirten Gurken à la Sauce ... .. Die Geheimräthin hatte aber trotz ihrer idealen Anschauung gleichfalls nicht unterlassen , auch auf die Ludmer manchmal hinzuhören und zu prüfen , was die erprobte Erfindungsgabe der Freundin zusammensetzte . Sie nahm jetzt das Blättchen und las die schriftstellerischen Produkte der Ludmer . Die Ludmer nahm eine Priese . Ist Das der erste Gang ? fragte Pauline . Der erste Gang ! Ich vermisse , sagte die Geheimräthin , die gleichfalls gastronomische Phantasieen hatte , eine Kennerin der Tafelfreuden und längst zu der Erkenntniß gekommen war , daß man sich viele und gerade die geistreichsten Menschen dauernd und wahrhaft treu leider nur durch Diners und die sinnige Wahl ihrer Leibgerichte verbindet ; ich vermisse , sagte sie , ein Hochepot von Wurzeln à l ' Anglaise für meinen guten Justizrath , der seine Frugalität immer drollig genug zu beweisen sucht , daß er nach Gemüsen verlangt und von guter Hausmannskost spricht . Ist der Justizrath denn eingeladen ? Schlurck ? Ich denke doch ? Der Vater und die Tochter ! Ich bin sehr undankbar gegen den ehrlichen Menschen und hab ' ihm seit seiner edlen Aufopferung für meine Interessen viel zu wenig Aufmerksamkeit erwiesen . Er war gestern hier , um dich angelegentlichst zu sprechen ... Wovon man mir nichts sagte ? erwiderte die Geheimräthin entrüstet . Ich mochte nicht ... Der Mann wird alt ... Er zeigte sich ängstlich ! Ängstlich ? Worüber ? Ein Schlurck ängstlich ... du sprachst ihn also ? Es kämen , sagte er , Anfragen , Vorwürfe wegen der übereilten Haussuchung bei den Gebrüdern Wildungen - man setze ihm mannichfach zu , wolle Auskunft über Dies und Jenes - er quengelte mehr , als ich je von dem Manne erwartet hätte - Dann lad ' ihn nicht ein ! erklärte die Geheimräthin entschieden . Furchtsame Menschen stören unsern Lebensmuth . Man wird nie von Paulinen sagen , daß sie ihre Freunde vernachlässige ; aber nur keine Entmuthigung da , wo man Stärke erwartet ! Von seiner Tochter sprach Schlurck auch , berichtete die Ludmer . Sie ist verlobt mit Lasally - Noch nicht förmlich ... sagte er . Auch bräche sie solche Verhältnisse ab , wie sie sie anknüpfe . Sie wäre vorgestern gleichfalls , wie es scheint die ganze Welt , in Solitüde gewesen und hätte sich , nach Hause gekommen , so gegen Lasally gebehrdet , daß diese Verbindung jetzt wieder weniger Möglichkeiten für sich hätte als früher ... Sie hat den Prinzen wieder gesehen , Dankmarn , Siegbert Wildungen - die alten Leidenschaften regen sich - Wir wollen Schlurck und Melanie doch einladen . Vergiß es nicht ! Und Werdeck und die Deputirten ? Werdeck und die Deputirten ! Justus vor Allen ! Was ? Justus ? Den Heide ... Die Ludmer machte eine Miene , als röche es plötzlich nach Dünger . Sie hatte für Politik wenig Sinn und schüttelte den Kopf und drückte wieder die Brille , die sie beim Sprechen abgenommen hatte , auf die gequetschte Nase , daß sie im Sprechen einen schrecklich schnüffelnden Ton bekam . Die Deputirten ! näselte sie . Pauline fuhr abbrechend fort in ihren Notizen : Egon läßt sich wählen - Dankmar Wildungen macht dabei den Vermittler - Helene fürchtet diesen Entschluß , fürchtet die Wildungen , fürchtet Louis Armand ' s Einfluß - fürchtet Alles , was sie von Egon trennt - Nachrichten aus Paris - d ' Azimont wird immer kränker - Egon spricht viel von der Nothwendigkeit und dem Glück legitimer Verhältnisse - sie klagt mir ' s ... Die Ludmer hatte eben sehr aufmerksam zugehört und fragte , was legitim wäre ? Pauline lächelte und sagte : Legitim , liebe Charlotte , heißt , wenn nicht sittlich , doch gedeckt durch die Sitte . Du guter Egon ! Wenn du wüßtest , was sich Alles legitim nennt ! Du willst für die legitimen Verhältnisse auftreten ! Ärmster ! Kenntest du die Memoiren deiner ... Pst ! sagte die Ludmer und schrieb satyrisch grinsend und lachend : Filet von Seezungen à la maître d ' hôtel ! Ha ! Ha ! Ha ! Um zwölf Uhr Rafflard ' s Besuch - er soll nun doch kein Jesuit sein - seitdem Helene ihn erkannt haben will - sie nimmt ihre Verleumdung zurück - Rafflard soll ein Herz haben , das edelste ... ich finde ihn ergeben , gut aus Erschöpfung , böse zu sein ; aber nicht zuverlässig - sein Blick ist nicht offen - er sagte : Madame , der größte Herrscher ist der Schein des Dienens - Eine Reminiscenz , die er wol nicht selbst erdacht hat , aber gut befolgt . - Seine Absichten sind in Dunkel gehüllt - er war bei Hofe - er verkehrt mit Voland von der Hahnenfeder - er verbindet diesen Zauberer mit dem Propste Gelbsattel - er ist überall und nirgends - Rafflard will den Bund sprengen , der den Prinzen Egon von Hohenberg umstrickt hält - er fürchtet viel von einer Annäherung Egon ' s an jenen Rudhard ... eine Aussöhnung , die Helene noch nicht einmal erfahren hat , weil sie Rudhard haßt und Egon sie wahrscheinlich damit zu kränken fürchtet ... Louis Armand , Egon ' s böses Princip - Rafflard wird in Egon ' s Umgebung aufräumen und ihr den Alleinbesitz ihrer Liebe sichern ... sein dunkles Wühlen ... Pariser Aufträge ... Rafflard scheint mir fähig zu sein , die Rolle selbst eines Banditen ... Maccaroni à la Bechamelle ... sagte die Ludmer , aber wie in der Zerstreuung , so erschrak sie vor dieser Charakteristik des Herrn Sylvester Rafflard , der die Geheimräthin so interessirte , daß