später las irgendein Montagnard in der Nationalversammlung die Zeilen vor , die Frau von Bischofswerder an ihren Gemahl ins Feldlager gerichtet hatte . Der entschieden lyrische Grundton dieses Briefes erweckte die Heiterkeit der Versammlung . Das war in den ersten Jahren . Aber die Intimität blieb . Ein Sohn und drei Töchter wurden aus dieser zweiten Ehe geboren , so daß damals im Marquardter Herrenhause alle Arten von Stiefgeschwistern anzutreffen waren : Kinder aus der ersten Ehe des Herrn von Bischofswerder , Kinder aus der ersten Ehe der Frau von Bischofswerder ( mit dem Grafen Pinto ) und Kinder aus der zweiten Ehe beider . Die gräflich Pintoschen Kinder scheinen übrigens nur ausnahmsweise in Marquardt gewesen zu sein , während die Bischofswerderschen Kinder aus seiner ersten Ehe mit dem Fräulein von Wilke bis zuletzt die freundlichsten Beziehungen zum Marquardter Herrenhause unterhielten . 33 1803 starb der General . Wir haben seine Beisetzung geschildert . Seine Ehe , wie schon hervorgehoben , war eine glückliche gewesen und die Wahrnehmung , daß auch ein allmächtiger Minister irgendwo die Grenzen seiner Allmacht finden müsse , hatte weder seinen Frieden noch seine Heiterkeit getrübt . Die » Gräfin « , eine Benennung , die ihr vielfach blieb , hatte ihr Leben nach dem Satze eingerichtet , daß » wer der herrschefähigste sei , auch die Herrschaft zu führen habe « , und dies scheint uns der Ort , ehe wir in der Vorführung biographischen Materials fortfahren , eine Charakterschilderung der Frau einzuschalten . Ihren Mann , trotz all ihrer Herrschsucht , liebte sie wirklich und noch in den letzten Lebensjahren pflegte sie halb scherzhaft zu sagen : » Wenn ich im Himmel meinem ersten Mann begegnen werde , so weiß ich nicht , wie er mich begrüßen wird , aber vor meinem Bischofswerder ist mir nicht bange . « Die » Gräfin « , auch wenn uns nichts Zuverlässigeres vorläge , als das Urteil ihrer Neider und Tadler , war jedenfalls eine » distinguierte « Frau . Es mußte seinen Grund haben , daß zwei Günstlinge sich um ihre Gunst bewarben . Ein Enkel von ihr mochte mit Fug und Recht schreiben : » Die in meinen Händen befindlichen Papiere , leider nur Bruchstücke , geben ganz neue Aufschlüsse . Reichen sie auch zu einer klaren geschichtlichen Darstellung nicht aus , so haben sie mir doch einen genügenden Anhalt geboten , die für Preußens Größe begeisterte , die kühnsten Wünsche und Pläne hegende Frau verstehen zu lernen und die Bitterkeit zu begreifen , als sie mehr und mehr einsah , daß nicht die Macht der Verhältnisse , sondern die Schwäche der Menschen alles vereitelte und häufig in das Gegenteil verkehrte . « Wir haben nicht selbst Einblick in die Papiere , die hier erwähnt werden , nehmen dürfen , aber nach allem , was uns sonst vorliegt , sind wir geneigt , diese Schilderung für richtig zu halten . Sie war keine liebenswürdige , aber eine bedeutende Frau , ein ausgesprochener Charakter . In den zahlreichen mehr oder weniger libellartigen Schriften jener Zeit , wie auch im Gedächtnis der Marquardter Dorfbewohner , von denen sie noch viele gekannt haben , lebt sie allerdings nur in zwei Eigenschaften fort , als habsüchtig-geizig und bigott-katholisch . In den mehrfach schon zitierten » Vertrauten Briefen « finden wir zunächst : » Herrn von Bischofswerders Ehehälfte läßt sich jedes gnädige Lächeln mit Gold aufwiegen « und an anderer Stelle heißt es : » Die in Südpreußen veranstalteten Güterverschleuderungen waren ihr Werk , indem sie ihrem Manne beständig sagte : Sie werden wie ein Bettler sterben , wenn Sie nicht noch die letzten Tage des Königs benutzen , um etwas für Ihre Familie zu tun . « Das Fundament dieser Habsucht war mutmaßlich mehr Ehrgeiz als irgend etwas andres . Sie wußte : » Besitz ist Macht « und die Jahre , so scheint es , steigerten diese Anschauung eher , als daß sie sie mäßigten . Ein Mann , der sie in ihren alten Tagen kannte , schreibt : » Sie war herb und hart , ertragbar nur im Verkehr mit kleinen Leuten und ausgiebig nur in Auflegung von Schminke . « Ihr Katholizismus war von der ausgesprochensten Art , aber die Art , wie sie ihn übte , die Entschiedenheit im Bekenntnis auf der einen Seite und andererseits wieder in Toleranz gegen alle diejenigen , die nun mal auf anderem Boden standen , gereichte ihr zu hoher Ehre . Ignaz Feßler , früher Mönch , der zum Protestantismus übergetreten war , kam 1796 nach Berlin und – an Bischofswerder empfohlen – auch nach Marquardt . » Bischofswerder wollte mir wohl « , so schreibt er , » aber alles scheiterte an der Frau . Sie sah in mir nichts als den Abtrünnigen von der römischen Kirche . Sie beherrschte ihren Gemahl vollständig , und um des lieben Hausfriedens willen durfte er mich nicht mehr sehen . « Diese Strenge zeigte sie aber nur dem Konvertiten . In Marquardt griff sie nie störend oder eigenmächtig in das protestantische Leben in der Gemeinde ein , hatte vielmehr eine Freude daran , die evangelische Kirche des Dorfes mit allem Kirchengerät und Kirchenschmuck , mit Altardecke und Abendmahlskelch zu beschenken . Wir kehren nach diesem Versuch einer Charakterschilderung in das Jahr 1803 zurück . Ihren Gemahl hatte sie vollständig beherrscht ; aber wenn sie nach der Seite des Herrschens hin , bis zum Tode Bischofswerders , des Guten zu viel getan haben mochte , so begannen doch nun alsbald die Jahre , wo die » Gewohnheit des Herrschens « zu einem Segen wurde . Dieser Zeitpunkt trat namentlich ein , als die Franzosen ins Land kamen und auch die Havelgegenden überschwemmten . Der » Gräfin « Klugheit führte alles glücklich durch . Sie wußte , wo ein Riegel vorzuschieben war , aber sie ließ auch gewähren . Eine rätselvolle Geschichte ereignete sich in jenen Jahren Französische Chasseurs zechten im Saal ; einer stieg in der Keller hinab , um eine Kanne