nichts zu wünschen übrig lassen und der jungen Frau von Arten die Möglichkeit gewähren sollte , ihrem Stande gemäß in den Kreisen aufzutreten , in denen zu leben sie fortan bestimmt war . Während er Kleiderstoffe und Spitzen , Shawls und Mäntel , Federn und Blumen , Fächer und Handschuhe auswählte und mit fast weiblicher Sorgfalt in die Schränke räumte , sah er mit vorgenießender Freude die Geliebte schon damit bekleidet ; und weil er eben daran dachte , beschloß er , noch an diesem Tage sich um den Familienschmuck , den der Freiherr nach Vittoria ' s Angabe bei dem Ausbruche der Freiheitskriege in der königlichen Hauptbank niedergelegt haben sollte , erkundigen zu gehen . Den Niederlegungsschein hatten die Frauen in Richten nicht auffinden können ; es mußte aber in der Bank wohl zu ermitteln sein , wann der Schmuck übergeben worden war , und Renatus machte sich also dorthin auf den Weg . Die Bankbeamten nahmen die Anfrage des Offiziers , des Mannes mit altem Namen , sehr zuvorkommend auf ; man fand auch den Niederlegungstag , wie es sich gebührte , genau verzeichnet , aber der Rücklieferungsschein lag daneben , und er ergab , daß auf des Freiherrn eigene handschriftliche Anordnung der Schmuck nach Jahresfrist dem Hofjuwelier des Königs Behufs einer Umfassung ausgehändigt worden war . Das war kurz vor dem Tode des Freiherrn gewesen , und sorglos , wie Vittoria in allen solchen Dingen sich erwies , schien es nicht unmöglich , wenn schon es auffallend gewesen wäre , daß die Diamanten sich noch in dem Gewahrsam des Juweliers befinden konnten . Indeß diese Erwartung zeigte sich als trügerisch . Der Juwelier hatte die Brillanten im Auftrage des Freiherrn verkauft ; die Berechnung darüber war vorhanden , eben so die Quittung des Bankhauses , an welches man den Erlös nach des Freiherrn Bestimmung ausgezahlt hatte . Der reiche Arten ' sche Familienschmuck , dieses Erbe , an welchem man von Geschlecht zu Geschlecht gesammelt hatte , war dahin , und Renatus durfte sich nicht einmal mit dem Gedanken trösten , daß es , wie so mancher andere Schmuck , für die Befreiung seines Vaterlandes hingegeben worden war . Es war ihm lieb , daß sein Dienst ihn an diesem Tage ganz in Anspruch nahm ; er mochte an den Schmuck nicht denken , und es blieb ja auch nichts übrig , als sich die Angelegenheit aus dem Sinne zu schlagen . Er freute sich nur , daß er für Cäcilie die Saphire schon gekauft hatte , er würde sonst vielleicht des Muthes dazu ermangelt haben , und ganz ohne Schmuck durfte seine junge Frau in der Gesellschaft auch nicht auftreten , wenngleich in diesen Zeiten sich gar Viele solcher Zier aus Vaterlandsliebe entäußert hatten . Mit jedem Tage , den Renatus vorwärts ging , befestigte sich jetzt seine Zuversicht , daß Alles sich nothwendig zum Besten wenden werde , und in der That nahten auch die Verhandlungen über den Verkauf der Güter sich einem günstigen Abschlusse . Es war noch in der ersten Hälfte des September gewesen , als Paul von der einen Seite und Steinert von der anderen nach der Provinzial-Hauptstadt kommend , in dem einstigen Flies ' schen Hause eingetroffen waren , das der Baurath Herbert an sich gebracht hatte , als Herr Flies nach der Residenz gezogen war . Von Hause aus vermögend und durch Eva ' s väterliches Erbe unterstützt , wie durch ihre Sparsamkeit und Tüchtigkeit gefördert , war Herbert von den Zeitereignissen verhältnißmäßig weniger als die beiden anderen Männer in seinen Umständen bedroht und beeinträchtigt worden . Auch die Feldzüge hatte er nicht mitgemacht . Ein unglücklicher Fall , den er bei Besichtigung eines Baues einst gethan , hatte ihm einen Armbruch und in dessen Folge eine Schwäche des rechten Armes zugezogen , die ihn zwar in seiner Thätigkeit nicht behinderte , es ihm aber doch unmöglich gemacht haben würde , die Waffen zu tragen . Er und seine Eva hatten sich also seit ihrer Verheirathung nicht viel getrennt , und wenn die fünfzigjährige Frau den Titel und das Ansehen ihres Mannes auch sehr wohl zu tragen wußte , so war ihr von der frischen Fröhlichkeit des Landmädchens doch noch genug geblieben , um es Jedem wohl und behaglich werden zu lassen , der unter ihrem Dache weilte . Jetzt besonders , wo ihr Aeltester , der , wie ihres Bruders Sohn , kaum dem Knabenalter entwachsen , in das Feld gezogen , nun endlich wieder in die Heimath zurückgekehrt war und wo sie Adam und Tremann zu Gästen hatte , war sie recht in ihrem Elemente . Die schönen Augen blickten hell aus den weißen Spitzen ihrer neuen Haube hervor , die breiten rosa Bindebänder umgaben das rundeste Kinn ; und die Grübchen in den freilich etwas zu stark gewordenen Wangen blieben den ganzen Tag sichtbar , weil die glückliche Hausfrau aus dem still zufriedenen Lächeln nicht herauskam . Jeder sollte es ganz nach seinen Bedürfnissen und Wünschen bei ihr haben . Der Bruder mußte seine Leibgerichte auf dem Tische finden , der Sohn sollte es merken , daß es , wie schön es in Frankreich , in Berlin und in all den großen Städten und schönen Gegenden auch gewesen sein mochte , doch im Vaterhause stets am besten sei ; und daneben wollte Eva es dem Herrn Tremann auch beweisen , daß man in der Provinz ebenfalls zu leben wisse . Die beiden Töchter , von denen die ältere auf Eva ' s ausdrückliches Verlangen den Namen Angelika erhalten hatte und von der man in der Familie immer behauptete , sie sehe der verstorbenen Baronin ähnlich , weil Eva vor der Geburt dieses Kindes immer und immer daran gedacht hatte , daß dieses zweite Kind , wenn es ein Mädchen sei , den Namen der Baronin führen solle , welche einst Eva ' s und Herbert ' s Hände in einander gelegt hatte - die beiden Töchter gingen in stiller Geschäftigkeit die Treppe hinauf und hinab . Sie