Partei ... Laß sie ! Laß sie ! Das freut , das ermuthigt mich . Siehst du ! Ich thue in der That nichts , gar nichts , was diesen Vorwurf verdiente und man kann von einer intelligenten Frau nichts Schmeichelhafteres sagen , als daß sie intriguire , während sie doch nichts thut . Ihre Intelligenz ist schon Intrigue ! Null , Null soll man sein , ja noch unter Null und zu Weihnachten nur für den Frauenverein sticken oder eine Boutike halten . Das ist Alles . Nichts thut , Beste ? sagte die Ludmer und nahm eine Prise . Ist nicht auch Werdeck wieder zum Dienstag eingeladen ? Bist du nicht in offener Ausstellung auf dem Kunstverein in Ekstase gerathen über das Bild seiner Frau , und hast diese Person wieder an dich gezogen , trotzdem , daß sie Jedermann flieht und du seit ihrer Spionage in Bielau ihr mistraust ... Wie kommst du auf diese Zufälligkeit ? In Bielau ? Spionage ? warf die Geheimräthin ein . Welches Interesse könnte diese Frau , die aus Polen stammt und in mir ganz fremden Verhältnissen aufwuchs , veranlassen , sich um unsere Vergangenheit zu bekümmern ? Kind ! Du weißt nicht , wie sie dich Alle umschleichen und belauschen ! Daß zum Dienstag die Trompetta , die Flottwitz , Niemand vom Bundesrath gebeten ist , gibt sogleich Gerede . Bist du nicht ein Herz und eine Seele mit der d ' Azimont , die die zweifelhaften politischen Gesinnungen des Fürsten Egon beherrscht und was ist alles Das gegen ... deine neueste Grille ... Pauline lachte mit der Überlegung eines starken Geistes über einen schwächeren . Du sprichst , sagte sie , von meinem Ankauf eines gelesenen Journals ! Wer allein nennt Das Grille , als eine Natur wie die deinige , die sich um öffentliche Dinge nicht kümmert ! Ich dächte , wir hätten an unsern geheimen genug - sagte die Ludmer scharf und sah auf ihr Papier , während sie den Bleistift probirte und aus einem Futteral , das neben ihr lag , eine Brille zog , die keine Bügelbrille , sondern aus alter Gewohnheit ein einfacher sogenannter Nasenquetscher war . Pauline schwieg eine Weile und kam dann durch eine leicht erklärliche Ideenassociation auf Heinrichson . Wie selten sich seit einiger Zeit Heinrichson macht ! sagte sie seufzend . Deine Schuld , gutes Kind ! antwortete die Ludmer jetzt durch die Brille näselnd . Wie konntest du in dem Grade jugendliche Leidenschaften verrathen , daß du mit ihm eine Scene spieltest , als das abscheuliche Ding , die Auguste , ihn in unsern Zimmern wie rasend anfiel ? Pauline schwieg eine Weile und stützte das Haupt auf . Ich hatte mein Alter vergessen ! sagte sie seufzend . Sonst , wenn ich entdeckte , daß meine Freunde treulos waren und nicht Farbe hielten , hob ich Dolche empor . Wo sind diese Zeiten hin ! Heinrichson ist doch aufmerksam und weiß , was du ihm bist und wie du ihm nützest . Aber mit ihm zu boudiren ... Um eine Leda ! Du hast es nun ! Er nahm die Scene für Affectation und kommt seltener . Diese Männer wie Heinrichson fürchten sich vor Scenen . Doch ist er ja wärmer , zärtlicher , als sonst ... Franz ... hat ganz Recht - Franz ! Lässest du nie dies Spioniren , Charlotte ! Franz sieht , was er merkt , was wir gesehen wünschen . Die Visiten Heinrichson ' s bei der d ' Azimont kann Keiner erfinden ! Verleumdung ! Heinrichson arbeitet an ihren Erinnerungsblättern . Soll ich mich vor Helenen fürchten ? Dann wäre Treue und Glauben aus der Welt gewichen . Schwelgt sie nicht in dem Entzücken ihrer endlichen Aussöhnung mit Egon ! Sie lag heute weinend an meiner Brust ! Diese Freudenthränen ! Dieser Herzensjubel ! Die Glückliche ! Ah ! setzte sie nach einigen Augenblicken hinzu , ich will meine Tagebuch-Notizen machen . Und ich den Speisezettel für Dienstag , ergänzte die Ludmer trocken und schüttelte den Kopf und behielt die Gedanken , von denen sie sah , daß sie keinen Anklang fänden , für sich . Sonnabend den 20. September , sagte Pauline halblaut und schrieb seufzend Notizen auf , die sie theils wiederholte , theils nur flüsternd für sich hinsprach ... Elf Uhr ... Besuch Helenen ' s. Glücklich und entzückt ... Rückfahrt von Solitüde ... Überraschung ... Dunkelheit ... Kindliche Hingebung ... Die Ludmer sprach aber auch gern etwas laut , wenn sie dachte , und schrieb nachdenklich , als wenn ein Feldherr seinen Operationsplan gegen einen gerüsteten und kriegskundigen Gegner entwirft , über das bevorstehende große Dienstagsdiner folgende Ideen nieder : Pürée von weißen Rüben mit Filets von Enten und Parmesan-Croutons ... Egon ' s Eindruck bei Hofe - fuhr wieder ihrerseits Pauline fort ... Mein Lächeln fällt Helenen auf - Ich lächle über mich - Warum ? - Weil ich mir manchmal wie die Sibylle vorkomme , die in einer Höhle sitzt und die Menschen in ihrem Wahne sich durchkreuzen sieht , während ich im Buche ihrer Schicksale lese - Spanische Pasteten von Rebhühnern , sagte die Ludmer und fügte still für sich , aber mit Nachdruck hinzu , von Rebhühnern en Salbicon - Wüßten alle Menschen , was ich weiß - wüßten sie , wie ich auf meinem Dreifuß sitze , der Priesterin von Delphi gleich - ich lächle und warte meine Zeit ab - Die Ludmer in der Hoffnung , den Pflegling ihrer Liebe von diesen quälenden Träumereien und Tagebuchsschmerzen abzubringen , flüsterte : Rinderbrust , glacé , mit Chalotten ... Helene fürchtet für die Zukunft ... ließ sich Pauline nicht irre machen ... trotzdem daß sie den Augenblick besitzt . Egon will die politische Carrière beginnen . Nichts ist den Frauen gefährlicher als der Ehrgeiz der Männer . Ein Mann , der den Ruhm liebt , opfert ihm gewöhnlich zuerst sich selbst und dann auch Alle , die ihn lieben . Helene fürchtet die Umgebungen