, Wohlwollen , Verständigkeit und selbst Offenheit darin aussprechen . Ein Mann , wie Bischofswerder gewöhnlich geschildert zu werden pflegt , hätte eher eine Fluchtreise nach Berlin oder nach Marquardt gemacht , als daß er sich dazu verstanden hätte , sich einen langen Aufsatz über die Neuorganisation des Generalstabes an zwei Abenden vorlesen zu lassen . In dieser einen Tatsache liegt ausgesprochen , daß er ein fleißiger , gewissenhafter , geistigen Dingen sehr wohl zugeneigter Mann war . 32 Wir haben diese Zitate gegeben , um unsere Ansicht über den gesunden Sinn Bischofswerders , über seine Urteilskraft und seine politische Befähigung zu unterstützen ; es bleibt uns noch die wichtige Frage zur Erwägung übrig : war er ein Rosenkreuzerischer Scharlatan ? Was wir zu sagen haben , ist das Folgende : Ein Rosenkreuzer war er gewiß , ein Scharlatan war er nicht . Er glaubte eben an diese Dinge . Daß er , wie bei Aufführung einer Shakespeareschen Tragödie , mit allerhand Theaterapparat Geister zitierte , eine Sache , die zugegeben werden muß , scheint dagegen zu sprechen . Aber es scheint nur . Diese Gegensätze , so meinen wir , vertragen sich sehr wohl miteinander . Es ist bei Beurteilung dieser Dinge durchaus nötig , sich in das Wesen des vorigen Jahrhunderts , insonderheit des letzten Viertels , zurückzuversetzen . Die Welt hatte vielfach die Aufklärung satt . Man sehnte sich wieder nach dem Dunkel , dem Rätselhaften , dem Wunder . In diese Zeit fiel von Bischofswerders Jugend . Wenn man die Berichte über Schrepfer liest , so muß jeder Unbefangene den Eindruck haben : Bischofswerder glaubte daran . Selbst als Schrepfer zu einer höchst fragwürdigen Gestalt geworden war , blieb von Bischofswerder unerschüttert ; er unterschied Person und Sache . Es ist , nach allem , was wir von ihm wissen , für uns feststehend , daß er an das Hereinragen einer überirdischen Welt in die irdische so aufrichtig glaubte , wie nur jemals von irgend jemandem daran geglaubt worden ist . Der gelegentliche Zweifel , ja , was mehr sagen will , das gelegentliche Spielen mit der Sache ändert daran nichts . Wenn irgendwer , groß oder klein , gebildet oder ungebildet , mit umgeschlagenem weißen Laken den Geist spielt und auf dem dritten Hausboden unerwartet einem andern » Gespenst « begegnet , so sind wir sicher , daß ihm in seiner » Geistähnlichkeit « sehr bange werden wird . Ein solches Spiel , weitab davon , ein Beweis freigeistigen Drüberstehens zu sein , schiebt sich nur wie ein gewagtes Intermezzo in die allgemeine mystische Lebensanschauung ein . So war es mit Bischofswerder . Was ihn bewog , den Aberglauben , dem er dienstbar war , sich je zuweilen auch dienstbar zu machen , wird mutmaßlich unaufgeklärt bleiben ; ein von Parteistreit unverwirrter Einblick in sein Leben spricht aber entschieden dafür , daß es nicht zu selbstischen Zwecken geschah . Und das ist der Punkt , auf den es ankommt , wo sich Ehre und Unehre scheiden . Der Umstand , daß die ganze Familie , weit über die letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts hinaus , in dieser Empfindungswelt beharrte , ist bei Beurteilung der ganzen Frage nicht zu übersehen und mag allerdings als ein weiterer Beweis dafür dienen , daß hier seit lange ein Etwas im Blute lag , das einer mystisch-spiritualistischen Anschauung günstig war . Wir kommen in der Folge darauf zurück und wenden uns zunächst einem neuen Abschnitt des Marquardter Lebens zu . Marquardt von 1803 bis 1833 Marquardt von 1803 bis 1833 Frau von Bischofswerder , geborene von Tarrach , verwitwete Gräfin Pinto Beim Tode Bischofswerders war sein Sohn und Erbe erst acht Jahre alt ; es trat also eine Vormundschaft ein . Diese Vormundschaft führte die Mutter und blieb , weit über die Minorennitätsjahre ihres Sohnes hinaus ( den der Dienst in Berlin und Potsdam fesselte ) , nicht de jure aber doch de facto , die Regentin von Marquardt bis zu ihrem Tode . Auf diese dreißig Jahre richten wir jetzt unsere Aufmerksamkeit . Zunächst auf die Dame selbst . Frau Generalin von Bischofswerder war eine geborene von Tarrach . Ihr Vater war der Geheime Finanzrat von Tarrach zu Tilsit , dessen Kinder es alle zu hohen Stellungen in Staat und Gesellschaft brachten . Sein Sohn war in den zwanziger Jahren preußischer Gesandter in Stockholm , eine jüngere Tochter vermählte sich mit dem Marquis von Lucchesini , die älteste , Wilhelmine Katharine , wurde die Frau des Günstling-Generals und Ministers von Bischofswerder . Aber sie wurde es erst in zweiter Ehe . Ihre erste Ehe schloß sie mit dem Grafen Ignaz Pinto , den Friedrich der Große um 1770 aus sardinischen Diensten nach Preußen berufen , zum Flügeladjutanten gemacht und zum Mitbegründer des unter ihm gebildeten Generalstabes , zum Generalfeldbaumeister , zum Maréchal de logis de l ' armée und zum Generaladjutanten ernannt hatte . Gleichzeitig hatte er ihm verschiedene Güter in Schlesien , darunter Mettkau im Neumarkter Kreise , sowie das Inkolat als schlesischen Grafen verliehen . Man sieht , es war dem Fräulein von Tarrach das seltene Glück beschieden , den Günstlingen zweier Könige die Hand reichen zu können . Graf Pinto starb 1788 . Seine Witwe , die Gräfin , war damals einunddreißig Jahre alt . Sie trat sehr bald zu Bischofswerder , der etwa um eben diese Zeit Witwer geworden war , in nähere Beziehungen , und klug und schön wie sie war , ( sie » schoß « ein wenig mit den Augen , und die medisierenden Hofleute sagten : elle est belle , mais ses yeux » ne marchent pas bien « ) , nahm das Verhältnis einen wirklichen Zärtlichkeitston an , der , wenigstens damals , zwischen Leuten von Welt zu den Ausnahmen zählte . Es scheint , dieser Ton überdauerte selbst die Flitterwochen , die sehr wahrscheinlich in den Sommer 1789 oder 1790 fielen . 1792 während des Champagne-Feldzuges wurde von französischen Truppen eine eben eingetroffene preußische Feldpost erbeutet und acht Tage