verbergen haben , äußerst scharf ; was konnte also für des jungen Freiherrn Familie aus einem Zusammenhange mit diesem Manne Heilsames erwachsen ? Den Schutz und Einfluß des Grafen irgendwie in Anspruch nehmen zu wollen , war sein Neffe weit entfernt ; er sah auch nicht ab , daß er jetzt noch in die Lage kommen könne , desselben zu bedürfen . Seine Vermögensverhältnisse ordnete er in der durchgreifendsten Weise selbst , mit dem Kommandeur seines Regimentes hatte er immer auf das beste gestanden , und er hatte gleich bei dem ersten Besuche von demselben erfahren , daß wirklich eine große Anzahl von Dienstentlassungen und von Abschiedsgesuchen im Werke , also für das Heraufrücken der jüngeren Offiziere die günstigsten Aussichten vorhanden seien . Wozu konnte ihm der Oheim denn auch nützen ? Ihn , der Cäcilie nicht freundlich , der Vittoria feindlich gesinnt war , der von der inneren Familiengeschichte des Arten ' schen Hauses weit mehr als gut war wußte , nicht in seiner Familie aufnehmen zu dürfen , dünkte den Freiherrn ein wesentlicher Vortheil zu sein . Wendete Hildegard sich von der Schwester ab , schloß die Mutter sich mehr an die ihr bleibende , als an die verheirathete Tochter an , so waren das Dinge , die eben nicht zu ändern waren , und auf einen recht verträglichen Verkehr zwischen Vittoria und jenen beiden Frauen hatte Renatus sich ohnehin nicht Rechnung machen dürfen . Es war also am besten , wie es sich eben gefügt hatte , und er konnte , nachdem der Einzug seines Regimentes vorüber war , gleich an seine wichtigsten Geschäfte , an die Vorkehrungen für seine Verheirathung gehen . Man hatte die Hochzeit , um nicht in zu später Jahreszeit reisen zu müssen , auf die ersten Tage des Oktober verlegt ; Renatus hatte also für seine Besorgungen keinen weiten Spielraum vor sich . Er war froh , als er in einer ihm passenden Gegend eine Wohnung gefunden hatte , welche ihm die nöthigen Bequemlichkeiten für alle Betheiligten neben jenen größeren Räumen darbot , deren man für eine schickliche Geselligkeit bedurfte . Nur für Valerio wollte sich , wenn man ihm , wie seine Mutter es gewünscht hatte , einen Erzieher annahm , kein rechtes Unterkommen in dem Hause finden , und wie jeder , der an neue Verhältnisse herangeht , nach dem alten Sprüchworte oft gezwungen ist , aus der Noth eine Tugend zu machen , ließ Renatus sich von dem ihm nahe befreundeten Adjutanten seines Regiments-Chefs , mit dem er gelegentlich von seinen Planen , von seiner Einrichtung und von seinen kleinen Verlegenheiten sprach , dahin überreden , daß es für den durch mütterliche Schwäche in jedem Betrachte verwöhnten Knaben fraglos das Angemessenste sein würde , ihn von Hause zu entfernen , und daß Renatus also mit seiner ursprünglichen Idee , ihn einer öffentlichen Erziehungs-Anstalt zu übergeben , das Richtige für ihn getroffen habe . Die Kadettenhäuser waren nach den Kriegen in ihren Einrichtungen wesentlich verbessert worden ; Valerio zu einem Studium zu überreden , welches ihn für den bürgerlichen Staatsdienst geschickt machen konnte , hielt Renatus bei der Art des Knaben nicht für angebracht , und da es in einer neuen , jungen Ehe in keinem Falle bequem war , einen solchen frühreifen Burschen zum täglichen Gesellschafter zu haben , machte Renatus seine Stiefmutter und den Knaben mit seiner Absicht bekannt , ihn in eine der militärischen Erziehungs-Anstalten zu bringen , um ihn sein Heil einmal im Heere , dieser Zufluchtsstätte adeliger Mittellosigkeit und jüngerer Brüder , versuchen zu lassen . Mitten in diesen Vorkehrungen kamen denn allmählich auch die großen Wagen voll Hausrath und voll Möbeln an , welche Renatus , um der neuen Wirthschaft und dem neuen Hause das alte , würdige Gepräge zu geben , von dem Schlosse nach der Stadt kommen ließ . Renatus wollte die großen Spiegel , sofern sie sich in die kleineren Zimmer des städtischen Hauses einfügen ließen , er wollte die schönen Möbel und Geräthschaften , die guten , alten niederländischen Landschaften , die italienischen Statuetten und vor Allem die Bilder seiner Eltern und Großeltern nicht entbehren ; er wollte die alten werthen Erinnerungen mit sich in die neue Lebenslage hinübernehmen . Er hing an diesen Gegenständen , er hatte zudem auch in dem Palaste der Herzogin erfahren , wie wohlthuend das Althergebrachte in der Ausstattung eines Hauses wirke , und mochte der neu erworbene Reichthum der emporgekommenen bürgerlichen Gesellschaft ihr auch jede Art von Luxus zugänglich machen , gegen die Würdigkeit einer solchen überkommenen Einrichtung erschien alles kalt , was der Tapezierer und die Magazine an Neuigkeiten liefern konnten . Mit wachsendem Behagen sah er aus den leeren Räumen , die er gemiethet hatte , allmählich die schöne Wohnung entstehen , in welcher es ihm mit der Geliebten wohl werden sollte , und es fügte sich eigen , daß er eben an dem Tage , an welchem er die letzten Schränke in die Zimmer seiner zukünftigen Frau stellen ließ , einen Brief Cäciliens erhielt , in welchem sie ihm erzählte , daß sie gestern , wo man zu einer größeren Gesellschaft in die Nachbarschaft gefahren sei , zum ersten Male den Schmuck habe anlegen wollen , den er ihr gesendet . Er sei jedoch für alle ihre Kleidungsstücke viel zu prächtig gewesen , und sie habe sich also das Vergnügen vorläufig versagen müssen . Daran hatte der Bräutigam allerdings nicht gedacht ; indeß nun er darauf , wenn auch sicher absichtslos , hingewiesen wurde , mußte dem Mangel nothwendig abgeholfen werden . Renatus hatte sich es ohnedies von der Gräfin erbeten , für Cäcilie die ganze Ausstattung besorgen zu dürfen , damit der älteren Schwester nichts von dem , was ihr bestimmt gewesen sei , entzogen werde . Die verhältnißmäßige Dürftigkeit Cäciliens rührte den Liebenden deßhalb nur noch mehr , und da die leeren Schiebladen und Schränke nach einem Inhalte förmlich zu verlangen schienen , machte er sich ein Fest daraus , sie in einer Weise anzufüllen , welche der Geliebten