zu setzen . Verdien ' ich Ihr Vertrauen nicht ? hatte er sagen und sein ganzes Gefühl ausströmen wollen ... O , ich ahne es , Sie werden sich mit Ihrem Gatten verständigen ! Ihr liebliches Kind wird Sie beide verbinden ! Die Hoffnung meines Lebens ist dahin ! ... Nie hatte er so zu Monika gesprochen ... Sollte er es heute wagen ? ... Heute ? ... In den Stimmungen , die ihn seit einigen Tagen erfüllten ! ... In diesen aufgeweckten Erinnerungen , in den quälendsten seines Lebens ? ... In Ahnungen , Schreckensaussichten , die ihm plötzlich gekommen waren bei Nennung des Namens - Bosbeck ? Bei Erwähnung jener beiden Knaben , die Hubertus einst aus dem Feuer rettete ? Erzählen wir von Wenzel von Terschka die Wahrheit . 1798 war er geboren und in der That ein Böhme und in der That vom Adel , wenn auch vom ärmsten . Sein Vater , einer herabgekommenen Familie angehörend , diente zur Zeit der französischen Revolutionskriege im österreichischen Heere und stand bei Kinsky-Ulanen in jener Heerabtheilung , die anfangs unter Wurmser , später unter Erzherzog Karl gegen die französische Republik am Neckar , Rhein , an der Mosel mit abwechselndem Glücke focht . Seines Adels und Alters ungeachtet war seine Stellung nur gering . Er hatte Lieutenantsrang und bekleidete die Functionen eines Regimentsquartiermeisters . Ihm , der auf dem Marsche immer für die sichere Unterkunft der andern sorgen sollte , begegnete es , daß er bei einem Ueberfall selbst von seinem Regiment abgeschnitten und gefangen genommen wurde . Die französischen Armeen hatten sich damals in Nassau und bis nach Hessen hin festgesetzt , der Gefangene blieb am Rhein in der alten Stadt St.-Goar. Seine Lage war hart und zog sich in die Länge ... Es war die Zeit des Rastadter Gesandtenmords , der die Welt mit Entsetzen erfüllte - man fürchtete Rache an jedem gefangenen Oesterreicher ... Der Quartiermeister von Terschka war verheirathet . Seine Frau gehörte dem niedern Bürgerstande an . Ursprünglich war sie eine wohlhabende Bäckerswitwe in einer böhmischen Stadt , die in zweiter Ehe ihr Geschäft verpachtet hatte . Die wenig gebildete , kaum halbwegs deutsch sprechende Frau besaß reichlich die Mittel , um dem , wie sie zu ihrem Schrecken in Erfahrung brachte , gefangenen Gatten zu folgen , setzte sich auf die Post , reiste an den Rhein , kam in St.-Goar an , verfiel jedoch , kaum im Wirthshaus abgestiegen , vor Anstrengung und Aufregung in eine Krankheit , die ihr und beinahe auch einem Kinde , das sie unterm Herzen trug , das Leben kostete ... Obgleich sie schon in zwei Monaten Mutter werden mußte , hatte sie sich dennoch diese Reise zugetraut ... Sie erlitt eine Frühgeburt und sah ihren Gatten , der von der oberhalb der Stadt gelegenen Festung herbeieilte , nur wieder , um für dies Leben von ihm Abschied zu nehmen ... Die Wache , die ihn begleitet hatte , stand voll Rührung . Es war ein herzzerreißender Anblick ... Die schon an Jahren vorgerückte Frau erlag dem Opfer ihrer Liebe . Wenzel , wie die Nothtaufe das kaum athmende Kind nannte , war ein Siebenmonatkind . Daher die eigenthümliche Unfertigkeit und scheinbare Unreife in seinem ganzen Wesen ... Die Hebamme nahm das halbtodte Kind an sich , besorgte das Begräbniß der Mutter , der Vater schrieb um Mittel nach Böhmen ... Eine schmerzliche Zeit verging dem Gefangenen auf der Festung Rheinfels , die oberhalb des Städtchens St.-Goar liegt . Der Rastadter Gesandtenmord schien die Aussicht der Ranzionirung zu vereiteln und ließ eine Abführung ins Innere Frankreichs erwarten . Die aus Böhmen erhofften Gelder blieben aus . Der Krieg wüthete am Main und bedrohte sogar schon Thüringen ... Die Hebamme war keine besonders wohlwollende Frau . Sie hatte Noth mit dem schwer zu erhaltenden Kinde und drang auf eine Verpflegung bei andern Leuten , zu der dem Vater die Mittel fehlten ... Ein Mitgefangener hörte das Seufzen und die Klagen des unglücklichen Kriegers , hörte das Schreien seines Kindes , das man ihm zuweilen brachte , und schlug ihm durch die Wand , die ihn von seinem Nachbar trennte , eines Tages vor , das Kind an seine Frau zu übergeben , die heimlich unten im Orte wohne , selbst nur ein Kind hätte und einem zweiten gewiß bis auf weiteres eine treue Mutter sein würde ... Für die Heimlichkeit des Aufenthalts seiner Frau in dem Orte gab er Gründe an , die so stichhaltig schienen , daß der Tiefgebeugte kein Arg hatte ... Terschka bewegte sich freier , als der Mitgefangene , der kein erwiesener Verbrecher war , sondern nur wegen mangelnder Legitimation , doch streng gehütet , gefangen saß ... Die Noth und die Hoffnung auf baldige Ranzionirung bewogen Terschka ' s Vater , auf den Vorschlag einzugehen . Er erkundigte sich nach seinem Nachbar und nun erfuhr er freilich , daß es ein Mann war , den man für einen Gauner hielt . Es war ein Jude . Man vermuthete , daß sein angeblicher Name Sontheimer schwerlich sein rechter wäre , setzte aber hinzu , daß man sich auch irren könnte . Daß seine Frau im Orte lebte , wußte niemand und da Sontheimer zu dringend gebeten hatte , daß sie nicht genannt würde , schwieg der Kriegsgefangene und ließ sein kaum lebensfähiges Kind an den ihm von seinem Nachbar näher beschriebenen Ort , eine enge , dunkle Gasse dicht am Rhein , bringen ... Wie die Umstände waren , war das ein Glück für den Kriegsgefangenen , der durch eine so traurige Verkettung von Umständen um seine Freiheit , um sein Weib kam und noch obenein die Sorge um ein Kind vom Schicksal auferlegt erhielt ! ... Haus und Herd gab es damals für Tausende nicht mehr ... Mit den Armeen zugleich zogen die Bewohnerschaften zerstörter und geplünderter Ortschaften mit Weib und Kind und wo sich Waaren und Gelder hingeflüchtet hatten , da lauerte die Nachstellung und der Ueberfall jener Verbrecherbanden , die