hier fort . . . . ” Mama las Agathe den Brief vor und sah sie liebevoll an . Ein mattes Lächeln blieb auf den abgezehrten , scharf und schmal gewordenen Zügen der Kranken . — — Nun hatte sie auch diese Prüfung bestanden . . . Sie fühlte sich stark in aller Schwäche — sie hatte seinen Namen gehört und nach dem ersten Augenblick , in dem es ihr gewesen war , als sinke sie mit ihrem Lager hinab in ein dunkles kaltes Wasser , war sie ruhig geblieben . Gott sei Dank — kein Neid und kein Haß auf die Daniel war mehr in ihr — und auch keine Hoffnung und kein Wunsch . Wie das gut that . Auch das Glück war doch im Grunde Schmerz gewesen . Ob sie noch viel leiden würde ? So leicht konnte das Sterben doch nicht sein ? Sie mußte jetzt oft darüber nachdenken , besonders in der Nacht , wenn sie stundenlang nicht schlief . Es mußten noch Kämpfe kommen . Sie wollte mutig sein . Nach den heftigen Anfällen , die sie niedergeworfen hatten , war der Husten fast verschwunden . Aber in einer Nacht , als Mama ihr zu trinken gab , weil der Mund ihr sehr trocken war , fiel er sie plötzlich wieder an . Sie setzte sich aufrecht . Ach , war das ein Schrecken . Keuchend rang sie mit dem Feinde , der sie schüttelte und ihr die Brust schmerzlich zerriß . Die Luft ging pfeifend durch ihren Hals — sie schlug mit den Armen um sich in der Erstickungsnot — ihre Mutter hielt sie aufrecht und wischte ihr , tief seufzend , die vom kalten Schweiß genäßte Stirn . Der Regierungsrat kam , eilig und flüchtig bekleidet , aus dem Nebenzimmer . “ Mein Kind — mein Kind — was ist denn nur geschehen ? ” “ Laßt mich doch sterben , ” keuchte Agathe . “ Laßt mich doch sterben — es ist ja bald vorüber . O Gott ! O mein Gott ! ” Jetzt hielt der Vater sie , die Mutter sank vor dem Bett auf die Knie , faßte ihre Hände und küßte sie mit lautem , leidenschaftlichem Schluchzen . “ Nein — nein ” — ächzte sie dabei , “ Du darfst nicht — Du darfst nicht sterben . Das wirst Du uns doch nicht anthun — das kann doch der liebe Gott nicht geschehen lassen . . . . ” Und als sei es ihr möglich , dem Tode zu trotzen , wenn sie nur wollte , flehte nun auch ihr Vater , vor Angst aller Vernunft beraubt , sie an , bei ihnen zu bleiben . “ . . . Wir haben Dich ja so lieb — Du weißt es ja gar nicht — alles — alles wollen wir Dir zuliebe thun . . . . Werde doch nur wieder gesund — mein süßes Kind — wie sollen wir denn nur leben . . . Wir können Dich ja nicht entbehren . . . . ” — Nein — sie hatte es nicht gewußt — hatte den wilden Schmerz , die stürmische Zärtlichkeit nicht vorausgesehen . Das war ein Kampf — ein entsetzlicher , der ihr die Seele zerriß , während die Brust nach Atem rang . Sie glaubte , es müsse wieder ein Blutstrom quillen und ihre Qual enden . Aber es löste sich nur ein zäher Schleim , und dann beruhigte sich der Anfall . Sie war seelisch tief erregt , und von dem Schweiß der Schwäche übergossen , mit strömenden Thränen bat sie Papa und Mama , ihr den Abschied nicht so schwer zu machen — sie möchte ja so gerne sterben , und es wäre ja gut so . Und sie hätten ja doch noch Walter und Eugenie , Eugenie würde ihnen auch eine gute Tochter sein . Endlich schlief sie sitzend , die Arme um ihres Vaters Hals geschlungen , den Kopf an seine Schulter gelehnt , vor Erschöpfung ein . Und er hielt sie so , wohl eine Stunde lang . Als sie aufwachte , sah sie aus verworrenen Träumen beim Schein des Nachtlichtes noch immer die beiden Gesichter angstvoll und mit verzweifelter Liebe auf sich gerichtet . Traurig lächelnd legte sie sich auf die Kissen zurück und ließ sich betten und zudecken . Nein — sie durfte nicht sterben — sie mußte schon leben wollen . Heimlich meinte sie : wenn sie es auch versuchte , Gott würde ihr Opfer verstehen und würde wohl Einsehen haben . Der alte Hausarzt schien am folgenden Morgen durch die Schilderung des nächtlichen Schreckens nicht sonderlich beunruhigt . Er meinte , die Heilung mache gute Fortschritte , und das werde der letzte Anfall gewesen sein . Nach vierzehn Tagen durfte Agathe wieder aufstehen , sollte gute Beefsteaks und Schwarzbrot essen , Milch und Bier trinken , spazieren gehen oder doch in der Luft sitzen und liegen . Es fanden jetzt täglich Beratungen zwischen den Verwandten und den Eltern statt , wohin man im Sommer mit ihr gehen könne und ob nicht für den nächsten Winter ein Aufenthalt im Süden angezeigt sei . Agathe hörte um sich her die bekannten Namen : Görbersdorf — Davos — Meran . Natur- und Kaltwasserärzte wurden vorgeschlagen und ein sehr berühmter Mann , der nach einem Metallstück , das der Kranke einige Zeit am Leibe getragen , die erfolgreichsten Kuren verordnete . In jedem Briefe , den die Mama von ihren Freunden empfing , wurde ihr ein neues Heilmittel angepriesen und auch gleich zugeschickt . Heute sollte Agathe Gelee von Schnecken essen , morgen sich mit Hasenfett einreiben und übermorgen Eselsmilch trinken . Schließlich schrieb der Regierungsrat doch an eine bekannte Größe auf dem Gebiete der Lungen- und Brustkrankheiten . Als der Professor antwortete , es treffe sich gut , er habe eine Patientin in jener Gegend zu besuchen und könne damit einen Abstecher nach Bornau verbinden , wirkte das wie eine Erlösung auf die Eltern . Agathe