die Baronin Leuchtenberg , die die Herzogin heute begleitet und die bisher mit Herrn von Kosegarten im Gespräch gestanden hatte , näherte sich , um mit dem Herrn des Hauses Zeuge des kommenden Ereignisses zu werden . Der Herzog wandte sich zu August und Debberitz . » Meine Herren ! « begann er mit seiner schüchternen Stimme , » als einen Beweis , wie sehr ich die Verdienste tüchtiger Männer um das Herzogtum zu schätzen weiß , verleihe ich Ihnen , Herr Direktor von Kosegarten , und Ihnen , Herr Theodor Debberitz , meinen Hausorden zum Weißen Hirsch . « Er überreichte August den Orden , entnahm dem zweiten Kästchen , das der Kammerherr ihm geöffnet entgegenhielt , ein anderes Exemplar und legte es in die Hand von Debberitz . Die beiden Männer empfingen die Auszeichnungen mit tiefen , stummen Verbeugungen . Da rief Prinzessin Karoline laut und enttäuscht zu Fritz hinüber : » Ja , bekommen Sie denn keinen Orden ? Das finde ich gar nicht nett . « Fritz lachte . » Hoheit , « sagte er munter , » ich fühle mich in diesem Augenblick durchaus als freier Amerikaner ! « Der Herzog zog , peinlich berührt , die Schultern leise fröstelnd in die Höhe . » Sie bleibt doch eine ewige Gene , « flüsterte er ärgerlich der Herzogin zu . Die gewandten Hofleute der Umgebung begannen , um den fatalen Zwischenfall vergessen zu machen , ein lebhaftes Geplauder . Der Herzog aber wandte sich huldvoll im Gespräch zu Fritz : » Ich höre , Sie wollen sich wieder im alten Vaterlande seßhaft machen . « » Das ist ein Irrtum , « sagte Fritz kurz und kühl . » Wenn ich ehrlich sein will , der Boden brennt mir schon wieder unter den Füßen . « » So , so , « bemerkte der Herzog etwas verstimmt . » Abenteuerlust ? Läßt sich nicht überwinden ? « » Wer der Heimat so lange entfernt blieb , « warf die Herzogin begütigend ein , » findet sich wohl schwer wieder in ihr zurecht . « » Man hat zu scharfe Augen bekommen für ihre Verbesserungsbedürftigkeiten , « sagte Fritz . » Weil unsere Liebe nicht mehr blind ist , wird sie uns überhaupt nicht mehr geglaubt . Und so entdeckt man bei der Rückkehr in die Heimat oft erst , daß man wirklich heimatlos geworden ist . « » Ein trauriger Zustand , « flüsterte die Herzogin bedauernd . » Wie man ' s nimmt , « sagte Fritz gleichmütig , » wir haben unsern Stolz , und ich denke , wir haben auch unsere Mission , wir Heimatlosen . Was wäre Deutschland ohne seine verlorenen Kinder ? « » Es liegt etwas Wahres in diesem Ausspruch , « meinte der Herzog nachdenklich , aber ... « und er hob ablehnend die Hand , » eine bedenkliche Wahrheit . « » Wahrheiten sind immer bedenklich , Hoheit , « sagte Fritz mit gleichmütigem Lachen . » Gestatten , Hoheit , « mischte sich Debberitz ins Gespräch , » er ist uns zu wild mit seinen Projekten , das ist die Geschichte . Wenn wir alle seine Yankeeabenteuer nicht hier ausführen wollen , dann wird er bissig , und predigen wir dem Herrn Vernunft , da will er uns die Chose vor die Füße werfen . « Der Herzog blickte zerstreut im Kreise umher . Er blieb nicht gerne lange bei einem Thema . Die derbe Gereiztheit , die ihm aus dem Ton dieses gewaltigen Mannes entgegentönte , erregte ihm beinahe Furcht . » Nun , da halten Sie nur als Gegengewicht zu den fremden aufreizenden Einflüssen fest an einer soliden deutschen Gesinnungsart , « sagte er , das Gespräch abschließend , zu Debberitz . Er näherte sich darauf der Herrin des Hauses , der älteren Frau von Kosegarten , mit der zu plaudern seine offiziellen Pflichten ihm bisher noch nicht gestattet hatten . Aufs neue zwang er seine müden , blassen Lippen zu einem freundlichen Lächeln , als er sich neben sie auf einen Lehnsessel niederließ , und begann : » Die Familie Kosegarten ist unserm Hause stets in Treue attachiert gewesen ; wie ich höre , soll dieses Band in Zukunft wieder fester geknüpft werden . Ihre liebe Nichte soll als Hofdame meiner Schwester in unsern engern Kreis aufgenommen werden ? « » Ich bin glücklich , « sagte Frau Marie , » daß Hoheit so gnädig waren , Hilde in Ihren Dienst zu wünschen . Wir werden voraussichtlich das Schloß den Kindern überlassen , vielleicht auf Reisen gehen , da ist es so schön , zu wissen , daß für Hilde gesorgt ist . Ich habe sie lieb wie meine Tochter . « » Wir sind sehr zufrieden mit der Wahl unserer lieben Schwägerin , « bemerkte die hohe Frau , » ich bin stets dafür , die Damen des Hofes aus den adligen Familien des Landes zu wählen , deren Gesinnung man kennt , deren ganzer Ton schon eine Art Garantie für den Charakter des jungen Mädchens bietet . Sie haben Ihre Nichte in der abgeschiedenen Einsamkeit der Berge und Wälder erzogen ... hm ... ja ... « » Sie hat wirklich arbeiten gelernt , « fiel Frau Marie ein . » Superb « , « meinte die Fürstin freundlich , » da wird sie sich die einfache Unschuld des Herzens bewahrt haben , die man leider in neuerer Zeit so häufig an den jungen Damen vermißt . « Sie lehnte sich behaglich in ihrem Sessel zurück , der gute Tee hatte sie erwärmt , ihre Umgebung wußte , daß sie nun auf ihr Lieblingsthema , die falsche Erziehung der modernen Frau , zu reden kommen würde . Sie sprach von böser Lektüre , von unangebrachten Freiheiten , von der Bedenklichkeit der Sportpassion bei den Töchtern des Adels ... » Ma chère , « murmelte der Herzog , räusperte sich ein wenig und verstummte wieder . Er sah gern junge Mädchen sowohl beim