Dinge ernst . Da fordert man mich vor das Forum der öffentlichen Meinung , da verlangt man , daß ich mit all meinen Schöpfungen einer Krämermoral Rede stehen soll . Ich , der ich gewohnt bin , mit Millionen zu rechnen ! Auf meine Erfolge werde ich sie verweisen . Das bin ich geworden ! Das habe ich geschaffen ! – Da habt ihr meine Rechtfertigung ! « Es war wieder das Aufflammen seines ganzen mächtigen Selbstbewußtseins , jener Zug von Größe , der auch Edith geblendet und gefesselt hatte , aber seltsam , jetzt versagte dieser Eindruck . » Man thut dir unrecht mit jenen Anklagen , ich weiß es , « sagte sie , aber es lag weit mehr geheime Angst als Ueberzeugung in ihrer Stimme . » Du hast vielleicht manche Grenzen überschritten , überschreiten müssen – ich begreife das , dir stand das Recht des Ungewöhnlichen zur Seite . Aber Felix , in jener Schrift werden dir Dinge vorgeworfen , denen du Rede stehen mußt . Man ruft ja Steinfeld selbst zum Beweise gegen dich auf , deine eigene Schöpfung . « » Wer thut das ? « fragte Ronald verächtlich . » Erkaufte Federn , denen jedes Mittel recht ist . Die Hetzjagd gegen mich und Steinfeld wird wohl gut bezahlt werden – wütend genug ist sie dazu . « » Das ist nicht wahr ! « brach Edith unvorsichtig aus . » Raimar läßt sich nicht erkaufen ! « » Raimar ? « Felix zuckte zusammen wie von einer Natter gestochen . » Du kennst den Namen ? Wer verriet ihn dir ? « Es war zu spät , die Uebereilung wieder zurückzunehmen , und Edith dachte auch nicht daran , zu leugnen , aber Ronald war aufgesprungen und wiederholte mit vollster Heftigkeit : » Woher kennst du den Namen ? Er war Geheimnis , ich selbst erfuhr ihn erst heute morgen , und du weißt ihn ? Woher ? Durch wen ? « » Durch Raimar selbst – er war heute in Gernsbach . « » So ! Du scheinst ja merkwürdige Gespräche mit diesem Herrn zu führen . Das erste Mal , als du ihn sahst , bekannte er sich vor dir als meinen Feind , heute bekennt er sich als Verfasser der Schmähschrift . Hat er wirklich die Stirn gehabt , dir das zu sagen , und du hast es angehört ? « Er sprach mit herbem Vorwurf , aber er hielt den Besuch Raimars , dessen Verkehr in Gernsbach er ja kannte , offenbar für zufällig , und eine geheime Stimme mahnte Edith , ihn dabei zu lassen . Doch das stolze , furchtlose Mädchen empfand die Aufrichtigkeit jetzt als eine unabweisbare Pflicht . » Du irrst , Felix , « antwortete sie , » Raimar kam nicht zufällig , ich selbst habe ihn hergerufen . Ich wollte ihn zwingen , das geschlossene Visier zu öffnen , das Geheimnis zu lösen – ich mußte Gewißheit haben , wenn ich auch kaum mehr zweifelte ! « » Du hattest den Namen erraten , den ich nicht einmal erriet ! Du kanntest bereits die Wahrheit ? « Der dumpfe , heisere Ton , der Blick hätte Edith warnen sollen , aber sie ließ sich unvorsichtig fortreißen , freilich ohne zu ahnen , wie sie in diesem Augenblick aussah , wie ihr ganzes Wesen aufzuflammen schien , als sie rief : » Ich wußte sie , als ich die Schrift las ! Mit so unerhörter Kühnheit vorgehen gegen einen Mann von deiner Macht und Stellung , sich so rücksichtslos einsetzen für das , was ihm Recht heißt , konnte nur einer , das konnte nur – « » Edith ! « Das Wort brach wie ein wilder , halberstickter Aufschrei von Ronalds Lippen . Er war leichenblaß , und seine Augen bohrten sich förmlich in das Antlitz seiner Braut , als suche er etwas darin . Noch verstand sie ihn nicht , diesen starren , glühenden Blick , aber sie fühlte , daß etwas Furchtbares darin lag . » Nun ? « fragte Felix nach einer Pause . » Warum sprichst du nicht weiter ? Das konnte nur einer , dieser Held des Rechtes ! Denn das scheint er ja zu sein in deinen Augen , und ich – was bin ich dir dann ? « » Felix , ich bitte dich , « hob Edith beklommen an , aber er ließ sie nicht ausreden , seine Hand schloß sich wie eine Eisenklammer um ihren Arm , und er beugte sich zu ihr nieder , so nahe , daß sein heißer Atem ihre Wange streifte . » Ich that dir unrecht vorhin , « sagte er mit bitterem Hohne . » Du kannst empfinden , ich sehe es ja ! Nur mir starrt immer und ewig das Eis entgegen , mir , dem du deine Hand zugesagt hast ! Oder hast du das vielleicht vergessen ? « Es lag eine kaum verhüllte Drohung in der Frage , aber Drohungen war Edith nicht zugänglich , sie gab den Blick fest und kalt zurück , und ebenso klang ihre Antwort : » Nein ! Ich gab dir mein Wort und werde es halten – aber laß meinen Arm los , Felix , du thust mir weh mit diesem harten Druck ! « Ronalds Finger lösten sich langsam , er gab ihren Arm frei , aber sein Blick hing noch immer mit jenem wilden Forschen an ihren Zügen . » Du mußt verzeihen , daß ich so spät kam , « begann er von neuem . » Ich hatte noch etwas abzumachen vorher – drüben in Heilsberg ! « » Doch nicht etwa – mit Raimar ? « fragte Edith mit stockendem Atem . « » Mit dem Herrn Notar , jawohl ! Wir haben uns nun auch mündlich die Fehde angesagt . Ich glaube , du erschrickst darüber ? Sei ruhig , ich stehe ja heil und gesund vor dir , und auch › er