deinen Wunsch und Willen , der eine innere Ausgleichung zurückweist ... Trotz alledem müssen wir und doch der Welt als friedliches Ehepaar präsentieren , « fuhr er , wieder in seine leicht frivole Ausdrucksweise verfallend , fort , » und darum habe die Güte , deine Fingerspitzen auf meinen Arm zu legen , wenn wir die Treppen hinabsteigen . « 12. Zwei Equipagen waren drunten vorgefahren ; in der ersten , die am Fuß der Freitreppe hielt , saßen die allerhöchsten Herrschaften ; die zweite , in ehrerbietiger Entfernung haltende hatte den Prinzenerzieher und die Hofdame gebracht . Noch hatte sich die Herzogin nicht erhoben , um auszusteigen ; sie streckte huldvoll und herzlich dem Hofmarschall die Hand entgegen und war mitten in einem Redesatze , der ihre Freude über sein Wiedererstandensein von dem bösen Gichtanfall aussprach , als Mainau mit seiner jungen Frau droben auf der Treppe erschien . Ein Feuerblick aus den schwarzen Augen flog hinauf – einen Moment stockten die Worte auf den Lippen der fürstlichen Frau ; sie wandte hastig , wie überrascht und fragend den Kopf nach der Hofdame , die bereits ausgestiegen und an den Wagenschlag der herzoglichen Equipage getreten war und nun auch tiefbetroffen die näher kommende junge Dame fixierte – dann aber wurde der unterbrochene Satz rasch mit einer graziösen Handbewegung zu Ende gesprochen , und die Herzogin verließ , vom Hofprediger unterstützt , den Wagen . Ja freilich , wer hätte auch denken können , daß die graue , ängstlich in die Wagenecke gedrückte » Nonne « in so majestätischer Weise die Herrin von Schönwerth repräsentieren werde , wie sie jetzt mit rauschender Schleppe , die Hand auf den Arm ihres Mannes gelegt , herniederstieg ? Wer hätte gedacht , daß diese Frau den Fluch der verpönten Haarfarbe so unbefangen trage , um das flimmernde Rot in seiner ganzen Flechtenwucht über den Rücken hinabfallen zu lassen , und daß das Sonnenlicht in Schönwerth so schmeichlerisch und lügenhaft diese wogenden , rotlockigen Massen zu einem wie aus Goldspitzen gewobenen Glorienschein über der Stirn wandeln werde ? Die zwei Frauen standen sich gegenüber . Man sagte der Herzogin nach , sie bemühe sich , nach Ablegen der Trauer , in außerordentlich frischen und hellen Toiletten noch einmal die Mädchenjugend heraufzubeschwören , und das bestätigte sich heute in auffallender Weise . Sie war in rosenfarbene Seide gehüllt , die ein weißer , kleiner Spitzenfichu bedeckte – auf dem runden Brüsseler Strohhütchen steckte ein Strauß von Apfelblüten . Einen Augenblick senkte es sich wie ein Schatten über die Züge der fürstlichen Frau – die klugen , stahlfarbenen Augen begegneten den ihren in so stolzer Unbefangenheit , und die Taufrische dieses jungen Gesichts ließ sich auch in allernächster Nähe absolut nicht wegleugnen – aber ein Seitenblick auf Baron Mainau machte sofort das sonnige Lächeln um ihre Lippen wieder aufstrahlen . Die Leute hatten recht , wenn sie behaupteten , er habe ohne jegliche Spur von Neigung gewählt . Er stand kalt , wie eine Marmorstatue neben seiner jungen Frau , die sich bei seinen sie kurz und frostig vorstellenden Worten ehrerbietig , jedoch nicht allzu tief , verneigte und der Herzogin das Boukett übergab . Es wurde sehr huldvoll entgegengenommen , und die Herzogin hätte sich vielleicht noch mehr in jenen liebenswürdigen Phrasen erschöpft , welche die meisten als Reliquien eines solchen Vorstellungsmomentes zeitlebens im innersten Herzensschrein aufbewahren , wäre nicht ihr Blick auf den Hofmarschall gefallen – er stand hilflos zusammenknickend , mit fest aufeinandergebissenen Zähnen da , fahl wie ein Gespenst . » Ich habe meine Kräfte überschätzt , « stammelte er , » und bin untröstlich , um die Gnade bitten zu müssen , daß ich mich eines Fahrstuhles bedienen darf . « Auf einen Wink der Herzogin wurde das Möbel gebracht , und der Kranke sank hinein – ein bitterer Augenblick für den Mann , der einst vielbegehrt und gefeiert auf leichten Höflingssohlen die Gestirne des Hofes umschwebt hatte . Kreischend rollte der schwere Stuhl über den Kies nach dem Park , dem ja heute der Besuch der fürstlichen Gäste galt ... Die schöne , rosenfarben-strahlende Herzogin rauschte plaudernd an Mainaus Arm vorüber – noch nie hatte sie sich so zwanglos heiter und angeregt gezeigt , und doch saß der Mann , der einst gemeint , einzig durch seine glänzende Unterhaltungsgabe diesen stolzen , zurückhaltenden Frauengeist Funken zu entlocken , schweigend in seinem Stuhl – er war vergessen . Die Prinzen stürmten mit Leo jubelnd vorbei – sonst hatten sie sich an die Frackschöße des Hofmarschalls gehangen , ohne ihn war kein Spiel zustandegekommen – jetzt war es so selbstverständlich , daß er alt und siech dahinrollte und plötzlich zum Statisten wurde auf seinem eigenen Grund und Boden – eine niederschmetternde Erfahrung für ein gefeiertes Höflingstalent , noch lebend zu den Toten geworfen zu werden ! ... Und zu alledem schritt auch noch der » Rotkopf « dort so anmaßend und selbstbewußt als Herrin von Schönwerth dahin , ja , der alte Höfling sagte sich erbittert , daß sich diese Gräfin von Habenichts wahrhaftig vermesse , größer , edler und vornehmer in der Haltung zu sein , als die Frau Herzogin selbst – er hätte ersticken mögen vor Aerger und Ingrimm ! » Mit Verlaub , meine Gnädigste ! « rief er in schneidenden Tönen der jungen Frau zu , als sie sich im Vorübergehen bückte , um eine kleine , in den Samtrasen verirrte Kartäusernelke zu pflücken . » Heute werden keine Orchideen oder sonstiges Unkraut für Rußland gesammelt ! « Mainau fuhr mit dunkelrotem Gesicht herum – er hatte vielleicht eine scharfe Replik für den Hofmarschall auf den Lippen ; aber nach einem Blick auf die junge Frau , die so » hochmütig schweigend « und gelassen die kleine , rote Blume in den Gürtel steckte , zuckte er wie in grollender Ungeduld die Achseln und nahm , rasch weitergehend , das unterbrochene Gespräch mit der Herzogin wieder auf . Der Parkteil , in welchem das köstliche Schönwerther Obst gezogen