ich wiederkommen und nachsehen . « Dagegen hatte er ganz und gar nichts einzuwenden ; aber er sprach nicht . In seiner Seele spannen Verrat und böse Wünsche heimtückisch weiter . Äußerlich mit wahrhaft gleichmütiger Ruhe ihrer Beschäftigung zusehend , träumte er , ein Windstoß packe das kleine , runde Nest da auf der Gartenmauer mit Mann und Maus und trage es schneller als das Dampfroß , beflügelt wie der sehnsüchtige Gedanke , plötzlich durch die Lüfte , um es sein säuberlich in den Anlagen des märkischen Landhauses Markus niederzusetzen ... Weit hinten in den Thüringer Wäldern bliebe die unerklärliche Gewalt der egoistischen Dachstubenbewohnerin , das Haus im Grafenholz mit seiner Anziehungskraft und seinen ungelösten Rätseln – losgerissen von allem , was sie umgarnte , wäre die Heißbegehrte einzig und allein auf ihn , auf seinen Schutz angewiesen , und – herausgeben würde er sie nie wieder ! ... Ja , das war so ungefähr das verräterische Gespinst , das verlockend Masche an Masche nestelte , während er neben ihr stand und den schwachen Veilchenhauch atmete – das Parfüm der Fräulein Erzieherin , das auch von den groben Kleidern der Dienerin ausging . Und was hinderte ihn denn jetzt , selbst den Sturmwind zu spielen und mit einer plötzlichen stürmischen Werbung die Überraschte zu gewinnen ? – Nichts als der Wille in , dem klugen Mädchenkopfe da ! – Wollte er es wirklich erleben , daß Amtmanns Magd in kurzen , dürren Worten erklärte , sie bedanke sich recht sehr dafür , Herrin im Hause Markus zu werden ? Neu und unerhört den Erzieherinnenbestrebungen gegenüber war diese Entscheidung jedenfalls , und eindrucksvoll auch ; und so und nicht anders fiel sie aus , das wußte er – und Herr Markus junior , der daheim recht schonungslos und übermütig mit der seinen Gefallsucht in vornehmem Gewände zu verfahren pflegte , er war auf seiner Hut und preßte die Lippen fest aufeinander , damit ja kein feuriges Wort eine schneidige Abfertigung von seiten des ernsten Mädchens im Arbeitskittel herausfordere . 15. Er hatte sonst gar nichts dagegen , wenn Frau Griebel zu ihm kam , er plauderte stets sehr gern mit ihr ; allein in diesem Augenblick war ihm das Knarren der Lederschuhe , die kräftig aufstapfend das Gartentreppchen heraufkamen , in tiefster Seele zuwider . Er sah , wie bei diesem Geräusch ein helles Rot über das Gesicht des Mädchens lief ; sie ließ sich jedoch nicht weiter beirren und band die Leinenrolle wieder zusammen , als Frau Griebel die Tür öffnete . Auch das Töchterlein Luise kam mit . Die Auftrageteller , die beide trugen , reichten kaum aus für die Himbeersaft- und Selterwasserflaschen , das Kaffeegeschirr , die Arnikatinktur , und Gott möchte wissen , was alles die brave Dicke in der Eile zusammengerafft hatte . » Na – ? ! « fragte sie gedehnt , mit hochgezogenen Brauen und auf der obersten Stufe wie festgenagelt stehen bleibend . Und flinker als gewöhnlich wandte sie den Kopf zurück nach ihrem Küchlein und machte sich sichtlich breit , um den Türrahmen mit ihrer Person auszufüllen und den naseweisen jungen Augen , die sie hinter sich wußte , den Einblick zu versperren . » Ja , nun kommen Sie zu spät , verehrteste Griebel ! « sagte der Gutsherr . » Es ist doch nicht zu verachten , wenn man altes Leinen und Arnika bei der Hand hat , wie die Leute auf dem Vorwerk . Das Unglück mit meiner ungeschickten Hand ist mir dort passiert , und weil ich schreckliche Angst vor dem Verbinden hatte – ich bin gar furchtsam von Gemüt – so bin ich ausgerissen ; freilich umsonst , « – er zuckte mit dem ernsthaftesten Gesicht die Achseln – » der Heilgehilfe ist mir auf den Fersen geblieben , und wohl oder übel mußte ich stillhalten . Da sehen Sie her , fürsorglichste aller Pflegemütter , die klaffende Wunde ist zugenäht , kunstgerecht zugenäht , und den will ich sehen , der an dem Verband etwas auszusetzen hat ! « » ' s ist die Möglichkeit – zugenäht ? « Mit diesen Worten wurde der Auftrageteller klirrend auf den Tisch gesetzt , und somit war es nunmehr auch Klein-Luischen unverwehrt , einzutreten . » Na , dann ist ' s ja gut , « meinte Frau Griebel . » Aber das mit dem › furchtsamen Gemüt ‹ , das lassen Sie nur unterwegs , Herr Markus – ich bin nicht von gestern ! ... Meiner Treu , der Verband sieht wirklich aus , als hätte ihn unser alter Medizinalrat auf Schloß Heinrichsthal angelegt – das ist ein tüchtiger Mann – ein berühmter Doktor , Herr Markus ! Ja , vor so einem Verband , wie der da , muß sich freilich der Tillröder Bartkratzer in die Ecke verkriechen ! Und das hast du gemacht ? Du , die Magd bei Amtmanns ? « – Sie richtete ihre Augen scharf auf das Mädchen . – » Ja , wo lernen denn bei euch zu Lande die Mägde solche Männerarbeit ? Nicht einmal im Institut , wo doch meiner Luise das Menschenmögliche beigebracht wird , kommt dergleichen vor – oder doch , Luise ? « » Nein , Mama , « erwiderte das Töchterlein , das bisher schweigend Amtmanns schöne Magd angestaunt hatte . – » Aber eine Mitschülerin , die zu Ostern auf ein Gut in Ungarn als Erzieherin angenommen ist , geht jetzt in ein Schwesternheim , um die Krankenpflege zu lernen . « » So ? – Na ja , da ist ' s richtig – euer Fräulein drüben ist auch eine solche , und du hast ' s ihr abgeguckt ! « sagte Frau Griebel zu dem Mädchen , das mit weggewendetem Gesicht ruhig das Zusammenpacken der Verbandsachen beendete und nun den Korbdeckel darüber legte . » Das ist ja nun freilich ganz gut und praktisch bei einem Unglück , wie es unserem Herrn da begegnet ist – da konnte sie dich doch nachschicken !