? Nun , das sollst Du haben und ein noch viel besseres , als das meine ! Eine ganze Sternwarte , auf der Du den weiten Himmel durchforschen kannst , wenn Du willst , und ich werde Dein Lehrer sein . Ist Dir das recht ? “ „ Ach , Onkel “ — hauchte Ernestine , wieder die Hände faltend , „ der liebe Gott meint es doch zu gut mit mir , wie soll ich ihm alle diese Wohltaten lohnen ? ! “ Da flog ein häßliches Lächeln über Leutholds Gesicht , sie sah ihn verwundert an , ihr Blick haftete so fest auf ihm , daß er sich unwillkürlich abwandte . Seltsam ! — Warum hatte der Oheim bei diesen Worten gelächelt ? War es denn etwas so Dummes , was sie sagte ? Lächelte er über sie oder über den lieben Gott ? Es war ihr auf einmal alle Freude ver ­ dorben , als hätte sie in einer duftigen Rose einen garstigen Wurm , in einem schönen Glase einen Sprung entdeckt — sie fühlte etwas wie einen Stich durchs Herz . Ja — ja , so mußte es dem kleinen Kay in ihrem Märchenbuche gewesen sein , als ihm der Splitter von dem teuflischen Spiegel der Wahr ­ heit in Auge und Herz kam und er nun nichts mehr schön und in Allem einen Makel fand ! — Sie blickte unwillkürlich gen Himmel , als wollte sie die Teufel mit dem verhängnisvollen Spiegel9 emporsteigen sehen , zu Spott und Hohn ihres gütigen geliebten Gottes — und als sie wieder die Lider senke und das Ge ­ sicht des Oheims streifte , der eben so häßlich gelacht hatte , da war es ihr , als gleiche er dem Bilde , das sie sich von jenen bösen Geistern gemacht , und sie empfand einen leisen , ihr selbst unbegreiflichen Wider ­ willen gegen ihn . Sie legte sich erschöpft in den Stuhl zurück , sie mußte ausruhen von all den Gedan ­ ken , die durch ihr kleines müdes Köpfchen gezogen waren , und Heim , dies bemerkend , nahm Leuthold mit sich fort ; sie hörte , wie er sagte : „ Kommen Sie , wir wollen Ernestine ein Wenig schlummern lassen . “ Rieke setzte sich still auf die Bank neben ihr . — Ernestine schmiegte den Kopf behaglich in die weichen Kissen , während die balsamische Morgenluft wie mit unsicht ­ barer , liebender Hand über ihr Gesicht strich . In den Zweigen , die sie beschatteten , zwitscherten so leise und süß die Vögel . „ Schlummere , schlummere an der warmen Brust des jungen Tages , “ tönte es durch die ganze Natur an ihr Ohr : „ Ruhe ! — Du hast noch nicht genug ausgeruht von all dem Weh , das Du er ­ litten ! “ — Und sie schloß fest die Augen und wollte so gerne schlafen — aber sie konnte es nicht : Warum hatte der Oheim gelächelt , als sie von Gott sprach ? Diese Frage hielt sie wach und scheuchte den Frieden von ihrer treuen frommen Kindesseele . — Heim ging indessen mit Leuthold den Garten entlang . „ Herr Professor , “ begann er zu Leuthold gewandt , der in tiefem Sinnen neben ihm herschritt . „ Ich muß mich nun endlich einmal über die Zukunft unseres Schützlings mit Ihnen besprechen , denn ich habe Pläne für denselben , deren Ausführung von Ihnen abhängt . “ Leuthold sah ihn mit gespannter Aufmerksamkeit an . „ Ich hatte , “ fuhr Heim fort , „ schon seit ich das seltsame Kind zum erstenmal sah , den Wunsch , mich seiner anzunehmen und als ich nun durch Zufall , in sein Schicksal einzugreifen Gelegen ­ heit fand , gedieh dieser Wunsch zur Reife . Meine Bitte ist die : treten Sie mir , — nicht Ihre vormundschaftlichen Rechte , — aber Ihre vormundschaftlichen Pflichten ab , und lassen Sie mich Ernestine in die Stadt mitnehmen , wo ich sie ihren Geistes- und Körperkräften angemessen erziehen werde . “ Leuthold schwieg einige Sekunden und zog eine Bohnenranke durch seine weißen , schmalen Finger , dann begann er etwas unsicher : „ Das soll so viel heißen , Herr Geheimerat , als trauten Sie mir nicht die Fähigkeit oder den Willen zu , meine Mündel zu er ­ ziehen , wie es recht ist . “ Heim zuckte ärgerlich die Achseln . „ Wir wollen uns keine Flausen vormachen , Herr Gleißert ; wir wissen Beide , wie wir über einander denken , und ein Arzt hat nicht viel Zeit auf Höflichkeiten zu verwen ­ den . Seien Sie also so freundlich , mir kurz und bündig Ihre Bewilligung oder Ablehnung meines Vor ­ schlags zu erklären . “ „ Nun denn , mein Herr , “ sagte Leuthold mit einem stechenden Blick , „ so werde ich Ihnen kurz und bündig mit ‚ Nein ‘ antworten ! “ „ So — o ! “ war das Einzige , was der verblüffte Heim herausbrachte . „ Sehen Sie , Herr Geheimerat , “ begann nach einiger Überlegung Leuthold , „ ich will ehrlich gegen Sie sein . Sie kennen den dunkeln Fleck , der meine Vergangenheit schändet und den Hauptfehler meines Charakters : den Ehrgeiz . Aber , Herr Geheimerat , ich bin deshalb doch nicht herzlos ! Ich bin , wie Ernestine , von Klein auf als ein unliebsamer Gegen ­ stand , als ein fünftes Rad am Wagen herumgestoßen worden . Ich sah mich hinter Hartwich , dem Sohn meiner wohlhabenden Stiefmutter , zurückgesetzt und verkürzt bei jeder Gelegenheit . Sie als erfahrener Menschenkenner werden am besten wissen , welch gro ­ ßer Teil der Verantwortung für die Fehler eines Menschen auf seine Erziehung fällt ; — vielleicht beurteilen Sie mich nun minder hart . — Da mir nie Liebe und Wohlwollen entgegengebracht wurden , ver ­ kümmerten auch diese zarten Gefühle in meiner Seele und ich