weißen Wölkchen , und junges , zartes Buchenlaub und hüpfende Sonnenfleckchen . Das Offfzierkorps des Ulanenregiments bestand aus durchweg wohlsituierten Leuten . Die Damen entnahmen ihre Toiletten von Gerson in Berlin , die Herren ritten Vollblutpferde , die jüngeren beteiligten sich an den Rennen und hatten in ihrem Kasino wunderbares Tafelsilber und livrierte Diener . Der Kommandeur ließ seine Gesellschaftsdiners direkt von Borchardt kommen aus Berlin , die gemeine Not des Lebens kannte vielleicht keiner von ihnen . Man war natürlich sehr exklusiv , und außer mit dem Landrat und einigen Großgrundbesitzern , die in jeder Weise als ebenbürtig galten , verkehrte man nur noch mit Brandenfeldts . Herr v. Brandenfeldt , Leutnant a. D. , bekleidete die Stelle eines Beamten bei der städtischen Steuer , eine sehr untergeordnete Stellung . Seine Aufnahme in den Regimentskreis verdankte er seinem alten Adel und dem seiner Gattin , einer Tochter aus dem gräflichen Hause Elben . Ein früherer Kommandeur dieses Regiments war ihr Vetter gewesen und hatte die Familie in den Kreis hineingezogen . So sah man sie denn bei den Bällen und in den Gesellschaften , besonders seitdem das Töchterchen erwachsen war . Sie bewohnten ein sehr bescheidenes Quartier , dem unsern gerade gegenüber in der Gertrudengasse , und erfüllten mit jährlich ein bis zwei Soupers ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen , bei denen es einfach , aber ganz anständig zuging . Man speiste dabei von Tellern , die mit einer Grafenkrone geziert waren , und auf altem wappengeschmücktem Damast , den mancher von uns nicht aufdecken konnte , weil er eben kein Wappen besaß . Die Möbel waren gut und solid , und an den Wänden hingen die Bilder einiger gepuderter Ahnen , 179 die sich seltsam genug von der billigen geblümten Tapete abhoben . Die beiden Damen kleideten sich einfach und geschmackvoll : Frau v. Brandenfeldt schneiderte alles selbst . Der Herr Leutnant a. D. spielte sein L ' hombre mit dem Kommandeur , dem Landrat und irgend einem Rittmeister und verlor hin und wieder auch ' mal ein paar Taler mit vollendeter Liebenswürdigkeit . Nach solchem Verlust erschien er dann eine Zeitlang nicht am Spieltisch , unter irgend einem ganz akzeptabeln Vorwand . Ein Mädchen hielten sie nicht , nur eine alte Aufwartefrau für die gröbsten Arbeiten . Besuch empfingen sie für gewöhnlich nicht , und wie es erst bekannt wurde , daß die Damen ihre eigenen Köchin und Stubenmädchen seien , belästigte man sie nicht mit müßigen Visiten , sondern begnügte sich , sie am dritten Orte zu sehen , wie man denn überhaupt tat , als wüßte man nichts von ihrer ungewöhnlich eingeschränkten Lebensweise . Lene v. Brandenfeldt war wirklich ein reizendes Mädel , schlank aufgeschossen wie eine Birke , mit duftigem aschblondem Haar , nußbraunen Augen und einer Hautfarbe wie Apfelblüte . Sehr sanft , eher ernst als heiter , und doch bereit , so recht von Herzen mitzulachen und mitzutun , und immer zufrieden mit ihrem kargen Dasein , an das man übrigens nie dachte , wenn man mit ihr zusammen war . Natürlich zwang die Stellung , die Herr v. Brandenfeldt innehatte , auch zum Verkehr in den Kreisen der Bürger . Lene und ihr Vater taten dies mit selbstverständlicher Liebenswürdigkeit , Frau v. Brandenfeldt aber wurde es sehr schwer . Sie saß mit ihrem feingeschnittenen blassen Gesicht , eine altmodische Moireemantille um die spitzen Schultern , wie fröstelnd auf dem Sofaplatz , welcher übrigens der geborenen Gräfin immer bereitwilligst reserviert wurde , und beteiligte sich mit keinem Worte an den Gesprächen der Frau Apotheker Salzmann , der Frau Oberlehrer Rindenbeißer oder der Frau Stadtrat , welche letztere ihre direkte » Vorgesetzte « war . Dies Schweigen wurde ihr natürlich als Hochmut ausgelegt und war doch nichts weiter , als die Scheu , 180 jene Leute in ihr ärmliches Leben blicken zu lassen . Aufschneiden aber verstand sie nicht , es wäre ihr auch unter aller Würde erschienen . Sie konnte nicht über die Dienstmädchen räsonieren , denn sie hielt keine , und die hohen Preise der Hammel- und Kalbskeulen lagen ihr auch zu fern – war es doch männiglich bekannt , daß Brandenfeldts tägliches Deputat aus einem halben Pfund Kochfleisch bestand , nicht mehr und nicht weniger . Von andern Dingen aber war selten die Rede , so schwieg sie denn . Lene hatte mir einmal erzählt , daß ihr Vater , als junger Offizier und Ehemann , mit dem Pferde gestürzt und dadurch dienstunfähig geworden sei auf Lebenszeit , Lene war , als erstes Kind , damals gerade geboren . Der Großpapa , der alte Graf , damals schon vom Schlage getroffen und in Pension lebend , konnte nichts tun für den Schwiegersohn , denn er hatte noch sieben unversorgte Komtessen zu Hause , arme , verbitterte Dinger , die mit Sorgen den Moment herankommen sahen , da der Vater die Augen schließen und die Präsidentenpension erlöschen würde . Und so hatte der Leutnant a. D. v. Brandenfeldt den kleinen Posten eines Kassenrendanten in Steinhagen annehmen müssen . Lene , unbekümmert ob dieser Verhältnisse , wuchs frisch und fröhlich auf , war in bürgerlichen wie in militärischen Kreisen gleich beliebt und bei Festlichkeiten beinahe die begehrteste Dame . Traf es sich aber , daß am gleichen Tage etwas » los war « in beiden Welten , so gab sie stets der Einladung derjenigen Folge , zu der ihr Vater seiner Stellung nach gehörte . Ich allein wußte , wie schwer ihr das wurde , weil ja ihr ganzes Herz bei uns weilte , seitdem der Eberhard v. Wülflingen in unserem Regiment stand . Wir waren da einmal wieder in die Maiblumen gegangen , lagerten im Walde , tranken Kaffee und waren heiter , wie immer . Ganz am linken Flügel , ein klein wenig abseits auf einer Baumwurzel , saß Lene v. Brandenfeldt und ihr zu Füßen natürlich Eberhard v. Wülflingen . Nun war Eberhard zufällig der einzige im ganzen Regiment , der eine knappe Zulage hatte und sich in manchen Dingen einschränken