Stübchen mietest ? “ Sie schüttelte den Kopf . „ Und wovon soll ich unterdes leben , ich meine , bis ich die Malmädel gefunden habe ? “ „ Aber Hede , welche Frage ! Bei mir steht immer der Tisch gedeckt für dich . “ „ Nein “ , sagte sie , indem sie sich aus seinen Armen wand , und ihr Gesicht bekam etwas Starres , Hartes , „ nein , nichts – nichts von Toni ! “ Er sah sie an , halb ernst , halb spöttisch . „ Von Toni würde wohl nicht viel dabei sein , Hede , ich bezweifle , daß ihre Gage weiter reicht als zur Bestreitung der Toilette . Sie verstand ihn nicht . „ Aber – das große Vermögen ? “ stotterte sie . „ Das ? Er lachte auf einmal so herzlich wie in alten Tagen „ das ist so sicher angelegt , daß sie gar nicht dazu kann , Hede . “ Ihr betroffenes Gesicht amüsierte ihn geradezu . „ Was soll das heißen ? Toni ist arm ? “ „ Ungefähr so . Du siehst also , Schatz , du könntest ohne zu große Gewissensbisse an unserem Tische mitessen . “ „ Nein ! “ wiederholte sie kurz und mühsam atmend , „ du hast schon übergenug Last an Ottilie ! “ Sie war in den Stuhl zurückgesunken und starrte vor sich hin . Mit welchen Hoffnungen war sie hergekommen aus ihrem Elend daheim ! Auf Liebe , auf Sonnenschein hatte sie sich gefreut , auf ein Atmen in anderer Luft , und nun blieb ihr doch nichts weiter , als wieder hineinzutauchen in das Jammerleben , das Stundengeben für einen Bettellohn , das Hungern bei Thee , Kartoffeln und Grießbrei , das Hungern nach einem Herzen , welches ihr nahe stand . „ Heinz “ , sagte sie endlich , „ ich reise übermorgen wieder heim “ . „ Warum willst du nicht noch ein Weilchen bei Tante Gruber bleiben , Hede ? Es würde deiner Gesundheit so dienlich sein . “ „ Nein ! Nein ! Ich verwöhne mich hier nur , und wenn du fort bist – was soll ich hier ? “ sprach sie heftig . „ Aber ich bleibe ja nicht lange , Kind , Italien haben wir heimlicherweise längst aufgegeben – acht Tage Berlin , voilà tout ! “ „ Nein , nein , es ist besser , ich reise ! “ „ Wie du nur aussiehst , “ schalt er , „ ich muß ja Angst haben , dich hier allein zu lassen heute abend- “ „ Aber warum ? Ich bitte dich , ängstige dich nur nicht um mich ! Ich lese , ich werde – “ Er sah nach der Uhr . „ Nun ist ’ s auch für mich Zeit , “ sagte er zögernd , das blasse Mädchen mit den starren , dunklen Augen that ihm so unsäglich leid . „ Hast du etwas zum Lesen ? “ fragte er und trat an ein Tischchen , auf dem Bücher und Journale lagen , nahm einige davon und ergriff dann noch eine Zeitung , auf deren Titel „ Breitenfelser Amtsblatt “ zu lesen war , und übergab ihr alles . „ So , Hede , da hast du allerlei , sogar die neuesten Begebenheiten in Breitenfels , von meinem Polterabend bringen sie sicher auch einen Sums . Und nun fange keine Grillen , auf mich kannst du immer bauen , hörst du , Hede , wenn ich auch kein Krösus bin . Und thue mir den Gefallen , überlege , ob du nicht lieber hier dein Domicil aufschlagen willst ! “ Sie hielt , wie geistesabwesend , die Bücher im Arm . „ Komm , “ sagte er , „ ich bringe dich hinüber . “ Sie schritten miteinander den langen , teppichbelegten Korridor hinunter . Hedes Zimmer lag nach der Seite hinaus , die von der Herzogin Mutter bewohnt wurde , nur zwei Treppen höher . Er trat hinter der Schwester ein , die Hängelampe brannte , die Vorhänge waren zugezogen , im Kamin züngelten die Flammen . „ Ist dir ’ s auch warm genug ? “ erkundigte er sich ; „ dein Souper ist angeordnet . – Daß du auch so allein bist ! Soll ich nochmals zu dir kommen , wenn das Fest zu Ende ? “ Sie nickte . „ Bitte ! “ „ Ich werde vorsichtig anklopfen , falls du schläfst . “ „ Ich erwarte dich , ich schlafe nicht . “ – Es ist der letzte Abend , den du noch mir gehörst , wollte sie sagen , verschluckte es aber . „ Leb ’ wohl indessen , Hede , ich sehe dich also noch , “ setzte er rasch hinzu , wie um weitere Betrachtungen abzuschneiden . Dann ging die Thür und das Mädchen war allein . Sie zog an den Kamin einen Sessel und hockte sich hinein , die Füße emporgezogen , die Bücher und Zeitungen hielt sie noch immer an sich gepreßt . So verharrte sie eine ganze Weile . Bis hier hinauf drang kein Laut , das Schloß war ja überhaupt so geräuschlos , als sei es von Geistern bewohnt , und so still war es hier wie daheim in ihren niedrigen einsamen Zimmern . Nur die Uhr tickte , eine Bronceuhr im Empirestil . Hede brach auf einmal in leises leidenschaftliches Schluchzen aus , ein unsägliches Grauen vor der Zukunft hatte sich ihrer bemächtigt . Bisher , seit Mutters Tode , war Heinz ihre Hoffnung gewesen , und diese , lieber Gott , war gescheitert ! Der arme Junge , der würde selber seine Not haben , durchzukommen . Und sie fühlte , wenn sie weiter leben mußte wie bisher , ohne einen Menschen , der ihr nahe stand , es würde Wahrheit werden , was Heinz ihr angedroht , sie würde dort enden , wo ihre Schwester schon war – im Irrenhause ! Sie