sind eben eigene Sachen um solche Heirathsgeschichten . “ „ Ich kann Keinen lieb haben , Muhme , “ tönte es nah an dem Ohr der alten Frau ; zwei weiche Arme schlangen sich um ihren Hals , und ein blasses Gesicht verbarg sich an ihrer Brust . So lag sie auf den Knieen neben der Alten , und diese strich mit der Hand über die braunen Flechten . „ Gott segne Dich , mein Liesel ! “ flüsterte sie , „ Du hast das Rechte gethan . “ – – Drüben im Wohnzimmer schritt der Hausherr aufgeregt hin und wieder . Frau Erving hatte roth geweinte Augen und bat : „ Wenn sie ihn aber doch nicht lieb hat , Erving ! “ „ Minna , es ist gar zu schwer mit einer Frau über solchen Punkt vernünftig zu sprechen , “ sagte er vor ihr stehen bleibend , „ sieh Dir den Jungen an ! Er ist hübsch , ist ehrenwerth ; er hat sie lieb , ist aus guter Familie ; sein Vater schreibt mir , [ 771 ] sie wollen das Mädel auf Händen tragen – ist das nicht Alles , was sie überhaupt verlangen kann ? Aber es steckt etwas dahinter – das lasse ich mir nicht ausreden . “ „ Aber ich bitte Dich , Erving , was sollte das wohl sein ? “ „ Und dann , ich kenne das Mädchen nicht wieder – sie , die sonst so schmiegsam und biegsam ist , wie sie dastand mit dem blassen Gesicht und ‚ Nein ‘ sagte , weiter nichts als ‚ Nein ! ‘ Gott steh ’ mir bei , wer hätte das gedacht ? “ „ Sie ist ja Deine Tochter , Alterchen , “ bat Frau Erving aufstehend und zu ihrem Gatten tretend . „ Du weißt doch , “ fuhr sie mit einem Versuch zu lächeln fort , „ wie Dein Vater gewünscht hatte , Du solltest die Agnes heirathen , da hast Du ebenfalls ‚ Nein ‘ gesagt und weiter nichts . “ „ Na , das war denn doch etwas Anderes , damals kannte ich Dich schon und hatte Dich lieb , aber hier – sie hat ja kaum die Nase aus dem Nest gesteckt . Gott weiß , so sauer ist mir bald nichts vorgekommen , als dem Jungen heut Abend solchen Bescheid zu bringen . “ Er blieb am Fenster stehen und blickte unmuthig durch die Scheiben . Er wendete sich auch nicht um , als jetzt leise die Thür aufging und die Muhme eintrat . Sie blieb einen Augenblick stehen . „ Nu , nu , Minnachen , “ sagte sie dann , „ Du weinst ja – es ist doch Keins gestorben und solche Eile hat ’ s doch auch nicht mit dem Freien ! Es giebt ja nicht eine Hand voll , es giebt ein ganzes Land voll Männer – der Rechte kommt schon noch – “ Der Müller am Fenster machte eine heftige Bewegung , als wollte er scharf antworten ; dann sagte er ruhig : „ Du redest , wie Du es verstehst , Muhme . “ „ Ei , ich sollte meinen , in solchen Dingen bin ich auch gerade nicht aus den Kopf gefallen , und hab ’ ein Stückel Leben mehr gesehen wie Du . Die Liesel ist siebenzehn Jahr gewesen – das ist doch kaum aus den Kinderschuhen heraus ; es werden noch hundert Freier nach der Mühle kommen ; was soll sie gleich den Ersten nehmen ? Er ist ein schmucker Bursche , der Selldorf , ja , aber der Geschmack ist halt verschieden , und Lieb ’ ohne Gegenlieb ’ ist ’ ne Frage ohne Antwort und giebt ein Unglück . Und nun laß gut sein , Friedrich , und mach ihr kein böses Gesicht , sie ist ja Dein einziges Bissel , was willst Du sie denn zwingen ! Es nutzt Dich aller Aerger nichts , und ein Machtwort kannst Du in dieser Angelegenheit nicht sprechen ; darum gieb Friede , und freue Dich , daß Du das Kind noch behältst ! Wenn sie erst einen Mann hat , dann ist sie nimmermehr Euer . “ „ Schon gut , schon gut ! “ erwiderte er ungeduldig und fing die Wanderung durch ’ s Zimmer von Neuem an . Die alte Frau fügte kein Wort mehr hinzu ; sie wußte , daß sie ihren Zweck erreicht hatte , und so nahm sie ihren Strickstrumpf und setzte sich auf ihren Platz . „ Hast Du sie denn gesprochen ? “ fragte nach einer ganzen langen Pause die Mutter . „ Freilich ! Sie kam zu mir und hat mir ’ s gesagt , wie es steht , und zuletzt da hat sie geweint und mich gebeten , ich solle ihr den Vater wieder gut machen helfen . “ „ Wo ist sie denn ? “ fragte er . „ Sie ist in ihr Stübchen hinaufgegangen . “ „ So ? “ erwiderte er und schritt wieder auf und ab , dann aber näherte er sich der Thür und ging hinaus . „ Ich weiß schon , wo er hingeht , “ nickte die alte Frau und lächelte . „ Er war wohl recht böse ? “ „ Es ging schon noch , Muhme , aber ich kenne ihn ja gar nicht ärgerlich – es hat mich erschreckt . “ „ Nein , guck einmal , Minnachen , “ sagte sie und wies in den Garten hinaus , und als sie nun hinschauten , da ging eben der Müller langsam den Weg hinauf , die Arme um sein Töchterchen geschlungen , und sie hatte den Kopf an seine Schulter gelehnt und sah zu ihm auf ’ , er sprach mit ihr , und sie lächelte ihm zu . „ Mein guter Mann , mein liebes Kind ! “ sagte leise die Frau am Fenster . 10. Im Schlosse war die Nachricht von dem Tode der Gräfin