alles finden . Ich ging zurück und legte mich auf das Sofa , zog den Ring an der Gummischnur hervor und steckte ihn an den Finger . Ein beruhigendes Gefühl kam über mich . Er war ja mein , er liebte mich ja ! Warum sollte ich zweifeln ? Es war fast , als sei mit Hanna mein guter Engel fortgegangen . Es kam eine Zeit , wo ich wie ein Kätzchen behandelt wurde , mit dem man spielt und schön tut , das man aber , wenn es unbequem wird , fortjagt . Eberhardt war am nächsten Tage wieder der alte , mich über alles liebende Bräutigam . Ich kam gar nicht dazu , ihn nach dem vorhergehenden Abend zu fragen . Er war zärtlicher als je und wünschte die Zeit seiner Volljährigkeit immer dringender herbei . Wie leicht ist man doch besänftigt ! Ich war herzensfroh , daß ich mich getäuscht hatte , und erwähnte , daß ich daran dächte , da mein Vater in einigen Tagen zurückkehre , in mein elterliches Haus zu gehen . Der Baron ließ vor Staunen die Zeitung sinken . » Was fällt dir ein , Gretel , wie ? Du scherzest ! « Ich lachte . » Nein , Hanna ist nun fort , und ich habe meinem Vater versprochen , zu ihm zu kommen , sobald er wieder da ist . « Frau v. Bendeleben meinte , es werde ihr sehr schwer , mich fortzulassen . Sie hoffe aber , ich käme jeden Tag ein Stündchen aufs Schloß . » Aber das kommt ja wie ein Blitz aus heiterem Himmel ! « sagte der Baron . » Gretel , du undankbares Ding , wer soll mir abends den Tee einschenken , die Pfeife stopfen und mit mir Schach spielen ? Nein , Klothilde « , wandte er sich an seine Frau , » warum hast du nie früher etwas davon gesagt , ich hätte ja stets abgeredet . « » Gretchen hat schon öfter davon gesprochen , Bernhard « , erwiderte diese . » Der Herr Pastor ist nicht mehr der Jüngste , die alte Kathrin ist auch schon recht stümperig , da finde ich es sehr natürlich , daß sie das Verlangen hat , zu ihrem Vater zu gehen . Sie kommt gewiß recht oft und spielt Schach mit dir . Aber gegen diese Gründe kannst du doch nichts einwenden . « » Die Gründe sind hoch zu achten « , erwiderte der Baron , » aber leid tut es mir doch , es ist , als ob ich noch eine Tochter weggeben sollte . « » Wer weiß , was noch für Gründe mitspielen « , sagte Ruth mit schalkhafter Miene ; » man hat da von dem alten Hause eine wunderschöne Aussicht – « Ich wurde , glaube ich , dunkelrot . Aber zu glücklich , um etwas übelzunehmen , begnügte ich mich , einfach zu tun , als hätte ich die Anspielung nicht gehört . Der Baron blieb verstimmt , und ich sah ihn am Nachmittag den Weg nach dem Dorfe einschlagen . In vierzehn Tagen wollte ich das Schloß verlassen und schrieb an Kathrin , die ich nicht wieder besucht hatte , auf einem Zettel , sie möge sich einrichten , ich käme dann und dann . Eine Antwort erhielt ich nicht , hatte sie auch nicht erwartet . Eberhardt kam wieder , aber allein . Hanna fehlte mir in jeder Weise , ich fühlte mich überhaupt ungemütlich . Hätte mich nicht der Gedanke getröstet : es ist ein Übergang , so wäre es mir doch sehr schwer geworden , von dem Schlosse zu scheiden , schon um des Barons willen . Ruth schien sehr gelangweilt , und in diesem Stadium ließ sie sich sogar herab , mich zu bitten , sie in ihrem Zimmer zu besuchen . Sie lag dann gewöhnlich im reizenden , bequemen Hauskleid auf einem Sofa und hielt ein Buch in der Hand , das dann bald auf den Teppich geworfen wurde . Sie zeigte mir ihre Kästen voll Garderobe , jene prachtvollen , seidenschimmernden Gewänder , mit denen sie bei irgendeinem Hoffeste erschienen war , ließ mich ihre Nippsachen bewundern und plapperte von lauter unbedeutenden Dingen . Über einem kleinen , vergoldeten Schreibtisch hing in ovalem Rahmen das lebensgroße Bildnis des verstorbenen Grafen Satewski . Sie hatte eine Schleife von schwarzem Krepp darüber gehängt , und das eine Ende derselben fiel gerade über das kecke Gesicht mit den lebenslustigen Augen , als ob sie nicht sehen sollten , wie seine junge Witwe so sehr wenig traurig aussah . Sie konnte lange Geschichten erzählen , was die Prinzeß A. zu ihr gesagt und wieviel Rosenbuketts ihr im Winter der Fürst S. geschickt habe , und zuckte mitleidig die Achseln , wenn Hannas und Bergens glückliche Briefe ankamen . » Kann man sich einen faderen Menschen denken , wie meinen teuren Schwager ? Und dann seine ewigen Moralpredigten ! Da ist doch Vetter Eberhardt ein anderer Mann , nicht , Fräulein Margarete ? « Sie lag dabei auf dem Sofa und aß Bonbons . » Ein schöner Mann , der Eberhardt « , fuhr sie in ihrem Gespräche fort . » Ich wüßte kaum einen , der so hübsch wäre . Aber galant ist er nicht , das könnte man nicht gerade behaupten . « Und gerade dies schien ihr zu gefallen ; denn als Eberhardt am nächsten Sonnabend nicht kam , fuhr sie Sonntag nach G. , unter dem Vorwande , etwas besorgen zu müssen . Sie erzählte nachher sehr komisch , daß Bergens sich fürchterlich erschreckt hätten , als sie plötzlich erschienen sei , und daß Hanna unter der Haube ganz leidlich ausgesehen habe , Bergen aber schrecklich würdig den Hausherrn repräsentiere . Sie habe sich nicht zu lange dort aufgehalten , und sobald sie ihre Besorgungen abgemacht , wobei Vetter Wilhelm ihr geholfen habe , sei sie wieder abgefahren . Merkwürdigerweise schrieb mir Eberhardt kein Wort davon , seine Briefe