Diener , und man kann sich nicht wie mit Seinesgleichen unterhalten : man muß sie in schicklicher Entfernung halten , um seine Autorität nicht zu verlieren . Im letzten Winter -- und ein sehr strenger Winter war es , wenn Sie sich noch darauf besinnen , und wenn es nicht schneite , so regnete und stürmte es -- kam vom November bis zum Februar kein menschliches Wesen ins Haus , als der Schlächter und der Postbote , und ich wurde ganz melancholisch , einen Abend wie den andern ganz allein sitzen zu müssen . Zuweilen mußte Lea wohl herein kommen und mir vorlesen , aber ich glaube , das gefiel dem armen Mädchen nicht besonders , es war ihr zu gezwungen . Im Frühling und Sommer geht es schon besser : der Sonnenschein und die langen Tage machen einen Unterschied : und dann kaum gerade zu Anfang dieses Herbstes die kleine Adele Varens mit ihrer Bonne , ein Kind macht ein Haus gleich lebendig : und jetzt , da Sie hier sind , werde ich ganz heiter sein . " Mein Herz erwärmte sich in der That für die würdige Dame , als ich sie reden hörte , und ich zog meinen Stuhl ein wenig näher zu ihr hin und sprach meinen aufrichtigen Wunsch aus , daß sie meine Gesellschaft so angenehm finden möge , wie sie erwartete . " Aber ich will Sie nicht veranlassen , diesen Abend lange aufzubleiben , " sagte sie ; " es ist jetzt auf den Schlag zwölf , und Sie sind den ganzen Tag gereist . Sie müssen sich also ermüdet fühlen . Wenn Sie sich Ihre Füße erwärmt haben , will ich Ihnen Ihr Schlafzimmer zeigen . Ich habe das Zimmer , welches dem meinen zunächst ist , für Sie bereiten lassen ; es ist nur ein kleines Zimmer , aber ich dachte , es würde Ihnen besser gefallen , als eins von den großen Vorderzimmern ; sie sind freilich schöner ausgestattet , aber öde und einsam , und ich schlafe selber nie darin . " Ich dankte ihr für ihre rücksichtsvolle Wahl , und da ich von meiner weiten Reise ermüdet war , erklärte ich mich bereit , mich zur Ruhe zu begeben . Sie nahm ihr Licht , und ich folgte ihr aus dem Zimmer . Zuerst ging sie , um zu sehen , ob die Hausthür auch zu sei , zog den Schlüssel ab und ging voran die Treppe hinauf . Stufen und Geländer waren von Eichenholz ; das Fenster auf der Treppe war klein und vergittert , und dieses , so wie die lange Gallerie , zu welche die Thüren des Schlafzimmers hinausführten , sahen aus , als ob sie eher einer Kirche , als einem Hause angehörten . Eine sehr kalte Luft , wie in einem Gewölbe , herrschte auf der Treppe und der Gallerie , was die unerfreuliche Idee ? ? ? [ 126 ] von weiten und einsamen Räumen erweckte , und es war mir lieb , als ich endlich in mein Zimmer geführt wurde , es klein und nach dem gewöhnlichen modernen Styl ausmöbliert zu finden . Als Mistreß Fairfax mir freundlich gute Nacht gewünscht und ich meine Thür verriegelt hatte , sah ich mich gemächlich um . Der unerfreuliche Eindruck , den die weite Vorhang , die dunkle und geräumige Treppe , so wie die lange und kalte Gallerie auf mich gemacht hatten , wurde durch den wohnlichern Anblick meines kleinen Zimmers verdrängt , und ich erinnerte mich , daß ich nach einem Tage körperlicher Anstrengung und ängstlicher Erwartung jetzt endlich sicher im Hafen sei . Die Dankbarkeit schwellte mein Herz ; ich kniete neben meinem Bette nieder und brachte meinen Dank dort , wo ich ihn schuldig war ; auch vergaß ich nicht , ehe ich aufstand , mir weitere Hülfe zu erflehen , so wie die Fähigkeit die Güte zu verdienen , die mir so freigebig angeboten worden , ehe ich sie verdient hatte . Mein Lager hatte in jener Nacht keine Dornen ; mein einsames Zimmer keine Furcht . Zugleich ermüdet und zufrieden , schlief ich bald fest ein : als ich erwachte , war es heller Tag . Das Zimmer erschien mir wie ein sehr hübscher kleiner Ort , als die Sonne zwischen den Fenstervorhängen von blauem Ritz hereinschien und mir die tapezierten Wände und den mit Teppichen belegten Fußboden zeige , so ungleich den bloßen Dielen und den angespritzten Kalkwänden zu Lowood , daß mein Geist bei der Ansicht sich hob . Das Aeußere übt eine große Wirkung auf die Jugend : es war mir , als beginne ein glänzender Abschnitt meines Lebens- ein Abschnitt , der seine Blumen und seine Freuden , so wie seine Dornen und seine Mühseligkeiten haben werde . Meine Fähigkeiten erwachten bei dem Wechsel der Scene , das neue Feld , welches der Hoffnung dargeboten wurde , schien ganz lebendig . Ich kann nicht genau erklären , was ich erwartete , aber es war etwas Angenehmes ; vielleicht nicht an dem Tage oder in dem Monat , sondern zu einer unbestimmten künftigen Zeit . Ich stand auf und kleidete mich mit Sorgfalt an . Freilich war ich genöthigt , einfach zu erscheinen , denn ich hatte kein Kleidungsstück , welches nicht mit der äußersten Einfachheit gemacht war ; doch war ich stets von Natur zur Zierlichkeit geneigt . Es war nicht meine Gewohnheit , unachtsam gegen die äußere Erscheinung oder unbekümmert um den Eindruck zu sein , den ich machte : im Gegentheil wünschte ich stets so gut auszusehen , wie ich konnte , und so sehr zu gefallen , als mein Mangel an Schönheit es gestattete . Ich bedauerte zuweilen , daß ich nicht schöner sei : ich wünschte zuweilen rosige Wangen , eine griechische Nase und einen kleinen Kirschenmund zu haben ; ich wünschte , meine Gestalt möchte groß , stattlich und schön entwickelt sein ; ich hielt es für ein Unglück , so klein und so blaß zu sein ,