tun , Großmutter ? « frug Konrad leise ; » willst du sie wieder frieren lassen ? « Sie sah nicht auf . Sie hörte nur : welch rührend zartes Beben war in dieser Stimme ! Es klopfte einmal , zweimal . Giovanni erschien unter der Türe . » Was ist ' s so spät ? « herrschte ihn Konrad an . Er machte einen tiefen Bückling . » Der Wind riß die Fahne vom Turm . Ich sagte längst , daß die Stange morsch ist . « » Und damit erschreckst du uns jetzt ? ! « » Damit Frau Gräfin morgen früh nicht erschrecken . « Er verschwand wieder . Gräfin Savelli sah ihm nach ; auch als er schon gegangen war , hafteten ihre Blicke noch in derselben Richtung . Was war es doch , was der Alte ihr einmal vor Jahren geraten hatte ? Die Liese hatte sie ins Haus nehmen sollen , des Müllers Liese , als der Knabe zum Jüngling gereift war . Pfui ! » Großmutter , ich bitte dich , mir zuliebe , wenn du es um ihretwillen nicht tun magst : halte die Else fest ! « drängte Konrad . » Um deinetwillen - gut ! « Sie erhob sich , ihm die Hand reichend . » Und nun kein Wort mehr darüber . « Eine fremde Härte lag auf ihrem Gesicht . In dieser Nacht fand Konrad Hochseß keinen Schlaf . Er konnte es nicht erwarten , ihr zu sagen , daß sie bleiben dürfe , bleiben müsse ! Er lauschte angestrengt ; jedes Knacken im Holz , jedes Rascheln der Gardinen , jedes Knarren des Fensterladens ließ ihn auffahren : war es ihre Zimmertüre , ihr Kleid , ihr Schritt ? Aber auch als der Morgen dämmerte , wartete er umsonst . Schweißperlen standen auf seiner Stirne : war sie nicht totenblaß gewesen gestern abend , als sie schlafen ging ? Vielleicht war sie über Nacht erkrankt , lag hilflos und in Schmerzen allein in ihrem Zimmer ! Oder sie hatte sich gar nicht niedergelegt , hatte heimlich das Haus verlassen ! Er sprang aus dem Bett und fuhr hastig in die Kleider . Dann schlich er hinaus . Den langen Flur über die Galerie der Diele bis zum anderen Flügel , wo die Fremdenzimmer lagen , mußte er hinuntergehen , an der Wohnung der Tanten , an der des alten Habicht vorbei . Vor jeder Pforte horchte er , ob nicht ein Laut das Wachen der Bewohner verriete . Doch alles war still . Aus den großen Fenstern der Galerie sah er auf den Hof hinab : nichts bewegte sich . Drückende Sommerschwüle ließ jedes Blatt am Baum reglos schlafen . Schwer hing das Fahnentuch von der niedergerissenen Stange am grauen Gemäuer des Turms . Wie blaß die rote Rose auf dem weißen Grunde aussah ! Von der Sonne ausgezogen , vom Regen verwaschen - verwelkt . Ein Fest wollen wir feiern , ein großes Fest und eine neue Fahne hissen , mit einem strahlenden Symbol des Glücks , dachte er freudig erregt und meinte Else vor sich zu sehen , im weißen Kleid mit Blumen im Haar , wie ihre kleine Hand mit silbernem Hammer das Tuch an die starke Stange nagelte . Else ! Das Herz schnürte sich ihm zusammen . An ihrer Türe stand er jetzt ! War es der Ton des brausenden Blutes in seinen Ohren , oder bewegte sich etwas hinter ihr ? Gewißheit - um Gottes willen , Gewißheit ! Er drückte die Klinke herunter - » Wer ist da ? « - eine geängstigte Stimme . » Ich , « und schon stand er vor ihr . Sekundenlang dunkelte es ihm vor den Augen . Dann sah er : ein unberührtes Bett - einen halb gepackten Koffer und sie - sie ! » Du bleibst - bleibst ! « ein erstickter Schrei war ' s. An jenem Morgen gab sie sich ihm . Die Gräfin Savelli saß an ihrem Frühstückstisch ; nachdenklich zerbröckelte sie das Brot zwischen den Fingern und überflog abwesenden Blicks die Postsachen , die ihr eben gebracht worden waren . » Ist der Herr Baron schon auf ? « frug sie den Diener . » Als ich eben den Kaffee brachte , schlief der Herr Baron noch , « antwortete er . Sie nickte . Also wußte Else noch nicht , daß sie ihrem längeren Bleiben zugestimmt hatte . Ein befreiender Atemzug hob ihre Brust . Wie hatte sie nur einen Augenblick lang so grausam , so unmenschlich sein können ! Dieses Mädchen mußte gehütet , nicht preisgegeben werden . Der Diener erschien schon wieder . » Fräulein Gerstenbergk , « meldete er . » Ich lasse bitten . « Mit ausgestreckter Hand ging sie ihr entgegen . Mitten im Zimmer aber stockte ihr Fuß . Schwebenden Schritts , als hätte ihr Körper keine Schwere , war Else über die Schwelle getreten . Ihr Antlitz leuchtete . Ob es auch bleicher und schmaler war als sonst und die Augen dunkel umschattet . Es war nicht der Glanz eines Sieges , nicht das Strahlen genossener Lust . Es war wie alte Marienbilder , aus Holz geschnitzt , in dunklen Kapellen über der ewigen Lampe leuchten . » Ich möchte fort , gleich jetzt , Frau Gräfin , « sagte sie , ohne daß ihr Ausdruck sich änderte . Die Angeredete war zu benommen , als daß sie hätte antworten können . Sie sah das Mädchen nur an . » Sie haben mich länger behalten wollen , « fuhr Else fort . » Sie wissen ? ! « Der Blick der Gräfin war eine erstaunte Frage . Ein Lächeln , das weich ihren Mund umspielte , ein großer , freier Augenaufschlag begegnete ihr . Und die Blicke der beiden Frauen tauchten tief ineinander . Bis sich die dunklen Sterne der Gräfin , tränengefüllt , niedersenkten . » Setzen Sie sich zu mir - so - ganz nah , mein liebes