sie nicht wie eine kleine Leiche ausschaut . « Am Ende der Allee stand ein Kiosk , in dem sich eine Konditorei befand , Stühle und Tische waren davor aufgereiht . » Ich werde hier ein wenig Gefrorenes essen , « sagte Lydia , » und Sie werden mir assistieren . « » Sollte diese Situation besonders ratsam sein ? « versetzte Egloff kühl . Lydia war erstaunt . » Warum nicht ? Daß Sie zusehen , wie ich Gefrorenes esse , dagegen können die Grobiner doch nichts haben . « So setzten sie sich denn . Das Konditorfräulein trat heran , bleich und blond , einen Kneifer auf der Nase , und sagte mit einer Stimme , die in ihrer gleichgültigen Ruhe es zu unterstreichen schien , daß sie an der Situation nichts Auffallendes fand : » Erdbeeren und Vanille . « Lydia bestellte Erdbeeren . » Erdbeergefrorenes , « erzählte sie , » war von Jugend auf mein Lieblingsgefrorenes . Als kleines Mädchen , wenn es im Jahre wieder zum ersten Male Erdbeergefrorenes gab , dann schloß ich beim ersten Löffel die Augen und dachte , ich hatte ganz vergessen , daß dies das Schönste auf der ganzen Welt ist . Ich glaube , es wäre sehr gut , wenn wir alles , was uns Vergnügen macht , von einem auf das andere Mal vergessen würden , dann wäre es immer neu für uns . « Das Gefrorene kam ; Lydia schob ihren Schleier zurück , um ihre Lippen zu befreien , und begann langsam und mit Genuß zu essen . Egloff sah ihr zu , das war die Beschäftigung , die seiner trägen , zerfahrenen Stimmung gerade wohltat . Was sie nur vorhat ? dachte er dabei . Als Lydia mit dem Essen fertig war , lehnte sie sich befriedigt in ihren Stuhl zurück . Sie warf einen flüchtigen Blick zum Konditorfräulein hinüber ; dieses hatte einen Leihbibliothekenband aufgeschlagen und las . Da sagte Lydia leise : » Ich schlafe jetzt auch besser . « » Das freut mich « , erwiderte Egloff und schaute erstaunt auf . » Ja , « fuhr Lydia fort , » ich habe mir ein neues Schlafmittel erdacht . Wenn die Nacht schön ist , gehe ich so um Mitternacht mit meiner Amalie in den Garten hinaus . Ganz wie voriges Jahr schleichen wir leise durch den Wintergarten . Das erinnert mich dann so an voriges Jahr , die Heliotrop und Oleanderbüsche , an denen wir im Dunkeln vorüberkommen , und im Garten sitzen wir auf derselben Bank , auf der ich voriges Jahr saß . Ich sitze da , als ob ich warte , und wenn ich müde werde und ins Haus gehe , um mich zu Bett zu legen , dann kann ich schlafen . « Egloff hörte aufmerksam und lächelnd zu . Die naive Schlauheit dieser Frau überraschte ihn . » Fällt das im Hause nicht auf ? « fragte er . » Es fällt auf , « erwiderte Lydia ruhig , » man hat mich auch darnach gefragt , nun , ich sagte , ich habe Beängstigungen in der Nacht , und ich muß hinaus . Man ist eine Nacht auch hinausgegangen , Amalie und ich standen hinter einem Busch , als er an uns vorüberging . Aber jetzt hat man sich beruhigt . « » Der arme Junge « , murmelte Egloff . Da sprühten kleine böse Lichter in Lydias Augen auf . » Mich bedauert niemand « , sagte sie . Egloff zuckte leicht mit den Schultern , da beruhigte sich Lydia gleich wieder , sie stand auf , legte Geld auf den Tisch , zog ihren Schleier zurecht . » Jetzt muß ich gehen , « sagte sie , » ich werde bei meiner Schwiegermutter erwartet . « Sie reichte Egloff die Hand . » Ich danke Ihnen für Ihre Gesellschaft , besonders unterhaltend waren Sie nicht , aber Sie hörten mir aufmerksam zu , das erkenne ich an . « Sie sah ihm dabei mit der unverhohlenen Koketterie , die ihr eigen war , in die Augen . Als sie gegangen war , setzte Egloff sich wieder . Es tat ihm fast leid , daß sie fort war ; diese kleine Frau hatte ihn unterhalten . Wie sie stark wollen konnte ! Wie unbedenklich und eigensinnig sie festhielt ! Die Anlagen füllten sich jetzt , die Grobiner Bürger mit ihren Frauen und Töchtern machten ihren Abendspaziergang , ließen sich wohlig von der Abendsonne vergolden . Egloff saß noch da und dachte darüber nach , ob er heimfahren oder in den Klub gehen sollte . In den Klub zu gehen war natürlich töricht und widersinnig , dennoch schien es ihm wahrscheinlich , daß er da hingehen würde . Fünfzehntes Kapitel Baron Port und Gertrud machten einen Abendbesuch in Paduren . Langsam ging der Baron Port neben dem Rollstuhle des Barons Warthe hin , und die Herren sprachen von Kreiswahlen . Fastrade und Gertrud folgten ihnen . Sie begaben sich zum kleinen See unten im Park , denn es war die Gewohnheit des Barons Warthe , sobald das Wetter es erlaubte , um Sonnenuntergang dort am kleinen See zu sitzen , um zuzusehen , wie die Wildenten einfielen . Gertrud klagte über ihre Gesundheit : » Der Frühling ist mir zu stark , er regt mich auf und macht mich wieder müde , und die Erinnerungen werden um diese Zeit so laut und deutlich , ich freue mich auf den Sommer ; ich will mich um Mittagszeit ins Heidekraut legen , dort wird es dann still und heiß sein . « An einer geschützten Stelle des Seeufers waren Stühle hingestellt , und man nahm dort Platz . Der Abend war windstill ; regungslos standen die Inseln von Schachtelhalm und Röhricht im dunklen Wasser , und die Abendsonne vergoldete ihre Spitzen ; regungslos umstanden die großen Bäume den See , hie und da blühte schon eine Kastanie in ihrer weißen Feierlichkeit mitten unter den grün verschleierten