Bauer . » So ist beschlossen , daß man ' s tut ! « Der Ältestmann ließ sich vom Zaunpfosten herunterheben . » Leut , Leut , Leut ! « rief der Runotter mit hallender Stimme . » Das ist kein andächtiger Bittgang nit ! Das ist Landsverrat ! « Alle hundert Stimmen brüllten gegen den einen . Und Malimmes schrie : » Laß gut sein , Bauer ! Steckt der Karren so tief im Dreck , da müßt man im Dutzend helfen . Einer lupft ihn nimmer . « Doch Runotter , während ein Schwärm von Buben schon nach allen Seiten auseinanderstob , um das Almvieh heimzuholen , faßte den Ältestmann am Kittel , rüttelte ihn und schrie wie von Sinnen : » Mensch ! Was tust denn , Mensch ? Bist der Ältest , solltest der Klügste sein und bist der Dümmst . Und hetzest die Leut ins Verderben ! Und redest zu Landsverrat und Treubruch ! « » So ? « keuchte der Greis . » Und wie heißt denn , was die Herren tun ? « » Wenn einer stiehlt , muß da gleich jeder ein Dieb sein ? Die Treu verlassen , heißt auf den Mist springen , nit auf guten Boden ! Der Fürst tut Unrecht an uns . Ist wahr ! Das werden die Herren einsehen - « » So ? Und bis sie ' s einsehen , liegt ein Häufl von uns beim Seppi Ruechsam oder hängt an den Ulmen . Das Leben ist eh noch alles , vpas der Bauer hat . « Hundert Stimmen schrien das gleiche . » Leut , Leut ! « rief Runotter . » So tut doch Vernunft haben um Herrgottschristi willen ! Ihr stoßt ja die eignen Häuser in Scherben und versauet das eigne Feld ! Wo einer Untreu übt , geht Feuer nieder , daß ihm die Händ verbrennen . Leut , Leut ! Habt ihr nit dem Fürsten geschworen - « Da kreischte eine Frauenstimme aus dem wühlenden Lärm . » Du hast ' s nötig , daß du so für die Herren redest ! Denkst nimmer an dein Weib ? « Über das Gesicht des Runotter fuhr eine kalkige Blässe . Stumm biß er die Zähne übereinander . Dann hob er die Hände und wollte reden . Doch ein wirres , wildes Geschrei , in dem sich Hohn und Grauen mischte , erstickte sein Wort . Einer auf der Straße schrie : » Da kommt des Richtmanns höfische Treu geritten ! « Und wieder jene Frauenstimme : » Guck her , du ! Guck ! Wie ' s die Herren treiben ! Oder ist das ein Gruß von deinem Weib ? « Eine Gasse tat sich auf , die Menschen wichen zurück und Runotter sah den reitenden Tod , der ein verschobenes , bresthaftes Körperchen hatte . Die Augen des verstörten Mannes irrten . War der Tod so ein reicher Herr , daß er eine Fürläuferin besolden konnte ? Und zwei Diener , die ihn stützten ? Einen in staubgrauer Seide und einen mit blutiger Leinenkappe ? Und hinter dem reitenden Tode lief ein Schwärm von Kindern her wie hinter einem Blatterpfeifer mit lockenden Tönen . Ein dumpfer Lärm . Doch für Runotter war alles ein kaltes Schweigen . Er bewegte sich wie ein Erwachender . Dann stieß er die Fäuste vor sich hin . » Jula ? « Das war ein Laut wie das Röcheln eines sterbenden Tieres . » Wer ? « Mühsam atmend , erschöpft , mit steinernem Gesicht sah Jula den Vater an . » Da - schau - jetzt komm ich heim - - mit dem Jakob . « Er krampfte die Fäuste in ihre Schultern und rüttelte sie , daß ihre niedergerissenen Haare rieselten . » Wer ? Wer ? Wer ? « Ihr Gesicht verzerrte sich . » Der Spießknecht , der mich nöten hat wollen . « Runotter fuhr sich langsam mit dem Arm über die Stirne , und sein Rücken krümmte sich . Da sah er , daß der kleine Tod im Sattel sich auf die Seite neigte - Lampert und Heiner hatten die Riemen und den Knoten der Schärpe gelöst - und Runotter sprang unter keuchendem Laut auf den Rappen zu und umklammerte mit den Armen die kalte , starre Mißform , die sein Kind gewesen . Schreiend und schmähend drängten viele Leute gegen Lampert hin , und bei ihren Flüchen hoben sie die Fäuste . Andre kreischten auf den Runotter ein . Wieder hörte man jene Frauenstimme schrillen ; es war die Stimme der Schwarzeckerin , deren seliger Mann so prachtvoll hatte pfeifen können ; sie schrie : » Hast allweil die Jula noch ! Die mußt zum Gaden schicken ! Aber die Herren , weißt , die haben ' s gern linder als auf der Alben . Gib der Jula das Bettzeug mit ! Da bist ein Treuer . « Runotter , den toten Krüppel umklammernd , sah über die Gesichter hin wie ein Irrsinniger . Und da fragte ihn der Ältestmann : » So , Mensch , was tust denn jetzt ? « Runotter nickte : » Ich höre schon , ja ! « » So red ! Was tust ? Gehst mit zum heiligen Zeno ? « Und hundert Stimmen schrien es nach : » Gehst mit ? Gehst mit ? « Er sah das vom schwarzen Haar umwuschelte Gesicht seines kalten Buben an . Dann hob er den Kopf , sein Körper streckte sich , und mit langsam gleitenden Augen sah er über das Gewühl der Leute hin . Wieder schrien viele Stimmen : » Gehst mit ? Gehst mit ? « Er sagte : » Mein Leben ist müd . Ich steh im Elend da . Aber mich niederhocken in den Dreck ? Das tu ich nit . Ich bleib , wo ein sauberes Hausen ist . Geht euren Weg ! Ich such den meinen . « Taumelnd , als wäre der leichte Körper auf seinen