sein Lebtag keinen andern Unterricht gehabt , denn jenen bei dem rauhen , alten Karrner und der guten Pflegmutter ; welches Weistum aber mit ein wenig Rechnen und ein paar frommen Bibelsprüchen sein Bewenden hatte . Mußt also dieser Gesell manchen alten Strauß mit der wilden Katz ausfechten und großen Fleiß brauchen , sie ein wenigs handlicher und manierlicher zu schaffen für das Gewerb , dem er oblag . Bracht sie also dieser Kraxentrager nach vieler Müh am End dahin , daß sie gleich ihm die Kirm auf den Buckel nahm und den Weibsleuten dies und jenes aufschwatzte . Und da sie bald einen guten Begriff von solcher Handelschaft bekam , wußte sie dies Geschäft schließlich zu einem ganz einträglichen zu machen , gab den Weibern allerhand Ratschläge in geheimen Anliegen und spielte nicht selten um klingende Münz die Kupplerin und Vermittlerin in Ehe- und Liebessachen . Am End trennte sie sich von ihrem langjährigen Genossen und zog nun , abenteuerlich gekleidet und herausgeputzt , mit ihrer Kirm durch die Berg , hatte bald diesen , bald jenen Liebhaber , kam wohl auch zu den Schlössern reicher Adliger , bei denen sie als ein fremds Wunder viel beschaut , als bildschöns und kurzweiligs Frauenzimmer wohl auch daselbst etliche Zeit aufgehalten und gar fein gewartet und bedient wurde . Zog endlich als Tiroler Katherl von Schloß zu Schloß , ging auch in Städte und führte ein abenteuerlichs Leben , bis sie schließlich in die Jahr kam , da aus der Buhlerin gemeiniglich eine Beterin wird . Hatte sich im Lauf der Zeit ein schöns Häuflein Gulden erspart und fing also an , dieselben wohl einzuteilen , daß sie , wie sie vermeinte , so ein zwanzig Jährlein davon kunnt zehren , bis sie der Gvatter Sichelmann auf die Totenschragen brächt . Zog also in das bayrische Zell und führte da ein beschaulichs Leben . Nun aber war sie längst ihre hundert Jahr alt ; die Gulden hatten sie alle verlassen , und der Gvatter wollt immer noch keine Freundschaft mit ihr halten ; da suchte sie eine andere , schloß sich an die Totenpackerin von Bayrischzell an und nahm bei dem bleichen , kinderreichen Weib , dessen Ehewirt ein Flickschneider und Säufer war , das armselige Logis , in dem ich sie nun fand . Sie bot mir einen wackligen Hocker an und setzte sich auf das Bänklein neben dem Himmelbett , wickelte den groben , hölzernen Rosenkranz , den sie grad in der Hand hielt , um die Finger und begann , mich des langen und breiten um mein Herkommen , meine Heimat , meine Eltern zu befragen , schwatzte viel über sich und über den Bildlthomas , den sie vor vielen Jahren schon kennen gelernt hatte , als er noch ein gar sauberer Bursch gewesen war , und sagte zu guter Letzt , daß sie gern und mit Freuden den Tag vor Lichtmeß kommen wollt , worauf ich eilig zurücklief und dem alten Vater diesen fröhlichen Bericht gab . Der verwunderte sich zwar immer noch über mein narrets Getue und sagte : » Daß dir nur dein Gaul nit durchbrennt , wennst ' n gar so aufs Rennen schickst ! Hätt nit vermeint , daß d ' dir so schnell ' n Übermacht an meiner Suppen gessen hättst ; aber i will di nit aufhalten , wann ' s di nimmer gfreut bei mir ! « Darnach nahm er ein Stricklein und begann , an mir zu messen ; » denn « , meinte er , » mit so einem einschichtigen Klüftl in d ' Fremd zu gehen , das taugt nit . « Worauf ich ihm erwiderte : » Habs doch gar nit im Sinn , in d ' Fremd z ' gehen ! Bloß so ein etlichs Ortschaften möcht i sehgn , andere Leut möcht i kennen lernen und eine Weil fortwandern möcht i. Darnach geh i ja wieder gern zruck zu Enk ! « Der Alte aber schüttelte immerfort den Kopf , und am End sagte er : » Glaub nix mehr ! - Dös Eichkatzl , was mir selbigsmal auskommen ist , hab i nimmermehr gsehgn ; habs aa schon über fünf Jahr ghabt ! « Ich meinte : » Das ist doch was ganz anderes ! Da wird halt ein Raubvogel drüberkommen sein , oder es hat nimmer heimgfunden aus ' m Holz ! « » Ja , ja « , sagte da der alte Vater seufzend ; » kann scho sein ; dahin is dahin . « Damit nahm er seine Pelzhaube und den Stecken , holte etliche Gulden aus der Truhe , hing den Schafpelz um und ging , mir eine Kluft zu bestellen . Kam also auf den Abend heim und brachte ein schöns Tuch mit , ein oder zwei Ellen , auch etwas zu einem roten Leibstückl , und sagte : » Der Schneiderkaschbar kimmt morgn auf d ' Steer . « Darnach ging er gleich und legte sich schlafen , so daß es mir recht unwirtlich vorkam in der Hütten und ich also auch , ohne ein Bißlein zu essen , in mein Heu kroch . Kunnt auch den andern Tag nicht recht froh werden , obgleich der Schneiderkaschbar , ein gar loser Spaßmacher , bald ein witzigs Wort , bald eine närrische Gebärde fürbrachte , auch keinen Augenblick das Maul hielt und bei jedem Nadelstich ein anders Grimassengesicht machte ; er wußte alle lustigen Schwänk , die man sich im ganzen Umkreis seit undenklichen Zeiten erzählte ; er kannte alle Schelmenlieder , die man in den Tälern und auf den Almen sang , und berichtete alle Lächerlichkeiten der Leut , bei denen er gearbeitet hatte . So wußte er , daß die Strieglerin ihren Ehemann einmal im Schubkarren aus dem Wirtshaus heimgefahren hätt , weil er schon so voll war , daß ihm das Stehen nicht mehr geriet . Er war auch dabeigewesen , wie der Bühlermartl seine Alte bis zum Hals in den Misthaufen eingrub , weil