halten , wollte mal eine Runde für allemann ausgeben , wollte mal mit den Mädchen linksum tanzen und sie in der Nacht nach Hause bringen , die erdbeerseuten Deerns , und nun wurde wieder nichts daraus . Er mochte es Klaus Mewes nur nicht antun , der einen so treuen und fixen Jungen nicht wieder bekäme : sonst hätte er sich mit Trommeln und Pfeifen aufgesagt , jawoll , Klaus Mewes ! Gesa war ruhiger geworden : sie konnte den beiden lachenden Klaus Mewes auf die Dauer doch nicht grollen , wenn sich ihr Herz auch zusammenzog und sie mit Grauen an die einsame Zeit dachte , die vor ihr lag . Auch wollte sie vor ihrem sonnensicheren Mann nicht mehr klein und verzagt stehen . So half sie eifrig bei der Ausrüstung des Fahrzeuges und suchte die Sachen für den Jungen her , wobei sie sogar wieder zu ihrer angeborenen Heiterkeit kam . Was packte sie nicht alles ein , was machte sie nicht alles zurecht , was suchte sie nicht alles her ! Es war , wie Klaus scherzend sagte : als wenn Störtebeker auf Lebenszeit nach Amerika auswandern oder als wenn er eine Nordpolexpedition mitmachen wolle . Strümpfe und Socken , wollene Jacken , Rümpfe und Buscherumpen , Halstücher , Handschuhe und Taschentücher , Mützen und Hüte , Unterhosen und Pulswärmer : ganze Beutel voll standen auf der Diele in der Reihe , rein gefährlich anzusehen ! Gesa ging dabei nach dem Grundsatz der Fischerfrauen , der da hieß : Upt Woter ist jümmer kold - und kehrte alle Schiebladen um . Seife und Kamm , Heftpflaster und Hamburger Tropfen , Scharpie und Verbandsleinen , alles gehörte dazu . Klaus Mewes überholte unterdessen die Räucherkammer und musterte einen Schinken , eine Seite Specks und eine erkleckliche Anzahl von Mettwürsten an , indem er sie von der Leine schnitt . Störtebeker barg das Hütfaß und stellte die Bungen auf den Schauerboden , die er den Bauernknechten wieder weggeholt hatte . Dann schleppte er den Kaninchenkoben auf den Deich , denn er wollte sein Viehwerk mit an Bord haben , auch seine Krähe , aber da kam Kap Horn und redete es ihm aus : sie hätten für die Munkis kein Futter , und Kluß könne sich ja doch nicht mit Seemann vertragen . Störtebeker sah es ein und kantete den Stall wieder über die Wurt , er konnte sich aber nicht enthalten , vorwurfsvoll zu sagen : » Du hest mi ober sülben seggt , wat ji up grote Scheep Swien un Kninken an Burd hatt hebbt . « » Jo , op grote Scheep « , sagte Kap Horn , » dat is ok wat anners ! « » So ? Fischereber is ok een grot Schipp « , rief Störtebeker patzig . Nach Mittag mußte er mit Hein den Deich entlang , mit der Karre , und Brot und Mehl holen , Pflaumen und Erbsen , Graupen und Bohnen , Zucker und Kaffee . Er hatte seine Siebenmeilenstiefel an und konnte nur langsam vorwärts kommen , dennoch erregte er Aufsehen genug am Deich und wurde von allen Seiten gefragt , ob er nun mit an Bord komme . Und wenn er bejaht hatte , dann sagten sie , er solle bloß nicht seekrank werden , solle kein Heimweh kriegen und solle aufpassen , daß er nicht über Bord falle . War er aber vorbei , so hieß es bei den Alten : » Sien Vadder is verrückt : wat schall dat Gör all up See ? « Der Krämer , ein Schelm , schenkte ihm einen langen Bindfaden . » Wat schall dat denn ? « fragte Störtebeker verwundert . » Och , nehm man mit ! Is god för de Fohrt ! « » Neem to ? « » Kumm , dat segg ik di int Uhr « , raunte der Krämer und flüsterte : » Dor bindst du di de Been mit to , Störtebeker : du deist de Büx jo doch vull , wenn ji up See sünd . « Da warf der Junge den Bindfaden auf die Toonbank und sagte , ihm könne sowas nicht passieren . Sie wurden bis Hochwasser doch noch nicht ganz fertig und verschoben die Abfahrt deshalb auf den andern Tag . Störtebeker mißtraute der Sache , er fürchtete , daß sein Vater ihm auskneifen wolle , und horchte in der Nacht alle Augenblicke , ob sich in der Schlafkammer auch etwas rege . Als er schließlich die Augen nicht mehr offen halten konnte , zog er leise seines Vaters Strümpfe vom Stuhl und steckte sie bei sich unter die Decke mit dem Gedanken : Nu will ik ' t woll hürn , wenn du upsteihst ! Der andere Morgen verging rasch . Störtebeker fuhr ununterbrochen zwischen Bollwerk und Ewer hin und her und brachte alle Beutel und Packen , alle Brote und Würste , alle Kruken mit Weißsauer und Schwarzsauer sicher an Bord . Es war zu verwundern , daß er sich nicht in Brand lief . Als der Flutstrom nachließ , war es soweit , daß sie an Bord mußten . Der Abschied nahte . Gesa mußte ihrem Jungen die Hand geben : sie tat es scheinbar ruhig ! Er sprang vor Freude , daß es nun wirklich und dreihaftig losgehen sollte , und versprach alles , was sie von ihm verlangte : sich nicht zu erkälten , nicht seekrank zu werden , nicht zu weinen , nicht über Bord zu fallen , nicht in die Wanten zu klettern , sich nicht von den Fischen beißen zu lassen und gesund zu bleiben . Er hätte in diesem Augenblick noch viel mehr versprochen , dann aber drängte er zur Abfahrt , stiefelte den Deich hinunter und rief seinen Vater , der in der Stube lachenden Mundes Adjüst sagte und seine schöne Frau küßte , bis sie sich ihm verwirrt entzog . Der Kahn mußte mit , Störtebeker sagte , sonst gingen die Jungens ihm damit durch die