Keim schon sein Todesbewußtsein in sich . Und doch - eine Tat ? Aber Sie verdienen Freundesvertrauen . Und so hören Sie denn das Bekenntnis meines frömmsten Glaubens : Ich glaube , daß es eine Stunde geben kann , die das Ich , - dieses tausendfältig gebundene und einsame , - aller seiner Bande entbindet , - die es frei macht , für immer . Das ist die Stunde , in der es dem einzigen Genossen begegnet - dem Zugedachten - und ihn erkennt , in voller Deutlichkeit . Aber ich glaube nicht , daß zu dieser Stunde und über diese Stunde ein ebener , grader Weg führt , - das mit dieser Begegnung und mit dieser Erkenntnis auch ein Besitz verbunden sein müsse , der aus zweien wahrlich eines macht ... Wäre ich theosophisch veranlagt , - ich hoffte auf die immer wiederkehrende Begegnung , bis , auf höherer Bahn , die Wege sich so einen , daß es kein Verlieren mehr gibt . Aber ich hoffe nicht - in diesem Sinne . Nur daß Begegnung möglich sei , - wenn auch ohne Erfüllung - das ist mein Glaube . Und ich weiß auch , - das andere , - das Allzuirdische : daß Hunger und Wegemüdigkeit ihre Rechte verlangen ... und Kompakte schließen heißen . Dies , was ich Ihnen zu sagen habe . Ich lese die Gedichte der Baronin ; verweile gern auf den Worten , solange ich die Blätter vor mir habe . Leben Sie wohl und ruhig . Olga Diamant . « Darauf kam noch ein Brief : » Ich bin froh , wenn ich an Sie denke ! Nicht wie in die rote Glut , nicht wie in ein Chaos zuckender Blitze , - nein , - wie in ein helles , weites , edles Gemach , so blicke ich in Ihre Seele . Vielleicht werde ich bald schuldig werden an Ihnen . Verlassen Sie mich nicht - wie immer es sein wird zwischen uns ! Ich mag Sie nicht verlieren , - wie immer es sein mag zwischen uns . Sie dürfen mich nicht verlassen , - denn ich bin ein Unglücklicher , einer der am Lichte der Sonne und an den Freuden des Weibes schuldig wird , schuldig an seinen Liedern , schuldig an seinen Küssen . Aber meine Wünsche sagen ja . Und meine Wünsche küssen Sie . Und bald werde ich sagen : hier bin ich . Ich bin nicht die Begegnung , - nein . Aber ich bin ich , und ich bin hier - werde ich sagen . Leben Sie mir wohl , Liebe , Schöne . Ich komme bald , denn ich sehne mich nach Ihnen . Meine Leiden haben mich demütig gemacht , darum küssen meine Wünsche nur scheu Ihre edlen Hände . Werner Hoffmann . P.S. Die Gedichte der Baronin senden Sie , wenn Sie damit fertig sind , bitte direkt an den Verlag ; ich habe die Annahme veranlaßt . « So war sie , wie es ihr Geschick schien , die Freundin der Umhergetriebenen , der Unbehausten , derer , die , wenn auch nur im Schatten eines fremden Daches , rasten möchten . War es die Wirkung ihres eigenen Schreitens , ihrer gebändigten Kraft , die diese Zusammengebrochenen anzog , die die Entgleisten und Ausgesprungenen mit wärmendem Frieden füllte ? Sie fühlte sich ihnen gegenüber bettelarm . Was konnte sie ihnen geben , - was wollten sie von ihr ? ! Eine schmerzliche Neigung , gemischt mit einem herben Verzicht , verband sie mit diesen Zerstörten . Einem Heilen , einem Ganzen , einem glücklichen Starken begegnen und sich ihm verbünden dürfen , - das war die Sehnsucht , von der ihre stillste Stimme sprach . Und dieser Stimme galt ihr bewußter Verzicht . Koszinsky besuchte sie . Es schien ihr , als wäre sie für ihn die Repräsentantin einer Schicht , für die er verloren war , zu der durchzudringen es ihm an genügend unnachgiebigen Antrieben mangelte . Während seiner Zigeunerfahrten waren sie gebrochen worden . Mit dem selbständigen Spürsinn des weiblichen Gemütes fühlte sie das sehr bald deutlich ; sie fühlte , ohne daß er es aussprach , daß er von ihrer Weiblichkeit nichts mehr für sich erwartete , noch begehrte . Ihre einstige nahe Begegnung lag zwischen ihnen wie eine Brücke , die um eines lebhaften Gewässers willen geschlagen worden war ; der Fluß aber war versiegt , seine Quellen waren verschüttet , - nur die Brücke war noch da . Und sie führte immerhin über die Niveauhöhe des gemeinen Tages und wölbte sich gangbar über die trockene Erdfläche , die das einstige Flüßlein ihrer Liebe mit lebendigem Geplätscher erfüllt hatte . Sie wußte , daß die wenigen Stunden , die er bei ihr zubrachte , für ihn friedvoll waren , und sie gönnte sie ihm . Aber nur , wenn ihn während dieser Rast nichts an sein eigenes , dunkles Dasein mahnte , bewahrte sie für ihn den Frieden . Er kam wie einer , der sich von einer ihm nicht zugänglichen Welt erzählen lassen will , - der der beste Hörer und ein kluger Versteher ist , ohne von sich selbst auch nur ein Geringes preiszugeben . So war er das gerade Widerspiel zu Hoffmann , der , von sich selbst übermächtig erfüllt , formende Aufnahme suchte . - Wäre ein anderer vor jeder Berührung seines Schicksals so zurückgewichen , wie Koszinsky es tat , - es hätte ihr Mißtrauen erregt und sie zu gleicher Verschanzung gemahnt . Hier aber wußte sie , daß es das Hoffnungslose war , das sich scheu vor Berührung barg . Seine Augen , deren Flackern stiller wurde , wenn er längere Zeit bei ihr saß , entzündeten sofort , wenn sie an das gefährliche Thema seiner Existenz auch nur rührte , ihre unruhig tanzenden Funken . Das gefaßte Lächeln verschwand , der Mund wurde hilflos und eckig . Sie solle ihn nicht verscheuchen , - indem sie ihm » helfen «