. Hippolyt schlug ein tolles Gelächter auf und verlangte unanständig , man solle seinen Vater nicht verunglimpfen , der ein Mauleseltreiber in Katalonien sei . Valerius lachte ebenfalls und erklärte mit liebenswürdiger Offenheit , daß sein Vater ein schlichter Landgeistlicher mit vierhundert Taler Gehalt wäre und noch sechs Prinzen außer ihm und zwei Prinzessinnen auferzogen habe . Die Gesellschaft war durch diese Erklärungen verstimmt , und die Fürstin fragte pikiert Valerius , ob es ihm so unangenehm sei , für einen Prinzen gehalten zu werden . Der abscheuliche Mensch antwortete sehr ernsthaft » ja . « Auf William riet wunderlich genug niemand , und obwohl man die Vermutung bei Hippolyt und Valerius noch keineswegs aufgab , so ging doch nun alles auf den sogenannten Provenzalen Herrn Leopold über . Dieser kleine hübsche Mann ist sehr wenig auf dem Schlosse zu sehen , er streift in der Umgegend umher und soll lauter demokratische Liebschaften anknüpfen . Seine Freunde wußten nichts über sein Herkommen , und dem einfältigen Valerius fiel es erst jetzt ein , daß er schon früher einmal von Leopold selbst etwas Ähnliches gehört , es aber vergessen habe . - - - - Wir saßen eben nachmittags im Garten , als der Kleine von seinen Streifereien ankam . Er hat wirklich so etwas Apartes an sich , und ist so fein und niedlich , als sei er in Purpurwindeln gewickelt gewesen . Man fragte ihn ; er tat verlegen , leugnete nicht direkt , gab nicht eben zu - kurz bestätigte alle in dem vorgefaßten Glauben , und hat nun den immerwährenden Spott von Hippolyt , den Scherz von Valer zu erdulden . Jener nennt ihn nicht mehr anders als » Kleine Exzellenz ! « Was mich anbetrifft , ich glaube , der Prinz steckt anderswo . O Mutter , rat ' mir , hilf ; Hippolyt überströmt mich mit feuriger Liebe ; zuweilen komme ich mir wie die glückliche Omphale vor , zu deren Füßen Herkules ruht , und zuweilen wieder wie die unglückliche Proserpina , welche der Gott der Unterwelt bedroht und vom Lichte der Sonne hinwegreißen will . O wie schmerzhaft ist mir diese Unsicherheit , diese Verwirrung , welche die Männer anrichten ! Unsere fröhliche , muntere Kamilla ist - der Himmel weiß wodurch - vollständig umgewandelt . Sie ist still wie das Grab , und ist wenig unter uns . Eben erhalte ich einen Brief vom Vater aus Paris - ich werde Dir ihn beilegen - Adieu , tausendmal Adieu , meine liebe zärtliche Mutter . 23. Valerius an Konstantin . Also wirklich krank bist Du , gemütskrank ? Krank an Deinem neuen Frankreich - ich glaube , Du hast recht mit Deiner Krankheit ; sie wollen Euer heißes Juliblut konfiszieren . Schreib ' mir nur nicht so karg darüber - mehr , mehr , auch wenn es Wermut ist . Heut abend ist plötzlich mein Gegner hier angekommen ; er kennt den Grafen und hat ihn unterrichtet . Eben war dieser bei mir , sehr ernsthaft und feierlich gestimmt ; von seiner sonstigen Wärme gegen mich keine Spur . Was muß der Mensch für Dinge ihm gesagt haben ! Ich ging mein Leben durch und fand durchaus keinen Anhaltspunkt . Deshalb versicherte ich dem Grafen , es müßte notwendig ein Irrtum sein . Mit wunderlicher Bestimmtheit versicherte mir dieser , es sei keiner , und der Fremde habe den triftigsten Grund mich zu fordern . Natürlich erklärte ich , daß vom Duell keine Rede sein könne , bevor ich von der Ursache unterrichtet und mit dem Narren , der Person , welche mich durchaus totschießen wolle , bekanntgemacht sei . - Auf des Grafen Bitte , nicht danach zu fragen , auf seine heilige Versicherung , daß alles in vollgültiger Richtigkeit sei , habe ich mich zu der wunderlichen Farce entschließen müssen , ein Duell mit jemand einzugehen , den ich nicht kenne , dessen Vorwürfe und Zornesgründe mir unbekannt sind . Morgen früh werden sich zwei Leute im Park schießen . Der eine tritt wie eine Sache , wie ein Pfahl ans Ziel hin , der andere aber wird , Gott weiß , wessen Ehre durch einen Schuß auf diesen Pfahl reinigen . O Welt , mit wieviel Fratzenbildern bist du eingezäunt ! Begegnet mir etwas Menschliches , so bedaure die Enkel , daß ihnen ein Kämpfer für ihre Freiheit gefallen ist , beneide die jetzt Herrschenden , daß sie einen unversöhnlichen Feind ihrer Herrschaft weniger haben . Ich habe nur ein großes Interesse auf dieser Welt , das ist die Freiheit , nur weil ich noch für sie sterben kann , würd ' ich ungern im Fratzenkampfe untergehen . - - Eben höre ich mit tiefem Schmerz , daß Kamilla bei Ankunft des Fremden außer sich geraten ist , sich eingeschlossen , gepackt und soeben den Reisewagen bestellt hat . Der Wagen rollt vor das Schloß - lautes Geräusch auf der Flur , der Treppe . - - Ich ging an die Tür und hörte eine fremde Stimme neben Kamillas ; ich durfte nicht hin ; es war offenbar der Fremde , und dem Grafen hatte ich versprechen müssen , ihm auszuweichen . - Alberta sprach weinend dazwischen ; sie waren im Hausflur , ich eilte an mein Fenster , Lichter und Laternen erhellten den Raum vor dem Schlosse , Kamilla ging eilig auf den Wagen zu , wehrte mit der Hand alle zurück , sprang in den Wagen und flog davon . Das Schloß ist einsam für mich , ich bin dem Mädchen sehr gut gewesen . Die Lösung der Rätsel muß ich erwarten . 24. Hippolyt an Konstantin . Der Teufel ist los , und es gilt den ernsthaften Versuch , ob wir ihn nicht besiegen können . Ein Weib , das ich nicht gewinnen kann , ein Freund , dessen Herzblut unnützerweise strömt . Valerius schoß sich heut morgen mit einem Fremden , der verlarvt auf der Mensur erschien , und dem Graf Topf sehr ernsthaft sekundierte .