sich immer gewünscht , wenigstens einen Hund möchte er halten , damit ihn doch ein lebendes Wesen erwarte bei seiner Heimkunft , indessen seine Wirtsleute hätten ihm das nicht zugegeben . So habe er sich denn ein Glas mit zwei Goldfischen gekauft , aber die seien ihm langweilig . Hans fühlte , wie aus dem andern ein Haß gegen ihn strömte , und in ihm erhob sich ein Widerwille , wie vorher gegen den Menschen auf der Straße . Indessen erklärte Krechting sein Wesen , daß er einen Jugendfreund gehabt , mit dem habe er alle Gedanken geteilt , und seit der tot sei , bleibe für ihn die Welt leer und kalt , denn er brauche einen Menschen , von dem er zehren könne , und für sich allein sei er nur ein Schemen . Hans solle das nicht für Eitelkeit halten , wenn er ihm solche Geständnisse mache , denn ihm sei es gleich , daß er gerade zuhöre , nur habe er ein Bedürfnis , zu irgendeinem Menschen zu sprechen . Ein Mädchen setzte sich an den Tisch der beiden , indem sie ihnen den Rücken drehte , und es fiel Hansen auf , wie durch die dünne Seidenbluse sich die Bewegungen ihrer Schulterblätter bemerkbar machten bei den Gesten , durch die sie einen Eindruck in einem verschlafenen jungen Menschen erwecken wollte , der in ihrer Nähe saß . Krechtings Augen waren wunderlich trübe geworden , wie er sie auf den Rücken des Mädchens geheftet hielt ; und indem sein Gesicht eine große Anstrengung des Überlegens aufwies , fuhr er fort , daß er den Russen beneide , trotzdem der ein unreinlicher Mensch sei , ein Stück Heiliger , ein Stück Narr und ein Stück Schuft ; aber dem sei es doch möglich geworden , sich die letzten Zwecke zu verschleiern durch seine sozialistischen Banalitäten , und dadurch sei der glücklich ; er jedoch , Krechting , könne sich nicht blind machen , denn er wisse , daß es ein Ziel geben müsse jenseits des banalen Glückes für sich selbst oder für andre ; aber er vermöge nicht zu erkunden , welcher Art und Natur dieses Ziel sei , denn er sei kein vollständiger Mensch , und ihm fehle irgendetwas , das sein Jugendfreund gehabt , und den habe er verzehren müssen . Indem fühlte das Mädchen die Augen Krechtings im Rücken , drehte sich um und lächelte den beiden zu . Über Hansen kam ein Schauer als vor etwas Grausigem und Gespensterhaftem ; eilig stand er auf , entschuldigte sich verwirrt und ging fort , denn es war ihm plötzlich gewesen , als sehe er zwei leblose Masken und als sei Vernichtung und Nichtsein hinter dem gedankenlosen Lächeln der Dirne und hinter den trüben Augen und den gespannten Zügen Krechtings . Lange irrte er noch durch die Straßen , die bereits wieder lebendig wurden durch die Menschen , welche in der Frühe ihre Geschäfte betreiben müssen , bis er endlich todmüde war , und seine Gedanken waren gänzlich verschwunden ; so ging er nach Hause und legte sich zu unruhigem Schlaf . Aus dem erweckte ihn am andern Morgen Heller , der unerwartet zu ihm kam ; und indem er auch im Schlummer noch unter dem Eindruck des Abends gestanden , fuhr er erschreckt in die Höhe durch den Anruf des Besuchers . Heller begann damit , daß man vor wichtigen Entscheidungen des Lebens das Bedürfnis habe , sich einem Freunde mitzuteilen , weniger , um dessen Rat einzuholen , denn ein jeder tue ja doch , was er schon vorher gewollt habe , als um selbst zur Klarheit des Willens zu kommen durch die Aussprache . Nach dieser Einleitung erzählte er , daß Helene , die er gestern zum ersten Male gesehen , einen sehr starken Eindruck auf ihn gemacht habe , vornehmlich durch eine gewisse Kühnheit und Überlegenheit des Willens , die er in ihren Zügen bemerkt , wozu dann noch der Gedanke gekommen sei , daß sie sich dieselben Gedanken errungen habe , die er selbst vertrete und voraussichtlich , denn ganz sicher könne man ja nie wissen , ob man seine Meinungen nicht ändern werde mit den älter werdenden Jahren , auch immer vertreten werde ; und sei sein Geist so sehr mit diesem allen beschäftigt gewesen , daß er wohl gemerkt , dieses seien die Anfänge der Liebe . Nun halte er es für eine große Verschwendung von Kraft , wenn sich jemand einem solchen Gefühl hingebe , das durch die Zeit und die Hoffnung immer stärker werde , und dann vielleicht am Ende erfahre , daß die geliebte Dame seine Gefühle gar nicht erwidern könne oder möge ; denn nicht nur die Zeit , die in der Hoffnung verbracht , sei alsdann für eine andere Tätigkeit verloren , die vielleicht mehr beglückt hätte , und wir sollten doch immer in unserm Leben das größte Glück zu erringen suchen , das uns möglich sei , ohne unsern Mitmenschen zu schädigen ; sondern auch nachher , wenn er die Enttäuschung gehabt , komme eine verlorene Zeit , die je nach der Persönlichkeit des Betreffenden länger oder kürzer sei , in der einer sich nicht glücklich fühle und für alles andre unzugänglich bleibe . Aus diesen Gründen habe er sich entschlossen , schon jetzt dem Fräulein seine Gefühle zu entdecken , obgleich dieselben noch gar nicht bis zur Liebe gediehen seien , sondern nur die Möglichkeit böten , daß sich aus ihnen Liebe entwickle , welches er ihr genau und psychologisch auseinandersetzen werde , und sie dann nur fragen , ob sie meine , daß unter Umständen , wenn nämlich er sich so entwickle , wie er denke , auch sie sich so entwickeln werde , daß sie seine Liebe erwidern könne ; über das sie ihm ja wohl keine ganz sichere Antwort geben werde , denn durchaus Gewisses vermöge in psychologischen Dingen kein Mensch zu sagen ; aber einen ungefähren Anhalt könne sie ihm wohl bieten . Sollte alsdann die Antwort so