, rot vor Scham . Aber ich werde ja bald entlassen , sagt sie leise . Das wollen wir nicht wissen , erzählen sie von Ihrem Emil , wie der Sie überall verfolgt hat . Und der Bursch lacht und blinzelt , und er fühlt sich so überlegen und so witzig - o ! Das Mädchen - ' n armes Ding , ' n Zimmermädle , springt halb auf , sie hat schon nasse Augen : I bin nit hier , um usg ' lacht z ' werde ! Nein , wir lachen Sie nicht aus , lacht der Doktor , nun , was hat Ihnen der Emil alles angetan ? Der Emil , der Uhrmacher , in den Sie verliebt waren ! Das Mädle schweigt und hängt den Kopf . Er hebt ihr das Kinn in die Höhe , grinst sie an : Er hat dann auch recht verliebtes Zeug durch den Ofen an Sie hingeschwatzt , gelt ! I bin jetzt g ' sund ! Was geht das die Schtudente an ! murmelt das arme Ding . Er wendet sich an das lachende Auditorium . Sie hat ihn nämlich nur vom Sehen gekannt , und er hat sich überhaupt nie um sie gekümmert ! Wie die Kranke zusammenzuckte , wie sie den Kopf ganz auf die Brust sinken ließ - es war bemühend ! es war brutal ! Aber er läßt nicht los . Und vor lauter Verliebtheit hat sie sich dann eingebildet , er spricht mit ihr durch den Kamin , oder war es durchs Dach ? Durch den Ofen , murrt die Patientin ; die Dummen im Auditorium lachen laut . Sagte er natürlich , er wollte Sie heiraten ! amüsiert sich unser edler Dozent . Das Mädchen schüttelte den Kopf . Na , was wollt er dann von Ihnen ? Daß er Ihr Schatz wollt sein ? Helene , ich sag dir ' s , mir saust es im Kopf , ich wollte auffahren und schreien : Das geht über Ihre Befugnis , Doktor ! Ach , man ist ja so feige ! « Das Fräulein drückte Josefines Hand . » Gut , daß du dich beherrscht hast . Wir armen Frauen , was sollen wir machen ! Hast du gelesen , wie ' s den Hörerinnen an deutschen Universitäten ergeht ? Man muß noch Gott danken jeden Tag . Aber das war wirklich ruppig . « » Los , auch , was er weiter sagt ! Er sagt : Aber wie konnten Sie denn so etwas einem ordentlichen Menschen zutrauen ? So ein Heuchler , wie dieser Doktor ist ! Als ob man ' s nicht wüßte , wie sie ' s alle treiben , und halten sich doch samt und sonders für ordentliche Menschen ! « Josy ballte die Hände . » Und was das arm ' Ding drauf erwiderte , klang so himmeltraurig , so - o ! « » Was sagte sie ? « » Sagte kläglich und ganz von Herzen : Weil ich halt nur ' n armes Mädle bin . « Helene fand das eher beruhigend . » Siehst du , Josefine , das ist ihnen natürlich , diese Denkweise ; sie fühlen ja nicht wie wir , diese ungebildeten Leute ! Wie kannst du dich ewig mit jedem Erstbesten identifizieren ? « » Was red ' st auch ! « Josefine entriß der Freundin ihre Hand , auf ihrer Stirn standen Zornfalten . » Denkst du so ? Bist ' n Frauenzimmer und denkst auch nur mit dem Kopf wie die , wo unsere ganze Ordnung geschaffen haben ? Weil ' s uns bequem ist , glauben wir so ! Aber ich glaub ' s nit ; die heut , das arm ' Zimmermädele mit ihrer heißen Liebe zu dem Uhrmacher , der sie nit emal kennt - « » Ja , aber das ist doch schon bißchen verrückt ! « fiel die Mathematikerin besänftigend ein . Josy flammte : » Verrückt ? Warum ? Sie hat ihn geliebt , den feinen , stillen , fleißigen Menschen , und hat ' s keinem gesagt , keinen damit belästigt . Und dann ist sie in Melancholie verfallen , weil er so hoch über ihr war und sie keine Möglichkeit sah , sich ihm zu nähern - « » Aber nein ! « unterbrach sie Helene erstaunt , » solche romantische Ideen hat eine Ärztin ? « » Nicht eine Ärztin , alle Ärzte wissen , daß Störungen im Triebleben von außen hervorgerufen werden können . Was ist überhaupt innen und außen ? - Ein Monismus sind wir , wenigstens in dieser Beziehung , eine Einheit , und ich bin ganz rasend über dich , daß du mit diesem Doktor glaubst , arme Leute hätten kein Gefühl ! « Sie brach plötzlich in Tränen aus . » Weißt , Helene , du - es freut mich nur , daß du nicht Medizin studierst . Solche wie du hat ' s unter den Männern genug ! « » Danke ! merci vielmal ! « Mit verbissenem Gesicht drehte Helene sich um . » Du bist eigentlich so ganz Weib , so recht Weib , Josy , und weißt ' s selber nicht ! « » Weiß es nicht ? Weiß es , bei Gott ! « schrie Josy , die Arme weit ausbreitend , » dank auch Gott dafür ! « Helene lächelte wider Willen . » Gut also , du weißt es . Ob aber so ein rechtes Weib sich zum Studieren eignet , das ist wohl die Frage ! « Josefines Gesicht verdunkelte sich . » Vielleicht ! Was mich angeht ! Mein Leben ist zu schwer . « Die Freundin kam zurück . » Nimm Ferien , « sagte sie entschieden . » Wenn du nachher auf der Nase liegst , was war dann die ganze Mühe nütz ? Überhaupt , wie du dir alles zu Herzen nimmst ! Ich kann das gar nicht verstehen . Es hat