: » Es wird ein schönes , begabtes Kind werden , dies Kind der freien Liebe . « Lotte sah sprachlos zu ihm hin . Ein stolzes Lächeln lag auf seinem Gesicht . » - Ja , Gerhart - aber nun - ist es doch selbstverständlich , dass wir sobald als möglich - « Er hörte gar nicht auf sie . » Wenn es ein Knabe ist , und ich hoffe zuversichtlich , es wird einer sein , wollen wir ihn Erik nennen , wie den Helden meines Frühlingsdramas . Ist es ein Mädchen , mag sie Helga heissen . « » Nicht Luise , wie mein Mütterchen ? « wandte Lotte schüchtern ein . » Luise ist so altmodisch , Kleines . Uebrigens passt der Name auch nicht in den Rahmen Eurer Zukunft . « » Eurer Zukunft ? « » Nun ja , Deiner und des Kindes . Ich sehe sie ganz deutlich vor mir erstehen . An einem stillen Ort , nicht allzuweit von hier , ein kleines weinumsponnenes Häuschen , davor ein Gärtchen mit bunten Blumen . In dem Gärtchen Du und das Kind , beide in weissen leichten Gewändern . An den Festtagen meines Lebens , wenn mir ein grosser Wurf gelungen , oder aber wenn ich müde geworden bin nach langer Arbeit , komme ich zu Euch hinaus und suche Trost und Frieden und neue heisse Liebe in Eurem Schoss . « Lotte hatte die Hände über dem Knie gefaltet und blickte still zu Boden , damit er die Thränen nicht sehen sollte , die ihr im Auge standen . Er meinte es ja gewiss gut mit dem was er sprach , aber sie hörte aus alledem nur das eine heraus , dass er nicht immer bei ihr sein werde . Der Mann nicht bei seiner Frau ! Der Vater : nicht bei seinem Kind ! Er aber sagte ganz arglos : » Nun Kleines , wie gefällt Dir mein Plan ? « Und als sie nicht antwortete , hob er ihr Gesicht zu sich auf und sah die Thränen über ihre Wangen fliessen . » Weshalb weinst Du denn ? « fragte er ein wenig ungeduldig . » Aengstigst Du Dich so sehr ? Aber Kleines , Mutter werden ist doch etwas natürliches ; Milliarden Frauen und Mädchen machen es durch . « Sie schüttelte sanft den Kopf , dass das wirre Lockenhaar in der seitlich durch die Stämme fallenden Sonne aufblitzte . » O nein , ich ängstige mich gar nicht . Es ist nur , dass Du so selten bei mir sein willst - ein Mann gehört doch nun einmal zu seiner Frau . « Sie hatte das Letzte nur ganz leise und verschüchtert hervorgebracht . Eine Ahnung sagte ihr plötzlich , dass er , der Priester und Verkünder der freien Liebe , am Ende etwas ganz Anderes gemeint habe als eine Ehe . Ein kurzer , halb gepfiffener , halb gehauchter Laut kam von seinen Lippen . So also stand es . Das erwartete sie ! Einen Augenblick schwankte er , ob er ihr nicht gleich die volle Wahrheit sagen , sie gar nicht erst im Zweifel darüber lassen solle , dass er niemals daran denken würde , sie zu heiraten . Aber als er sie so vor sich sitzen sah in ihrer rührenden Schönheit , ein Bild hingebender , vertrauender Liebe , brachte er ' s nicht übers Herz . Er wollte sie langsam an den Gedanken gewöhnen . In dieser Stunde , da sie ihm eben erst ihre Hoffnung gestanden hatte , wäre es brutal gewesen , mit einem einzigen Schlage ihr die Zukunft zu zertrümmern . So stand er auf und fuhr ihr liebkosend über das Haar . » Sei Du nur ruhig , mein Kleines , und rege Dich nicht auf . Ich werde schon Mittel und Wege finden , alles nach Deinen Wünschen einzurichten . Und jetzt komm ! Wir wollen auf die Höhe steigen . « Er zog sie empor . Mit stiller Glückseligkeit hing sie sich an seinen Arm . Seine nichtssagenden Worte hatten sie völlig beruhigt . - In den nächsten Tagen kam Lotte naturgemäss bei jeder Gelegenheit auf den Heiratsplan zurück , um so dringender , je schlechter sie sich jetzt zu befinden begann . Gerhart war mehrmals daran , seine zusammengekünstelte Fassung zu verlieren und ihr die Wahrheit ins Gesicht zu sagen . Im Grunde war ihm selbst bei der ganzen Angelegenheit übel genug zu Sinn . Trotzdem er die freie Liebe sich zum Lebensprinzip gemacht hatte , ging es ihm doch nahe , dass gerade Lotte ihr zum Opfer fallen sollte . Gerade weil er wusste , dass sie niemals ernstlich auf einer Erfüllung seiner Pflichten gegen sie bestehen würde , dass sie nicht zu jener Kategorie von Mädchen gehörte , die mit dem Revolver in der Hand sich ihr Recht zu wahren wissen , gerade darum that es ihm doppelt weh . Und doch kam er nicht auf den Gedanken , sie zu heiraten , des Lebens volle Bürde auf sich zu nehmen , Pflichten zu üben , wo er sich bisher nur Rechte angemasst hatte . Zum ersten Mal aber dämmerte ihm in stillen Stunden die Erkenntnis auf , dass es am Ende doch , ins Praktische übertragen , ein eigen Ding um die freie Liebe sei , und dass der Traum von ihr bedenklich in Gefahr schwebe , an der Wirklichkeit zu zerschellen . Immer wieder stand diese aufkeimende Erkenntnis vor Gerhart auf , und immer wies er sie zurück . Mit Ungeduld erst , mit Wut und Zorn am Ende . Sollte er und die ganze Schule der Modernen im Unrecht sein gegen einen alten Zopf ? Sollten am Ende aller Enden wirklich die Philister recht behalten mit ihrer Behauptung , dass die vielverspottete Ehe eine unentbehrliche Institution sei , sie , die Feinde der Ehe aber keine modernen Wirklichkeitsmenschen , wie sie selbst so stolz sich nannten , sondern verträumte Romantiker , deren erbitterter